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Flüchtlinge in Flensburg : Vereine brauchen mehr Sportflächen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Allein der TSB Flensburg verzeichnet 150 Neuzugänge in sechs Monaten/ Vorsitzender Frerich Eilts: Vorhandene Plätze längst ausgereizt

shz.de von
erstellt am 06.Apr.2016 | 08:22 Uhr

Es war bürgerliches Ehrenamt, das im letzten Jahr ganz maßgeblich half, die große Fluchtbewegung des vergangenen Jahres aufzufangen. Die Bewegung mag langsamer geworden sein, aber sie und das Ehrenamt hängen weiter zusammen – und sie brauchen Hilfe. Für mehr als 1200 Menschen war seit September 2015 in Flensburg die Flucht zu Ende.

Für diese Neubürger geht es jetzt um Integration. Die findet im steigenden Maße dort statt, wo in Deutschland traditionell die größte Integrationskraft zu finden ist: im Sport. Flensburgs größter Verein, der TSB, stellt sich wie viele andere auch dieser Aufgabe. Aber allein schaffen es die Vereine nicht, das machten TSB-Vorsitzender Frerich Eilts und seine Vorstandskollegen gestern in einem Pressegespräch deutlich.

Traditionell ist der TSB im Flensburger Norden zu Hause – seit jeher der kulturelle Schmelztiegel der Stadt. Multi-ethnisch war der Traditionsverein mit seinen 4800 Mitgliedern daher schon immer und fast folgerichtig sind von 1200 zugewanderten Neubürgern seit letzten Sommer über 10 Prozent Mitglied im TSB Flensburg geworden. „Das stellt für uns menschlich und organisatorisch überhaupt kein Problem dar“, sagt Frerich Eilts. Das größte Problem bei der Integration ist nicht das Problem von Übungsleitern, von Aufnahmebereitschaft, Solidarität und Kameradschaft. Das größte Problem ist ein Platzproblem.

Der TSB verfügt über zwei Sportanlagen an der Eckenerstraße und am Schützenhof. Auf ihnen läuft der Trainings- und Spielbetrieb für 21 Fußballmannschaften – davon 18 Jugendmannschaften. Jugend-Koordinator Ingo Nommensen nennt Zahlen: 1031 Teilnehmer, davon 106 Flüchtlinge, sorgen für wöchentlich 84,5 Stunden Betrieb allein auf dem Eckener Trainingsplatz und dem Schützenhof. Der Eckener A-Platz muss für Punktspiele geschont werden.

Garten- und Landschaftsplaner veranschlagen für einen Rasenplatz eine maximale jährliche Belastung von 400 Stunden. Der Schützenhof aber muss 1853 Stunden halten, der Eckener 935 Stunden. Schon ohne den starken Zuwachs durch Flüchtlingskinder waren die Trainingspläne stark auf Kante genäht. „Die Übungsleiter haben da zeitgleich bis zu 95 Spieler auf einem Feld. Das bringt irgendwann für keinen mehr etwas Positives und ist nur noch frustrierend“, so Nommensen. Das erneute (und ungebremste) Wachstum in den Jugendmannschaften sorgte daher für Alarmstimmung. „Wir brauchen schnell Entlastung“, sagt der Jugend-Koordinator. Konkret fordert der TSB daher die Öffnung der Schulsportplätze für den Trainingsbetrieb nicht nur der eigenen Mannschaften. Der zweite Schritt, für Eilts ebenso zwingend: Umgestaltung des stark in Mitleidenschaft gezogenen Eckener B-Platzes in ein Kunstrasenfeld. Weil Kunstrasen ganzjährig bespielbar und viel stärker belastbar ist, verspricht sich der TSB davon entscheidende Impulse. Problem: Der Umbau kostet 600  000 Euro. Und das Land fördert im Moment nur Leistungssport. Für Integrationshilfe durch Sport stehen landesweit für alle Vereine gerade mal 100  000 Euro zur Verfügung. Das wird nicht reichen.

Hans-Joachim Haut (SPD) ist Vorsitzender im Sportausschuss der Stadt. Er kennt die Zahlen, und die Wünsche der Vereine kennt er auch. Haut verweist auf den Sportentwicklungsbericht, der Ende des Monats veröffentlicht werden soll. Diese kleinteilige stadtweite Erhebung unter den Sportstätten soll bei künftigen Investitionen Orientierung geben, Rahmenbedingungen stellen. „Bei Kunstrasenflächen wissen wir, dass ein immenser Bedarf herrscht. Wir müssen und werden da einsteigen“, verspricht er. Die Öffnung der Schulsportplätze ist ebenfalls kein Tabu mehr. „Da sind wir dran. Aber wir müssen sicherstellen, ob die Plätze das auch aushalten.“ Das letzte Wort hat sowieso der Kämmerer. Dessen Kasse ist zwar wie immer leer, aber Henning Brüggemann hat im Zusammenhang mit Modernisierungswünschen für das Flensburger Stadion immerhin schon signalisiert, dass der Sport in Flensburg lange, vielleicht sogar zu lange vernachlässigt worden ist.

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