Segel-Ausbildung ohne "Gorch Fock" : Vereidigung der Enttäuschten

Fahneneid in Flensburg: Die Offiziersanwärter der Crew VII/2011  schwören, 'der Bundesrepublik treu zu dienen'. Foto: Dewanger
Fahneneid in Flensburg: Die Offiziersanwärter der Crew VII/2011 schwören, "der Bundesrepublik treu zu dienen". Foto: Dewanger

Feierliche Vereidigung mit bitterem Beigeschmack: Die Marine-Kadetten hadern mit ihrem Schicksal, denn für die neuen Offiziersanwärter gibt es keine Ausbildungsfahrt auf der "Gorch Fock".

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08. August 2011, 10:44 Uhr

Flensburg | Auf seinem Schulweg hat Alexander Hänert die "Gorch Fock" praktisch jeden Morgen gesehen. Jenen weißen Dreimaster, der bei vielen Menschen so große Sehnsüchte weckt. Der Kieler sagt: "Ich wollte da unbedingt mitfahren." In dieser Woche ist Hänerts großer Kindheitstraum wie eine Seifenblase zerplatzt. Der 18-Jährige ist zwar am Freitag in Flensburg als Offiziersanwärter bei der Marine vereidigt worden. Wie die übrigen 189 Mitglieder der "Crew VII/2011" darf er aber nicht auf das Segelschulschiff. Das hat die Marineführung entschieden. Sie feilt noch immer am neuen Sicherheitskonzept für die Bark. Dabei hatten die jungen Männer und Frauen eigentlich Anfang nächsten Jahres für sieben Wochen in See stechen sollen.
Die Kadetten wurden vom überraschenden Kurswechsel kalt erwischt. "Das ist ein Schlag ins Gesicht", sagt Hänert. "Viele Kameraden haben geweint." Auch Julia Teckentrup (19) aus dem ostwestfälischen Borgholzhausen war "extrem geschockt". Auf der "Gorch Fock" zu fahren, das sei für sie einer der entscheidenden Gründe gewesen, sich für 13 Jahre bei der Marine zu verpflichten. "Von den Ausbildern wurde uns gesagt: Es ist eine große Lebenserfahrung, die uns nun flöten geht." Und was ist mit den Horrorgeschichten rund um die "Gorch Fock"? "Da ist viel von den Medien hochgepusht worden", sagt Teckentrup.
Segeln auf kleinen Schiffen
Bei ihrer Vereidigung auf dem Gelände der Marineschule Mürwik hatten sich die Mienen der meisten Kadetten schon wieder aufgehellt. Die feierliche Zeremonie, die vielen angereisten Freunde und Verwandten waren am Freitag eher Grund für die eine oder andere Freudenträne. Immerhin liegen fünf harte Wochen der militärischen Grundausbildung hinter den 157 Männern und 33 Frauen. Selbst Petrus hatte ein Einsehen mit dem vom Schicksal betrogenen Jahrgang. Hatte der Himmel noch am Morgen alle seine Schleusen geöffnet, durften die Kadetten am späten Vormittag auf der Admiralswiese im Trockenen schwören, "der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. So wahr mir Gott helfe".
Thomas Kossendey (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, weiß um die Befindlichkeiten des Offiziersnachwuchses. "Die Entscheidung, von einer Ausbildung der Crew VII/2011 auf der Gorch Fock abzusehen, ist für uns alle schmerzlich", versicherte der Festredner an die Adresse der Kadetten gerichtet. "Aber bitte verstehen Sie: Sicherheit geht hier vor Schnelligkeit."
Teamgeist und Charakterbildung muss die "Crew VII/2011" nun auf anderen, hochmodernen Marineschiffen lernen, das Segeln auf kleinen Booten. "Das kann eine Segelfahrt auf den sieben Weltmeeren natürlich nicht ersetzen", weiß Alexander Hänert. Seine Berufswahl hat er aber ebenso wenig bereut wie Julia Teckentrup. "Bei der Marine wird einem wirklich viel geboten", blickt die 19-Jährige nach vorne.
(ac, shz)

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