Glücksburg : Vegetarierin hält Angler Sattelschweine: Kuscheln mit dem Borstenvieh

Gedanklich ganz bei den Schweinen: Andrea Gabriel (r.) mit Moderatorin Tamina Kallert und Gastkind Hannah.
Gedanklich ganz bei den Schweinen: Andrea Gabriel (r.) mit Moderatorin Tamina Kallert und Gastkind Hannah.

Vegetarierin Andrea Gabriel hat zu ihren Angler Sattelschweinen ein ganz besonderes Verhältnis – streicheln inklusive.

shz.de von
18. August 2018, 12:00 Uhr

Glücksburg | Wenn man ein Schwein wäre, würde man wohl gerne bei Andrea Gabriel leben. Die Bäuerin, die sich von allen nur mit Vornamen anreden lässt, füttert ihre Tiere mit erlesenen Produkten und bereitet ihnen ein schönes Zuhause. Mehrmals am Tag geht sie ihre Tiere streicheln. Vor lauter Wohlgefühl vergessen die Schweine dann, mit ihren Rüsseln in der Erde zu wühlen.

Auf die Frau, die mit den Schweinen kuschelt, wurde ein Fernsehteam des Westdeutschen Rundfunks aufmerksam. Die Kölner produzieren eine Folge über die Region der Flensburger Förde für das Reisemagazin „wunderschön“. Für den Beitrag, der im nächsten Jahr gesendet wird, fehlte noch etwas mit Tieren. Redakteurin Anja Koenzen recherchierte und entdeckte die aus der Region stammende Rasse der Angler Sattelschweine. Deren Fleisch gilt als besonders fettreich, die Rasse als vom Aussterben bedroht. Inzwischen hat sich der Bestand auf 100 reinrassige Tiere deutschlandweit eingependelt. Bei ihrer Recherche stieß die Redakteurin auch auf ein Foto, das Andrea Gabriel beim Kuscheln mit einem Schwein zeigt. „Da war mir klar: Das brauchen wir“, so Koenzen. Und so besuchte das Team auch den Biohof Svensteen von Andrea Gabriel, der zwischen Munkbrarup und Ringsberg liegt.

Zuchtsauen „Frida“, „Finchen“, „Lotta“ und „Trudi“

Selbst beim Dreh ist Andrea ganz bei ihren Schweinen, schaut kaum hoch, wenn sie eins streichelt. Moderatorin Tamina Kallert streichelt eifrig mit: die Zuchtsauen „Frida“, „Finchen“, „Lotta“ und „Trudi“ grunzen zufrieden. Der Eber „Friedbert“ bewohnt zurzeit eigenes Terrain und rund ein Dutzend Ferkel hält derweil Mittagsschlaf in kleinen Schutzhütten.

Hinter der Streichelaktion vor der Kamera steckt mehr als Show. „Wir achten das Leben“, sagt Andrea Gabriel und meint damit das Leben generell – von Menschen, Tieren und Pflanzen. Ein Leben im Einklang mit der Natur ist ihr wichtig.

Sie selbst ist seit 30 Jahren Vegetarierin, kann aber verstehen, dass nicht alle Menschen auf Fleisch verzichten möchten. Auch ihre Sattelschweine werden geschlachtet, meist im Alter von einem Jahr. Die Eber sind bereits nach sechs Monaten dran, weil sie dann geschlechtsreif werden und ihr Fleisch einen unangenehmen Geschmack entwickelt. Anders als üblich, lässt Andrea die kleinen Eber nicht kastrieren. Sie füttert sie stattdessen mit Topinambur. Das Wurzelgemüse vermindert die Bildung von Skatol, das den herben Ebergeruch hervorruft. Hat eine Sau mehr Ferkel als sie säugen kann, füttert Andrea Gabriel sie.

Begleitet die Tiere zur Schlachtbank

Wenn es zur Schlachtbank geht, wird die 58-Jährige zur Krankenschwester. „Ich begleite die Tiere bei dem Unausweichlichen. Ich habe dafür gesorgt, dass sie ein gutes Leben hatten. Ich bringe sie abends persönlich im Anhänger zum Schlachter.

Für sie und ihren Mann Piet kam immer nur ein Biohof in Frage. Zunächst haben sie den Hof der Schwiegereltern in Sörup auf Bio umgestellt. Als für drei Familien der Platz langsam knapp wurde – das Paar hat sieben Kinder, zwei Jungen und fünf Mädchen, pachteten sie den Biohof Svensteen dazu. Sohn Peer, 28, übernahm den Söruper Hof. Zur Pacht gehörte neben 150 Hausschweinen auch eine Handvoll Sattelschweine. Heute gibt es auf dem Hof 20 Hühner, die alle Hildegard heißen und einen Hahn mit Namen „König Max“, drei Ziegen, fünf Schafe und ein paar Kälber.

„Ich singe den Schweinen oft etwas vor“

Andrea Gabriel zeigt ihren Hof gerne, hält regelmäßig Führungen ab und betreut Kindergruppen. Zudem führt sie einen Hofladen und ein Hofcafé. Dort sitzen die Besucher auf Kissen, die aus Kartoffelsäcken genäht wurden und mit Schafwolle gefüllt sind. Bio eben.

Die Bäuerin kann sich auch vorstellen, den Hof für private Feiern zu vermieten. Die Gäste könnten selbst ihr Gemüse ernten und zubereiten und ein Schwein garen, Tanz und Lagerfeuer veranstalten. Jetzt, wo alle Kinder groß sind, will sie an der Vermarktung dieser Idee arbeiten. Der Besuch des Fernsehteams kam ihr deshalb sehr gelegen. Ein Logo für den Erlebnishof hat sie schon gestaltet. „Handgestreichelt“ steht darauf verziert mit einigen Noten. Die haben durchaus ihren Sinn. „Ich singe den Schweinen oft etwas vor. Sie mögen das so gerne.“

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