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Zerstörte sanitäre Anlagen : Vandalismus am Flensburger Bahnhof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schon 10.000 Euro Schaden allein in diesem Jahr. Die sanitären Anlagen in Zug und Bahnhof sind nicht mehr zumutbar.

Flensburg | Eine Bahnfahrt, die ist lustig! Besonders dann, wenn man in einem überfüllten Waggon des altertümlich anmutenden Pendlerzuges um 16.43 Uhr von Hamburg nach Flensburg zuckelt. Sigfried Scherer fährt diese Strecke regelmäßig. Und als der Rentner unlängst wieder einmal diese unselige Erfahrung machte, hatte er – wie andere auch – mit der Notdurft seine liebe Not.

In sechs von zehn Waggons seien die Toiletten defekt oder nicht benutzbar gewesen, berichtet der Flensburger. Und die intakten Örtchen dienen oft als Refugium für Raucher. Der Zug verfügt über keine Klimaanlage. „Ich kam mir vor wie in einem Viehtransporter“, schimpft der 66-Jährige. Das Problem: In Flensburg gibt es für die Züge keinen Wartungsdienst. Nach Auskunft der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS Schleswig-Holstein) werden technische Mängel in den Waggons nur alle vier Tage in Kiel beseitigt, auch eine gründliche Innenreinigung wird erst dann vorgenommen – so lange also warten die vor sich hin dünstenden Behälter auf Leerung.

In Flensburg angekommen, warten viele Passagiere mit einem dringenden Bedürfnis auf Erlösung. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Die drei Urinale in der Bahnhofstoilette sind schon seit Wochen entfernt; die WCs hinter durchlöcherter Tür derart verunreinigt, dass Scherer sogar vor einem Foto zu Dokumentationszwecken zurückschreckte. Und die Behindertentoilette: verriegelt. Die ohnehin grausam anmutenden öffentlichen Toiletten in der Stadt nehmen sich dagegen aus wie reine Paläste. Es sei hier nicht verraten, ob der Reisende in seiner Verzweiflung die Damentoilette aufgesucht hat. Nur soviel: Einige tun’s. „Das gibt dann einen mordsmäßigen Aufstand aus der Frauenfraktion.“ Doch wo sind die Alternativen? „Na ja“, sagt Scherer schmunzelnd, „pinkeln im Park.“

Für ihn ist der beklagenswerte Zustand der sanitären Anlagen ein weit größeres Problem als die monatelang marode Treppe vor dem Bahnhof, die derzeit saniert wird. „Alles in allem haben die mit der Bahn ankommenden Flensburg-Besucher einen hervorragenden ersten Eindruck von der Stadt“, spottet Scherer. Er habe zur Genüge mit Touristen gesprochen. „Die empfinden es als eine Katastrophe.“

Vor fünf Jahren investierten die Bahn, das Land Schleswig-Holstein und die Stadt Flensburg 2,8 Millionen Euro in die Modernisierung des Bahnhofs. Da wurden Bahnsteige saniert und rückgebaut, schicke Schilder angebracht, Aufzüge installiert und das Ambiente aufgehübscht. Doch die Toiletten, die hatte man irgendwie nicht auf der Rechnung.

Auch künftig ist an eine Modernisierung der WC-Anlage nicht gedacht. Sagt unverblümt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst „Hauptsache, sie funktionieren.“ Eine grundlegende Sanierung sei eine Investition, die sich nicht lohne. Denn an diesem Ort, der immerhin täglich gereinigt werde, sei jederzeit mit Vandalismus zu rechnen. Die Bahn habe allein in diesem Jahr 10.000 Euro zur Beseitigung der Schäden investiert. „Das ist eine Nummer, die nicht mehr witzig ist.“ Blinde Zerstörungswut sei auch dafür verantwortlich, dass die Urinale nunmehr fehlten. Ende Oktober oder Anfang November, schätzt die Sprecherin, seien sie von Unbekannten zertrümmert worden. „Dann haben wir sie komplett abmontiert. Keine Urinale“, stellt sie fest, „sind besser als kaputte.“ Und wird es bald wieder neue geben? „Gewiss“, sagt Sabine Brunkhorst, „wir wollen sie wieder herrichten – demnächst. Und hoffen, dass wir dann verschont bleiben.“

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erstellt am 22.Nov.2014 | 13:59 Uhr

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