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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 16:49 Uhr

Musik-Szene : USA-Flensburger als Gast-Dirigent

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Andreas Delfs lebt seit mehr als 30 Jahren im Staat New York. Heute dirigiert er das Sønderjyllands Symfoniorkester in seiner Heimatstadt.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 11:38 Uhr

Wenn er mit seiner Mutter, der Schauspielerin Renate Delfs, in seiner Heimatstadt spazieren gehe, werde sie häufig angesprochen und um ein Autogramm gebeten. „Hier in Flensburg ist meine Mutter ein Star“, freut sich Andreas Delfs. Auf der anderen Seite des Atlantiks wäre das vermutlich anders. Der 54 Jahre alte Flensburger ist nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika und Asien ein gefragter Dirigent. Heute Abend wird er Sønderjyllands Symfoniorkester im Deutschen Haus in Flensburg dirigieren.

Das kenne er noch aus Kindertagen, erinnert sich Andreas Delfs an Konzerte, die er im Haus am Berliner Platz schon als Junge besucht – und später dirigiert – hat. Delfs ist mit Musik groß geworden. „Genau wie meine beiden Brüder bin ich mit fünf zur Klavierstunde geschickt worden“, erzählt er. Allerdings sei nur er dabei geblieben. Delfs schwärmt von seinem „wunderbaren Mentor“, dem inzwischen verstorbenen Professor Otto Stöterau, den er alles über Musik fragen konnte, der immer Zeit für ihn hatte. Stöterau habe ihm auch den Weg nach Hamburg geebnet, wo er Musik studierte. Lange habe er an der Alster „vor sich hin studiert“, sich auch für Jazz und Musical interessiert, bis ihm wieder eine Schlüsselfigur die Richtung wies. „Christoph von Dohnányi hat mich auf den Pott gesetzt“, formuliert der Flensburger flapsig. Von Dohnányi habe ihm geraten, sich zu entscheiden und das Dirigieren nahe gelegt. Außerdem bereitete jener ihm den Weg nach New York. 1982 habe er Deutschland verlassen, sagt Andreas Delfs. Seither steht er mit einem Bein in der Neuen, mit dem anderen in der Alten Welt.

Der Maestro lebt mit seiner Familie im Bundesstaat New York, eine Stunde von den Niagara-Fällen entfernt. Mit Worten malt der Künstler ein fantastisches Bild der bei eisigen Temperaturen zu einem Drittel gefrorenen Wasserfälle. Dabei blickt er auf die Förde und genießt die Aussicht. Vor wenigen Jahren hat er die Gelegenheit ergriffen und das Haus erworben, einen Katzensprung von seinem Elternhaus im Flensburger Norden entfernt gelegen. Insbesondere im Sommer, wenn die Kinder zwei Monate lang Ferien haben, nutze es die Familie, sagt der Vater zweier Töchter und zweier Söhne. Ein jeder der vier sei in einem anderen Land zur Welt gekommen, sagt der weltläufige Familienmensch. Allesamt beschreibt er als musikalisch talentiert, ob am Klavier oder Cello. Doch keiner seiner Sprösslinge scheint in die Stapfen des Vaters zu treten. Delfs ist nicht enttäuscht darüber, im Gegenteil, er freut sich an den klaren Vorstellungen und mannigfaltigen Talenten seiner Kinder.

Vier, fünf Monate im Jahr, so schätzt er, verbringe er in seiner Wahlheimat, den Vereinigten Staaten von Amerika. Die übrigen Wochen und Monate reist er um die Welt, dirigiert in Japan, China, Korea, in Belgien, der Schweiz, London. Seit vielen Jahren schon arbeite er mit dänischen Orchestern, darunter dem Radio-Orchester. Als Flensburger spricht Delfs natürlich Dänisch, hat anfangs häufiger davon Gebrauch gemacht. Doch auch in Kopenhagen setzt sich in den letzten Jahren zunehmend das Englische durch.

Die längste Zeit, über zwölf Jahre, war Andreas Delfs Chef des Milwaukee Symphony Orchestra und verhalf dem Klangkörper zu neuen Höhen und einem hervorragenden Ruf. „Es war das erste Orchester, das nach dem Embargo in Kuba gastierte“, berichtet Delfs. Dennoch hielt er es nach ungewöhnlich vielen Jahren als Kopf des Orchesters für an der Zeit, zu wechseln. In der Funktion des Musikdirektors verantworte man in Amerika Aufgaben, von denen sehr viele nichts mit Musik zu tun haben. Als Conductor Laureate, einem Ehrentitel, bleibt er den Milwaukee-Sinfonikern als Gast verbunden.

Seit Montag probt Andreas Delfs für sein erstes Konzert in Flensburg „mit einem lokalen Orchester“, den dänischen Sinfonikern. Und er ist beeindruckt von der Arbeit der 65 Musiker. Während „Don Juan“ von Richard Strauss wie „eine Flasche Champagner“ daherkomme und gar nicht aufhöre zu prickeln, empfindet der Dirigent Schumanns Sinfonie als seine schönste. Beim Cello-Konzert desselben Komponisten wird Andreas Brantelid als Solist auftreten. Den dänisch-schwedischen Künstler, Jahrgang 1987, beschreibt Andreas Delfs als preisgekrönten Kollegen mit „sehr guten Ideen“ und individuellem Zugang. „Zu begleiten, ist dann leicht, wenn das Orchester dem Solisten zuhört“, lobt er und macht Lust auf das Konzert heute Abend.

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