Brandstiftung in Flensburg : Urteil: Exe-Häuser-Brandstifter wollte töten

Die Brandstelle von oben.
1 von 7
Die Brandstelle von oben.

Er fühlte sich von ihr beleidigt: Ein 49-jähriger Flensburger soll im November ein Feuer gelegt haben, um seine Ex-Freundin zu töten. Am Dienstagnachmittag wurde er vor dem Landgericht zu acht Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt.

Avatar_shz von
01. Juli 2014, 07:18 Uhr

Flensburg | Kurz vor dem Urteil musste Ahmad H. noch mal kurz raus. Wegen der Tränen. Emotional sichtlich angespannt wartete der 49-jährige Angeklagte im Prozess um den Großbrand der Exe-Häuser auf seinen Schuldspruch. Ein Urteil auch über ihn – als Mensch. Diese Messlatte hatte H. gleich zum Prozessauftakt gelegt, indem er die Brandstiftung gestand, aber den Gedanken, er habe damit seine Ex-Partnerin töten wollen, auf Ehre und Gewissen weit von sich wies. Mittwochnachmittag nun, der Spruch der 1. Großen Kammer. 8 Jahre und 7 Monate Haft, hauptsächlich wegen versuchten Mordes.

Die Kammer um den Vorsitzenden Richter Michael Lembke sah es als erwiesen an, dass H. durchaus den Vorsatz gefasst hatte, seine langjährige Lebenspartnerin zu töten. Nachts gelangte er um 3.50 Uhr ins Haus. Mit 13 Litern Superbenzin im Gepäck, das er sich abends an einer Tankstelle besorgt hatte. Auf dem Boden verteilte er den Brandbeschleuniger da, wo er die Wohnung der Frau vermutete, die sich ein paar Monate zuvor von ihm getrennt hatte.

Als der Brandsatz mit einer gewaltigen Verpuffung zündete und über dem Himmel Flensburgs ein flammendes Fanal setzte, konnte Ahmad H. noch nicht wissen, was der Brandsachverständige später ausführen würde, nämlich dass diese Art der Brandstiftung für die Bewohner zumindest keine akute Gefährdung mit sich brachte. Außer einem Millionenschaden und entwurzelten Menschen, die ihr Hab und Gut verloren, hatte seine Tat keine Folgen. Dennoch. Für Lembke stand nach der Beweisaufnahme außer Zweifel, dass Flensburg in jener Nacht den Höhepunkt eines dramatischen Beziehungskonflikts gesehen hatte, einen, in dem Ahmad für seine ehemalige Partnerin den Tod vorgesehen hatte.

Die Erste Strafkammer stützte sich auf Hunderte von Kurznachrichten und Emails, unterwegs auf einem Schlingerkurs zwischen Drohen und Flehen – mit einer – wie der psychiatrische Sachverständige Dr. Klaus Friemert sagte, am Ende immer deutlicher werdenden Tötungsabsicht. Wobei er nicht den Stab über Ahmad H. brechen wollte. „Er ist kein gemütsarmer Gewalttäter. Er hat sie geliebt.“ Aber die Trennung, die konnte Ahmad H. nicht verarbeiten. Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und ein tief wurzelndes archaisches Frauenbild liefen in den der Trennung folgenden Monaten zusammen. Als H. am 18. November seiner Ex-Freundin um 22 Uhr die letzte Kurznachricht schickte, so Lembke in der Urteilsbegründung, war die Tat beschlossene Sache. „Game over.“

Die Kammer folgte in der Bewertung Staatsanwalt Björn Dellius, der in seinem Plädoyer ausgeführt hatte, die Tat verfüge über wenigstens drei Mord-qualifizierende Merkmale: Heimtücke, niedere Beweggründe, Gemeingefährlichkeit. H. habe, als er das Feuer entzündet hatte, das weitere Geschehen nicht mehr in der Hand gehabt. Den Tod der Frau, ihrer beiden Söhne und zweier anderer Personen, deren Wohnungen unter dem Dachboden lagen, habe er billigend in Kauf genommen.

Lembke machte deutlich, dass dieses Urteil hätte noch drastischer ausfallen können. Die Strafkammer hatte nicht nur das Großfeuer zu bewerten, es ging auch um ein Geschehen, das sich im Zuge des dramatischen Beziehungskonfliktes am 16. September in der Wohnung des Angeklagten abspielte. Da hatte er mit einem Beil und einer Schreckschusspistole bewaffnet auf seine Partnerin und deren Schwester eingeschlagen. Die Schwester – Ziel der Beilattacke – wurde nur leicht verletzt, seine Freundin musste nach etlichen Schlägen mit dem Knauf auf den Kopf in der Diako genäht werden. Die Tat floss als gefährliche Körperverletzung in das Urteil ein. „Man kann so etwas juristisch auch anders bewerten“, sagte Lembke. „Das ist ein Geschehen im Dunstkreis eines versuchten Tötungsdeliktes. Aber wir haben da kein Fass aufgemacht.“ Für eine weitere Milderung (die Staatsanwaltschaft hatte elf Jahre gefordert) sorgte die  Annahme einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit infolge der gutachterlich bescheinigten Persönlichkeitsstörung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert