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Feuer am Flensburger Bahnhof : Urteil erwartet: Brennende Züge als Frustbewältigung?

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Immer wieder soll ein Flensburger abgestellte Züge abgefackelt haben. Sein Job war Müll sammeln und Toiletten reinigen – unter hoher Arbeitsbelastung. Eine Gutachterin sieht das als Auslöser für die Brandstiftungen.

Flensburg | Im Prozess um eine Serie von Brandstiftungen an Bahngleisen in Flensburg wird am Donnerstag das Urteil vor dem Landgericht Flensburg erwartet. Zuvor werden Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers halten.

Mit Zeugenaussagen und dem Gutachten einer Sachverständigen war der Prozess gegen einen 49-Jährigen wegen Brandstiftung am Montag fortgesetzt worden. Der Mann soll für eine Serie von Brandstiftungen am Flensburger Bahnhof verantwortlich sein. Die Anklage legt dem aus der Fördestadt stammenden geständigen Mann insgesamt elf Taten zur Last.

Die Brände soll der Mann zwischen 2010 und 2014 zumeist in abgestellten Zügen in Flensburg gelegt haben. Er gestand neben den Bahn-Bränden auch noch, 2008 und 2013 zwei Feuer im Flensburger Stadtgebiet gelegt zu haben.

Kollegen und eine Ärztin zeichnen das Bild eines überarbeiteten Mannes, der nicht Nein sagen konnte und deswegen zur Flasche griff. Ehemalige Kollegen des 49-Jährigen, der bei einer Bahnreinigungsfirma angestellt war, schilderten die hohe Arbeitsbelastung. Der Angeklagte habe als Vorarbeiter unter Stress gestanden. Regelmäßig frei habe der Mann nicht gehabt, sagte ein Kollege. „Weil wir zu wenig Leute sind.“ Müll sammeln, Züge und Toiletten reinigen habe zu den Aufgaben gehört.

Der 49-Jährige sei aber „immer zuverlässig, immer bereit, immer freundlich“ gewesen, sagte eine frühere Vorgesetzte. „Er konnte nicht Nein sagen“, befand der einzige Freund des 49-Jährigen. Auch habe er sich nicht getraut, Kritik zu üben, etwa in Bezug auf die unbeheizte Garage, die als Pausenraum und Lager diente. Dann habe er angefangen zu trinken. Der Mann habe Hilflosigkeit ausgestrahlt, sagte eine Sachverständige.

Die Ärztin stellte eine Persönlichkeitsstörung und Alkoholabhängigkeit bei dem Angeklagten fest. Traumatisch sei der frühe Tod der Mutter gewesen, als der Sohn elf Jahre alt war. Zudem zeige der Mann eine mangelhafte Autonomie, habe bis zum 40. Lebensjahr mit dem Vater zusammengelebt und habe nur geringe kommunikative Bedürfnisse. Sein Leben habe nur aus Arbeit bestanden.

Die Brände dienten demnach der Frustbewältigung. Die Gutachterin empfahl eine Therapie. Der Mann sei ansonsten weiter für die Allgemeinheit gefährlich. Am Donnerstag werden die Plädoyers und das Urteil erwartet.

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erstellt am 03.Feb.2015 | 09:00 Uhr

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