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Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 18:33 Uhr

Urknall

vom

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Der Urknall ist eigentlich zu lange her, um im kollektiven Gedächtnis der Nordstadt-Bewohner noch eine bedeutsame Rolle zu spielen. Aber irgendwie scheint die Detonation doch nachzuhallen. Jedenfalls sorgt die bloße Ankündigung, eine Hochdruckgasleitung durch die Vorgärten zu treiben, Rasenflächendeckend für eine Renaissance der Urängste. Das liegt an dieser speziellen Eigenschaft von Gasen, den Raum einzunehmen, den man ihnen zur Verfügung stellt. Das gilt übrigens auch für Erdgas. Das in der Bezeichnung enthaltene "Erd" ist irreführend. Erdgas hat überhaupt nichts Erdiges an sich sondern im Gegenteil die Tendenz, sich vollständig im umgebenen Raum zu verflüchtigen. Und wer ein brennendes Streichholz an konzentriertes Erdgas hält, wird feststellen, dass Erdgas dann nicht etwa zu krümeln beginnt, sondern mit so lautem Rums detoniert, dass man sich spontan fragt, warum Erdgas eigentlich Erdgas heißt und nicht Rumsgas. Die Klueser, und das ist momentan das Problem, wollen weder das eine noch das andere haben. Sie sagen, die Leitung verläuft direkt vor der Haustüre und bei der anerkannten Emsigkeit, mit der in Flensburg gebuddelt wird, kann es einfach nicht ausbleiben, dass irgend ein Bagger irgendwann der Stahlleitung eins auf die Glocke gibt und das Gas im Rohr dann macht, was alle Gase in defekten Rohren machen: den umliegenden Raum einnehmen. Sollte sich zu diesem Ereignis dann zufällig noch ein Rauchergrüppchen gesellen, kann es ganz schnell passieren, dass Jahrzehnte lange Stadtsanierungsbemühungen auf Null zurückgesetzt werden.

Insofern ist es ein Stück weit nachvollziehbar, wenn die betroffenen Anwohner höflich daran erinnern, dass dieses Ereignis bei einer Trassenführung durch den Kluesrieser Wald unwahrscheinlicher ist. Im Wald werden nur sehr selten Kanal- oder Fernwärmerohre verlegt und die dort anzutreffende Fauna besteht durchgängig aus überzeugten Nichtrauchern. Insofern sind die Chancen hier geringer, dass eine unglückliche Kette von Ereignissen für Verdruss sorgt. Es ist natürlich aller Ehren wert, wenn die Stadtwerke den im Kluesrieser Wald lebenden Kammmolch nicht mit einer Baustelle belästigen wollen. Aber wenn man nur recht höflich fragt, trollt er sich womöglich und frisst seine Regenwürmer (befristet natürlich) woanders. Sollten die Stadtwerke hier freilich nicht einlenken, werden die Anwohner wohl oder übel darauf bestehen müssen, dass Kessel 12 statt mit Erd- durch Lachgas befeuert wird. Das ist garantiert unschädlich.

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