Fachhochschule Flensburg : Untreue-Vorwürfe an der FH: Des Kanzlers Flucht nach vorn

Ein Zentrum für maritime Ausbildung: FH-Kanzler Klaus Arnold (l.) und Präsident Herbert Zickfeld mit Skizzen des geplanten Neubaus.<strong>(jbo)</strong>
Ein Zentrum für maritime Ausbildung: FH-Kanzler Klaus Arnold (l.) und Präsident Herbert Zickfeld mit Skizzen des geplanten Neubaus.(jbo)

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07. Juni 2010, 06:03 Uhr

Flensburg | Der Ort für die eilig einberufene Pressekonferenz war ebenso ungewöhnlich wie die Zeit: Fachhochschul-Kanzler Klaus Arnold hat am Sonntagnachmittag in der Sozietät Dr. Kruse, Hansen & Sielaff an der Stuhrsallee zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung genommen, gemeinsam mit seinem Anwalt Dietrich Schenke. Bei den Vorwürfen, die mittlerweile bei der Flensburger Staatsanwaltschaft und im Kieler Wissenschaftsministerium gelandet sind, geht es um die Veruntreuung öffentlicher Gelder, die Arnold, FH-Kanzler seit 1985, als Verwaltungsleiter und Haushaltschef verantwortet.

Konkret geht es unter anderem um ein externes Callcenter, das die FH seit mehr als zwei Jahren beauftragt hatte, um außerhalb der Bürozeiten für Studieninteressierte erreichbar zu sein. Dabei geht es nicht nur um vergleichsweise hohe Kosten für geringe Nutzungsquoten - die Rede ist von 20 000 Euro bei Anruferzahlen im zweistelligen Bereich pro Jahr. Ins Zentrum der Vorwürfe ist auch Arnolds Frau Michaela gerückt. Die Verwaltungsangestellte der FH ist mit einer Heimarbeitsgenehmigung wiederum Auftragnehmerin jener Telefongesellschaft, die die Anfragen beantworten soll. Arnold und sein Anwalt Schenke bestätigten gestern, dass Michaela Arnold als Subunternehmerin des Callcenters gearbeitet habe - allerdings "mit Wissen und Wollen der FH".

Noch in der Amtszeit Zickfelds, der seit Februar 2009 in Flensburg ist, sei der Vertrag um ein Jahr verlängert worden. Ihre Mitarbeit sei notwendig gewesen für jene Fälle, bei denen die Damen des Callcenters nicht mehr weiter gewusst hätten. Zudem habe es täglich Anrufe gegeben, auch aus der Hochschule heraus. Frau Arnolds Einkünfte hätten pro Monat im dreistelligen Eurobereich gelegen. Alles sei von den FH-Gremien abgesegnet gewesen. "Untreue ist ein Heimlichkeitsdelikt", erklärte Arnolds Anwalt Schenke: "Öffentliche Untreue gibt es nicht."

Arnold, der seit zwei Monaten krank geschrieben ist, kritisiert, dass er zu den Vorwürfen noch nicht gehört wurde. "Es gibt gewisse Ungereimtheiten zwischen Herrn Arnold und Herrn Zickfeld", erklärt der Anwalt. Er vermutet, dass FH-Präsident Herbert Zickfeld die Krankheit des Kanzlers nutze, um das Kräfteverhältnis im Präsidium zu seinen Gunsten zu verändern. Deshalb habe er gerade die Geschäftsordnung geändert.

Seinem Anwalt zufolge sprühe der Kanzler vor Ideen zur Zukunft des Campus. Die Amtszeit von Arnold, Jahrgang 1946, ende regulär am 31. Januar 2012. Arnold: "In dieser Zeit kann man noch viel bewegen."

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