Steinbergkirche : Unterricht für „Gondor“

Ein gutes Team: Horsemanship-Trainerin Tanja Kirchhoff half Pony „Gondor“ dabei, ein Schulpferd zu werden.
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Ein gutes Team: Horsemanship-Trainerin Tanja Kirchhoff half Pony „Gondor“ dabei, ein Schulpferd zu werden.

Der schwierige Weg zum Liebling auf dem Hof: Vor der ersten Reitstunde braucht ein Pony selbst eine gute Ausbildung.

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07. Januar 2018, 14:00 Uhr

Nein, „Gondor“ war nicht einverstanden. Im April 2016 kam der hübsche Lewitzer Wallacher als neues Schulpony auf den Lindenhof nach Habernis. Dort sollte er seinen ersten Job antreten und Kinder über die Reitbahn tragen. Die wiegen zumeist zwar nicht viel – aber den Umgang mit Pferden müssen sie oft erst lernen.

Und damit war „Gondor “nicht einverstanden. „Mit seinen sieben Jahren war er ja auch selbst fast noch ein Junge“, erinnert sich Tanja Kirchhoff. Die Western-Reitlehrerin (B-Lizenz, EWU) und Horsemanship-Trainerin arbeitet regelmäßig auf dem Lindenhof. Sie hat das angehende Schulpony von damals noch vor Augen. Für die Arbeit unterm Sattel brauchte es mehr Muskulatur, mehr Gleichgewichtssinn – und vor allen Dingen mehr Zutrauen. Das war auch Julia und Nino Lauscher, den Eigentümern des Lindenhofs, schnell klar: So begann „Gondors“ Leben auf dem Lindenhof mit herrlich freien Tagen auf der Koppel – und wenigen, ersten Versuchen im Einsatz als Reitschulpferd.

Doch selbst diese wenigen Versuche gestalteten sich unerwartet schwierig. Gondor schmuste zwar gern mit den großen und kleinen Hofbesuchern. Doch wenn es ans Reiten ging – nein, da war bei aller Fürsorge und liebevoller Behandlung nichts zu wollen. Das Pony machte Bocksprünge – an Schulunterricht war nicht zu denken. Was war da los? Die Verantwortlichen auf dem Lindenhof kümmerten sich. „Gondor“ wurde longiert und von erfahrenen Reitern bewegt. Sein Zustand besserte sich nicht. Im Gegenteil, es wurde schlimmer. Ein Physiotherapeut kam, ein Therapieplan wurde aufgestellt, über Monate gab es täglich nur 20 Minuten Schritt und Trab an der Longe, um den Körper zu kräftigen. Nach fünf Monaten endlich – Anfang 2017 – erklärte der Physiotherapeut, das Pony sei fit für den Unterricht. Allerdings: Reitpferde – und Schulpferde erst recht – brauchen weit mehr als „nur“körperliche Fitness: „Das zeigte ,Gondor’ uns deutlich.“ Um Vertrauen geht es, um Kommunikation. „Pferde sind Fluchttiere. Sie wollen Sicherheit. Wir dagegen sind Raubtiere und damit gefährlich. Das passt eigentlich nicht zusammen“, sagt Tanja Kirchhoff und lächelt: „Wir müssen das Pony deshalb ersteinmal davon überzeugen, dass es uns vertrauen kann.“ Also bekam „Gondor “ Einzelunterricht. Sechs Monate lang kümmerte die Horsemanship-Trainerin sich intensiv um ihn. Horsemanship – das heißt soviel wie „Pferdemenschentum“.

Gemeint ist die Kunst, sich als Mensch für Pferde verständlich zu verhalten. Das braucht klare Kommunikation und Ausgeglichenheit. Denn: „Pferde lesen Körpersignale und Emotionen. Das macht ihre Sprache aus. Und wenn das, was wir tun, für sie unverständlich ist, kann es zu Missverständnissen kommen“ – mit unangenehmen Folgen. Die Trainerin berichtet von Pferden, die Angst vor Transport-Hängern haben, vor Wasser, vor allem möglichen. Und ist ein Tier ersteinmal verunsichert, kann es gefährlich werden: Es beißt oder schlägt, buckelt oder rennt los. Für viele Reiter kommt das unerwartet. Tanja Kirchhoff ist eines deshalb besonders wichtig: „Ein Pferd ist nicht einmal ausgebildet und funktioniert dann wie ein programmierter Rechner. Es reagiert auf seine Umgebung.“ Wer mit Pferden umgeht, sollte sich dessen bewusst sein. Für problematisches Verhalten gebe es einen Grund. Aufgabe des Menschen sei es dann, danach zu forschen und „Geduld zu haben“.

Die Trainerin hat diese Geduld, das ist zu spüren. „Ständiges Wiederholen und gezieltes Lob sind die Schlüssel für eine gute Pferd-Mensch-Beziehung.“ So war es auch bei „Gondor“, der jetzt neben ihr steht und sie freundlich mit der Nase anstupst. Nach vielen Übungswochen am Boden, kam der erste kurze Ritt. Es klappte. Im August durfte der Wallach schon mit seiner Pflegerin ausreiten. Und seit Ende 2017 gehört er „richtig“ zur Lindenhof-Familie. „Darüber freue ich mich sehr“, sagt seine Trainerin, die nun gespannt darauf wartet, wie sich das neue Schulpony in seinem ersten Jahr schlagen wird.

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