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Wohnraum in Flensburg : Unterkünfte für 1400 Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt will an dezentralem Wohnen festhalten, plant jetzt aber die ersten großen Standorte auf der Exe, am Friedensweg und im Sophienhof.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 10:30 Uhr

Flensburg | Für rund 600 Flüchtlinge, die auf ein gutes Ende ihres Asylverfahrens hoffen, hat die Stadt Flensburg bislang Unterkünfte geschaffen. Sie sind dezentral an 110 Standorten überwiegend in Wohnungen untergebracht. Mit 80 Plätzen ist die alte Paulus-Paulsen-Schule an der Schloßstraße bisher der mit Abstand größte Standort.

Am Montagabend wollte die Stadt die Anwohner im Stadtteil Weiche darüber informieren, dass im neuen Jahr am Friedensweg/Nähe Nikolaiallee 550 und am Sophienhof in Weiche 380 Geflohene in neuen Holzhauswohnmodulen untergebracht werden sollen. Als dezentral kann man hier allenfalls noch die Lage der Standorte bezeichnen, an denen Weiche nun mehr Asylbewerber aufnehmen soll als bislang die gesamte übrige Stadt.

Kein Wunder, dass das Sportheim des ETSV Weiche mit 230 Zuhörern also aus allen Nähten platzte und zig weitere Interessierte entweder von den Fluren des Sportheims oder von draußen lauschen mussten – oder lieber wieder nach Hause gingen. Morgen ist in der deutlich größeren Bürgerhalle des Rathauses bereits der nächste Infoabend, mit Schwerpunkt auf den Unterkünften für bis zu 320 Flüchtlinge auf der Exe.

Klar wurde in Weiche: Innenminister Stefan Studt hat die Kommunen bereits drauf vorbereitet, dass im neuen Jahr noch sehr viel mehr Unterkünfte notwendig werden, als bislang bezogen und geplant sind. Warum denn bislang mit Weiche und dem Friesischen Berg die meisten großen Standorte im Südwesten der Stadt entstehen und der komplette Osten nahezu verschont wird, wollte ein Zuhörer wissen. Das konnten Oberbürgermeister Simon Faber und sein Immobilienchef Michael Draeger so nicht erkennen: „Es werden nicht die letzten Planungen gewesen sein“, sagte Dräger und der OB ergänzte: „Es wird auch an anderen Standorten größere Einrichtungen geben.“ Derweil wies ein Zuhörer im Vorraum daraufhin, dass vom SBV-Hochhaus an der Travestraße lediglich zwei Etagen belegt würden, also mindestens noch fünf Geschosse frei seien. Der Selbsthilfe-Bauverein hatte von höheren Belegungszahlen Abstand genommen, nachdem klar geworden war, dass die Stadt für so einen Standort keine Ganztagsbetreuung sicherstellen könne. Dräger ließ immerhin durchblicken, dass im Osten ein weiterer großer Standort mit 200 Personen in Planung sei sowie ein zusätzlicher mit zwischen 160 und 320. „Wir müssen sehr schnell Einrichtungen finden.“

Er wohne selbst neben einer Flüchtlingsunterkunft in der Innenstadt, sagte Draeger, konnte den Weicher Bürgern aber nicht ihre Sorgen nehmen: „Ich mache mir Sorgen um meine zwei kleinen Kinder und meine Katze“, sagte ein direkt betroffener Nachbar vom Friedensweg unter viel Applaus. Ein anderer verlangte einen Zaun um das künftige Flüchtlingsdorf. Wieder ein anderer Anwohner sagte, er fürchte sich vor „islamistischen Männern“. Ralf Kock, Leiter das 2. Reviers, erklärte, dass schon länger hunderte Flüchtlinge in der Stadt seien plus zusätzlich Hunderte durchreisende Geflohene am Bahnhof: „Es ist bisher aus kriminalistischer Sicht erstaunlich unauffällig.“ Es gebe unter diesen Kriegsflüchtlingen keine auffällige Kriminalitätssteigerung.

Uta Weinerdt-Höfer vom Einwanderungsbüro der Stadt erklärte, dass die neuen großen Einrichtungen den ganzen Tag betreut und nachts von Sicherheitsdiensten bewacht würden. Der Betreuungsschlüssel, den Flensburg anstrebe, liege bei 1:60. Bloß sei es für die Wohlfahrtsverbände derzeit nicht möglich, ausreichend Fachkräfte zu finden. Bislang gibt es für die 600 Asylsuchenden in Flensburg vier Flüchtlingsbetreuer der Diakonie sowie einen der Stadt. „Wir reden gerade mit den Wohlfahrtsverbänden, um das aufzustocken“, sagte Stadtsprecher Clemens Teschendorf.

Am Friedensweg sollen ab Januar 20 feste Holzrahmenhäuser errichtet werden, im Gewerbegebiet Sophienhof, am Ende der Graf-Zeppelin-Straße weitere zwölf. In jedem Haus können auf zwei Etagen bis zu 30 Flüchtlinge wohnen. Pro Wohnung gebe es drei Schlafräume für je vier Personen, die jeweils zwölf Quadratmeter groß seien.

Allein bis zum Jahresende rechnet die Stadt mit 800 zusätzlichen Geflohenen.


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