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Flensburger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 07:44 Uhr

Unterhaltung mit Nahrung fürs Oberstübchen

vom

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erstellt am 10.Mai.2013 | 03:59 Uhr

schleswig | Abgearbeitete Gesichter, Berge von Kostümen, müdes Licht. Wollte man die Äußerlichkeiten der Spielplan-Vorstellung des Landestheaters zum Gradmesser für den Erfolg der Saison 2013/14 nehmen, dann stünden der Schleswiger Spiel- und Produktionsstätte Depression, Abstieg und Auflösung bevor. In der Tat ist es nicht fein, dass - nach Angaben von Generalintendant Peter Grisebach - 30 Prozent der Schleswiger Theater-Abonnenten gekündigt haben, was einem Etat-Loch von rund 300 000 Euro gleichkommt. Sie sind, wie die Theaterleute selber, entnervt von der Zusperrung des Großen Hauses (seit dem 16. Juni 2011) und dem Provisorium im Slesvighus.

Aber: Es gibt auch Hoffnung. Sie versprechen ein Mehr an Leidenschaft statt an Lähmung. In Flensburg und Rendsburg, den beiden anderen Hauptspielorten, wachsen die Abo-Zahlen merklich - um die fünf Prozent. Jeder dritte Besucher dieser Spielzeit war ein Kind oder Jugendlicher. Und der Neubau eines Theaters in Schleswig scheint nicht mehr ausgeschlossen zu sein.

Da fehlt eigentlich nur noch ein attraktiver Spielplan, frei nach der Formel: gut für Unterhaltung, aber auch gut fürs Oberstübchen. Halt so etwas wie "Der Hauptmann von Köpenick", aber bereinigt von Schmelz und Schmalz à la Heinz Rühmann. Genau diese"zutiefst deutsche" (Schauspielchef Wolfgang Apprich) Posse wird ab 13. Juni im Innenhof von Schloss Gottorf geboten. Der Erfolg dürfte ebenfalls programmiert sein beim Musical "Dracula" (ab 30. November); die Musik schrieb wie schon beim Vorgänger "Jekyll & Hyde" der Amerikaner Frank Wildhorn.

Das Ballett-Ensemble hat sich unter Katharina Torwesten eine verstärkte Aufmerksamkeit erarbeitet. Deswegen schmückt die Wiederaufnahme von "Mythos Carmen" auch den neuen Spielplan (ab 9. November). Aber besonders gespannt darf man auf ein weiteres großes Handlungsballett in der Torwestren-Choreografie sein: "M - eine Stadt sucht einen Mörder" nach Fritz Langs legendärem Spielfilm; dessen Thema "Hexenjagd" ist alles andere als unzeitgemäß.

Ein Höhepunkt im Schauspiel ist die Inszenierung von Hans Magnus Enzensbergers musikalischer Revue "Der Untergang der Titanic"; ab 21. Dezember. Das "anspruchsvolle Spektakel" (Apprich) über das Scheitern unreflektierter Fortschrittsgläubigkeit hat seit seiner Uraufführung 1980 nichts an Aktualität eingebüßt.

Im Bereich Kinder- und Jugendtheater wirkt sich, so Grisebach, "der verstärkte Kontakt zu den Schulen sehr positiv aus". Gerade die Klassenzimmer-geeigneten mobilen Produktionen wie "Coming Out!" von Jutta Schubert "könnten wir", sagt Apprich, "jeden Tag spielen". Sie werden in 2013/14 ergänzt durch drei Eigenproduktionen aus dem Figuren- und Puppentheater. Sowie, erstmals, durch vier Gastspiele in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur. "Theater für Youngsters" (7- bis 13-Jährige) nennt sich das Projekt.

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