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Campus Flensburg : Unsicherheit durch befristete Stellen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aktueller Hochschulreport des DGB Nord dokumentiert die Situation der Beschäftigten im „akademischen Mittelbau“ an Hochschulen im Land

Die Gewerkschafter des DGB Nord beziffern die Befristungsquote in wissenschaftlichen Einrichtungen des öffentlichen Dienstes bundesweit mit 44 Prozent – und betrachten die Situation in Schleswig-Holstein als „ähnlich brisant“. Zum Vergleich: In einer Sonderabfrage im Rahmen der Konjunkturumfrage zum Frühling ermittelte der regionale Arbeitgeberverband den Anteil der befristeten Arbeitsplätze in den Unternehmen – die Quote liegt überwiegend unter sechs Prozent (wir berichteten).

Der jüngst veröffentlichte Hochschulreport des DGB Nord dokumentiert die Situation der Beschäftigten im „akademischen Mittelbau“ an neun Hochschulen im Land. „Drei Viertel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Hochschulen in Schleswig-Holstein und 20 Prozent der technischen und Verwaltungsangestellten sind befristet beschäftigt. Damit liegen die Hochschulen deutlich über den Befristungsquoten im öffentlichen Dienst im Allgemeinen; im technischen und Verwaltungsbereich ist die Befristungsquote sogar nahezu doppelt so hoch“, kommentierte Siglinde Hessler, Abteilungsleiterin beim DGB Nord.

An der Europa-Universität Flensburg (EUF) halten sich befristete und unbefristete Verträge – das wissenschaftliche sowie das technisch-administrative Personal zusammengenommen – die Waage, sagt Uni-Sprecherin Kathrin Fischer. Die EUF stellt klar, dass sie die „meisten befristeten Verträge nicht innerhalb eines freien Entscheidungsrahmens vergibt“, sondern „aufgrund der Besonderheiten akademischen Arbeitens beziehungsweise der Art und Weise, wie das Hochschulsystem in Deutschland organisiert ist.“ Dazu zählen beispielsweise die neun Postdoc-Stellen für Forschungsvorhaben, die befristet sind, oder Einstellungen von Mitarbeitern über die Hochschulpakt-Mittel „zur Bewältigung der andauernd hohen Zahl von Studienanfängerinnen“. Diese Mittel sind auf vier Jahre begrenzt. Die Uni sei bemüht, „Dauerstellen für Daueraufgaben“ zu besetzen und sei sich der Verantwortung für ihre Mitarbeiter bewusst. Deshalb habe der Senat 2015 etwa einen Orientierungsrahmen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses beschlossen. Seit 2012 sei der Trend leicht in Richtung befristeter Verträge angestiegen – von 45 Prozent befristeter Verträge auf heute 50 Prozent. Doch insgesamt sei eine Trendaussage schwierig, weil die EUF in den letzten Jahren stark gewachsen sei und 15 neue Professuren eingerichtet hat. „Durch diesen Zuwachs steigen auch die qua Gesetz befristeten Qualifikationsstellen an.“

An der Hochschule Flensburg sind von den 140 Tarifangestellten in Verwaltung und Technik 101 unbefristet und 39 befristet beschäftigt. Unter den wissenschaftlichen Angestellten kehrt das um: Hier stehen 71 befristet Angestellte 15 unbefristeten Beschäftigten gegenüber. Abgesehen von mehr Flexibilität in der Personalplanung und der Besetzung von Projektstellen mit befristet zur Verfügung stehenden Finanzmitteln erkennt Kanzlerin Sabine Christiansen in befristeten Verträgen keine Vorteile. „Im Gegenteil: Die Hochschule stellt mehr und mehr fest, wie belastend solche befristeten Arbeitsverhältnisse sind“, sagt Christiansen, für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. „Zukunftsängste beeinflussen Arbeitsmotivation und Einsatzbereitschaft, fehlende Planungsmöglichkeiten beeinträchtigen die Hochschulleitung.“ Dies sei weniger im Bereich der Projekte der Fall. Als „bedrückender“ empfindet die Kanzlerin die Einstellungen zur Bewältigung der vielen Studierenden mit Mitteln des Hochschulpakts. Parallel sei die Aufgabenvielfalt durch zahlreiche neue Vorschriften erheblich gestiegen, so dass die Kollegen weiterhin dringend benötigt würden, „um die gestiegene Arbeitsbelastung auch in ’Normallast’ zu bewältigen. Dem stehen die befristeten Verträge entgegen – eine große Unsicherheit und Herausforderung für alle“.

Die umstrittene Novellierung des Hochschulgesetzes 2015 hat die Hochschulen immerhin aufgefordert, Regelungen für gute Beschäftigungsbedingungen in einem Verhaltenskodex festzuhalten, auch mit Blick auf Befristungen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kommt zu dem Schluss, dass vor allem der akademische Nachwuchs von befristeten Verträgen betroffen ist und vor allem die Drittmittelförderung einen Anteil daran hat. Die durchschnittliche Laufzeit der Verträge betrage lediglich rund zwei Jahre. Dies mache eine langfristige Planung von Arbeit und Leben unmöglich. Deshalb fordern die Gewerkschafter: „Befristete Beschäftigungsverhältnisse müssen wieder die Ausnahme werden.“ Für Daueraufgaben müsse ein angemessener Personalschlüssel vorgesehen werden, auf sachgrundlose Befristungen sei zu verzichten.

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erstellt am 16.Mai.2017 | 15:59 Uhr

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