Paulsen-Retrospektive : Unmögliche Kunstwerke zwischen Pendel und Pumpe

Unmöglich: Die Studentin Merle Zander (23) erläutert das Konzept der Ausstellung des Künstlers Hermann Paulsen.  Foto: Dewanger
Unmöglich: Die Studentin Merle Zander (23) erläutert das Konzept der Ausstellung des Künstlers Hermann Paulsen. Foto: Dewanger

In der Phänomenta sind seit gestern Figuren des Künstlers Hermann Paulsen zu sehen

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16. April 2012, 06:35 Uhr

Flensburg | Zwischen Resonanzpendel, Wirbelzylinder und Vakuumpumpe hängen sie seit gestern von der Decke: die großen Würfel, die die Werke von Hermann Paulsen (1918 - 2011) zieren. Seit gestern ist ein großer Teil des Nachlasses des Kieler Künstlers in der Phänomenta zu sehen. Sein Thema waren zeitlebens unmögliche Figuren: Zeichnungen oder Gemälde mit geometrischen Formen, die in der Realität so nicht existieren könnten.

Die Hermann-Paulsen-Retrospektive "unmöglich möglich" soll nach Ansicht von Phänomenta-Leiter Armin Englert nicht zuletzt zeigen, dass zwischen Naturwissenschaft und Kunst kein Widerspruch bestehe. Stellvertretend für alle Mitarbeiter der Phänomenta muss er jedoch zugeben: "Künstler sind wir nicht. Deshalb haben wir nach Erhalt der Bilder an der Universität Flensburg nachgefragt, ob diese sich um die Sichtung der Bilder und die Ausstellungskonzeption kümmern möchte."

Da hat Werner Fütterer, Dozent für Kunstpädagogik, nicht lange gezögert und im Rahmen seiner Lehrtätigkeit ein entsprechendes Projekt angeboten. Mit sechs Monaten Vorbereitungszeit war es für zehn Studenten ein langer Weg bis zur fertigen Ausstellung. "Ein typisch Flensburger Weg", wie Fütterer betont. Damit spricht er auf das besondere Konzept des Fachbereichs Kunst an der Hochschule an: "Die Studenten gehen mithilfe außeruniversitärer Projekte raus in die Welt, gleichzeitig kommen Experten rein." Die Hermann-Paulsen-Ausstellung war dabei für die Studenten eine besondere Chance, wie Studentin Merle Zander (23) erklärt: "Normalerweise zeigen wir unsere Ausstellungen nur in den uni-eigenen Räumen des Modul 1 in der Roten Straße. In der Phänomenta ist die öffentliche Wahrnehmung natürlich viel größer."

Aber wie kam es dazu, dass Hermann Paulsen sein Werk der Phänomenta vermacht hat? "Er hatte Spaß an Spielereien und Tüfteleien. Er wollte, dass den Menschen durch seine Werke andere Blickwinkel eröffnet werden und sie daraus etwas lernen können", erklärt Tochter Heide Jopp. Darin bestehe die Nähe zwischen dem Konzept der Phänomenta und seinen Bildern.

Eine Fortsetzung der Ausstellung ist angedacht, ebenso wie ein Hermann-Paulsen-Raum, in dem dauerhaft seine Werke hängen sollen. "Mit der Übertragung des Nachlasses haben wir eine große Verantwortung übernommen", sagt Englert. Es scheint so, als würden die Verantwortlichen damit sorgsam umgehen. Gestern zeigten sich die Besucher und die Familie des im letzten Jahr verstorbenen Künstlers begeistert von der Ausstellung.Die Paulsen-Retrospektive ist bis zum 31. Dezember in der Phänomenta.

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