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Liebesgrüße an Moskau : Uni-Protest gegen Putin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Künstlerische Aktion auf der Homepage der Universität gegen Homophobie in Russland

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2014 | 17:14 Uhr

Die drei Herren, deren nackte Rückansichten schon gestern per Internet weite Verbreitung fanden, waren leider nicht beim Pressegespräch in der Hochschulbibliothek dabei. Dafür aber der Präsident Werner Reinhart, der den Uni-Protest gegen die Homophobie rund um Putins Winterspiele in Sotschi zur Chefsache gemacht hat.

Die Aktion sei nicht ganz unumstritten gewesen in der Universität, räumte Reinhart ein, aber dennoch vom Präsidium beschlossen worden. Bis zum Ende der olympischen Wettbewerbe am 23. Februar wird die Hochschule täglich auf ihrer Homepage mit einem Foto, einem Zitat, einer Collage oder mit anderen künstlerischen Mitteln „Liebesgrüße an Moskau“ schicken. „Die Initiative kam mitten aus der Hochschule, von einem Dozenten“, erklärte Pressesprecherin Kathrin Fischer. Der wollte aber lieber nicht öffentlich auftreten.

Zum Leitbild der Uni gehörten Vielfalt und Gerechtigkeit, so Reinhart. Dies setze Toleranz voraus. Zudem sei man auf dem Weg zur Europa-Universität, da seien die Rechte von Minderheiten ein zentraler Punkt. Gestern kam ein persönliches Anliegen dazu: Als Amerikanist wisse er, dass die amerikanische (und britische) Literatur sehr stark von homosexuellen Autoren und Autorinnen geprägt sei. In der Bibliothek posierte er neben einem Doppelstapel von 184 Büchern mit Werken von rund 50 Autoren, die eher dem eigenen Geschlecht zugeneigt waren: Tennessee Williams, Truman Capote, Evelyn Waugh, Virginia Woolf, Walt Whitman, Oscar Wilde, Somerset Maughan, Allen Ginsbergh und viele viele mehr.

Die Beiträge kommen aus der gesamten Hochschule; per Mail habe man alle Dozenten, Mitarbeiter und Studierenden kontaktiert, so Kathrin Fischer, und es seien sogleich viele Rückläufe gekommen, aus denen man jetzt jeden Tag einen auswähle und auf die Seite stellen. Bedingung war, so Reinhart, dass die Autoren auf den Beiträgen nicht zu identifizieren sind. „Da haben wir unsere Fürsorgepflicht“, erklärte er.

An der Universität gebe es zwar keine Schwulen- und Lesbengruppe und auch kein entsprechendes Asta-Referat, sagte die Sprecherin. Die homosexuellen Mitarbeiter und Studierenden machen nicht viel Aufhebens daraus, es gehöre zum Alltag und sei Normalität. Bibliotheksleiter Eichler verwies darauf, dass eine Hochschule ein toleranterer Raum sei als beispielsweise die Bundeswehr – oder auch die Fußball-Bundesliga.

 

 

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