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Sturmschäden in Flensburg : Uni-Dach: Reparatur schon seit Jahren verschleppt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Abdeckung des Uni-Gebäudes in Flensburg wurde erst im vergangenen Jahr saniert – aber nicht vollständig. Sturmtief "Christian" riss das Dach in die Tiefe.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 07:30 Uhr

Der Reparaturbedarf beim Dach des Uni-Hauptgebäudes soll Insidern lange bekannt gewesen und seit Jahren verschleppt worden sein. Diesen Vorwurf hat gestern der Flensburger Landtagsabgeordnete Rasmus Andresen erhoben: „Durch Nachfragen beim Ministerium hat sich herausgestellt, dass beim Dach Nachbesserungsbedarf in einer Größenordnung von 700.000 Euro besteht“, erklärte Andresen gestern Abend dem Flensburger Tageblatt und ergänzte: „Solche Schäden bei einem erst gut zehn Jahre alten Haus kamen mir schon am Montag komisch vor.“

Andresen zeigte sich schockiert: „Die erheblichen Vorwürfe, die im Raum stehen, müssen parlamentarisch aufgeklärt werden und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Wir können uns glücklich schätzen, dass keine Person ernsthaft zu Schaden gekommen ist.“ Heute will der Abgeordnete mit Finanzministerin Monika Heinold (beide Grüne) über eine möglichst rasche Finanzierung reden.

Nach Informationen des Flensburger Tageblatts ist das Dach des Uni-Hauptgebäudes in den elf Jahren seines Bestehens bereits mehrfach ausgebessert und erneuert worden. Demnach ist das Dach zuletzt im vergangenen Jahr saniert worden – offenbar aber nicht vollständig. Aus dem Kreis von Professoren und Mitarbeitern soll es seit Jahren Klagen geben, dass es durch das Dach pfeife. „Das Dach ist seit Jahren nicht ohne Probleme“, sagt ein Insider, der lieber nicht genannt werden möchte.

Uni-Sprecherin Kathrin Fischer wollte sich gestern zu Baufragen nicht äußern: „Wir sind ja nur die Nutzer des Gebäudes, das von der GMSH gebaut und instand gehalten wird.“ Mit Hinweis auf eine Erklärung der Finanzministerin Heinold heute Morgen im Ausschuss gaben auch weder Finanz- noch Wissenschaftsministerium zu dem mutmaßlichen Bauskandal Kommentare ab. Und in der GMSH (Gebäudemanagement Schleswig-Holstein), der früheren Landesbauverwaltung, wurde gestern Abend auf eine mögliche Pressekonferenz heute in Kiel verwiesen.

Laut Heinold sei das Hauptgebäude von Anfang an ein bauliches Sorgenkind gewesen. Sie sagte am Vormittag vor dem Finanzausschuss des Landtages, das Orkantief sei geplanten Reparaturen zuvorgekommen. Es gebe zudem Fassaden- und Regenwasserschäden. Die Kosten würden auf über zwei Millionen Euro geschätzt. „Die Sicherungsmaßnahmen laufen“, sagte Heinold nach Angaben ihres Ministeriums. Es sei festgestellt worden, dass die gesamte Dacheindeckung nicht ordnungsgemäß befestigt ist.

Vor dem Orkan seien Gerüstbauarbeiten schon vergeben gewesen. Für die Dacheindeckung stand die Vergabe kurz bevor. „Leider war der Sturm schneller“, sagte Heinold. Der Dachdeckerbetrieb habe an dem zwischen 1999 und 2001 errichteten Gebäude mangelhaft gearbeitet. 

Wissenschaftsministerin Waltraud Wende indes machte sich Mittwoch in der Uni ein Bild von den Schäden: „Wasser tropft in aufgestellte Eimer, der Teppichboden schmatzt, wenn man ihn betritt, und in den Regalen wellen sich Unterlagen“, erkannte sie. Sie zeigte sich erschreckt über die Schäden, die durch das eindringende Wasser auch in den unteren Stockwerken des Gebäudes verursacht wurden und immer noch werden: „Glücklicherweise wird morgen ein Gerüst aufgebaut, dann kann das Dach abgedichtet und endlich mit den Trocknungs- und Aufräumarbeiten losgelegt werden“, sagte die Ministerin.

 

> Der mittlere und östliche Teil des Gebäudes (in Richtung Erweiterungsbau) soll heute wieder voll in Betrieb gehen. 20 Veranstaltungsräume können allerdings weiterhin nicht genutzt werden, darunter Seminarräume, Biologielabore, die Räume der Kunst sowie die Lehrküche. Allgemein laufen die Klimaanlagen und große Teile der Lüftungen nicht, weil es auf dem Dach einige Motoren weggerissen hat. Heute wird am Südflügel ein Gerüst aufgestellt, damit schnellstmöglich die Dachdecker arbeiten können. Gleichzeitig werden in den betroffenen Bereichen im 5. und 6. OG die abgehängten Decken entfernt und die Einrichtungsgegenstände herausgeholt. Darum kümmere sich die GMSH.


 



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