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Campus Flensburg : Uni bittet um Nachschlag für Europa

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Präsident Werner Reinhart möchte europawissenschaftliche Studien zwischen Rechts- und Sozialwissenschaften ausbauen - und das nächste Studenten-Wohnheim wird schon geplant

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 12:14 Uhr

Europas Krise könnte für Flensburgs Europa-Uni auch eine Chance werden. Das jedenfalls hofft die Hochschule mit ihren fast 90 Professoren und mehr als 5300 Studenten in 17 Studiengängen: „Eine Europa-Universität sollte auch in die Lage versetzt werden, umfassend europafähig agieren zu können“, sagte gestern Abend Uni-Präsident Werner Reinhart beim Jahresempfang im Audimax. Reinhard liebäugelt offenbar mit zwei bis drei zusätzlichen Professuren im Bereich Europarecht, Europa-Politik und Europäisches Arbeitsrecht. „Um den Absolventen der europawissenschaftlichen Studiengänge bestmögliche Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt bieten zu können, um unsere vertrauensvolle und sturmerprobte Zusammenarbeit mit Odense und Sonderburg vertiefen zu können, und auch um unser Forschungszentrum für europawissenschaftliche Studien, das wir 2017/2018 gründen werden, mit mehr Durchsetzungskraft auszustatten, muss die europawissenschaftliche Expertise zusätzlich professoral ergänzt werden an der Schnittstelle zwischen Rechts- und Sozialwissenschaften“, sagte Reinhart. Wer die Europa-Uni stärkt, stärke die europäische Idee.

Im Rückenwind sieht sich Reinhart durch die jüngsten Entwicklungen der großen Politik: „Wenn sich Politik in einigen Staaten des Westens oder Europas anschickt, wissenschaftsfeindlich zu agieren, müssen Universität und Wissenschaft politisch werden.“ Es mag ja sein, dass nicht alle jungen Menschen Europas an Europa glauben, doch richtig sei ebenso, dass fast alle jungen Menschen an Europa glauben wollen.

Wohl und Wehe Europas würden gewiss nicht allein im deutsch-dänischen Grenzland ausgehandelt. Und doch habe sich mit den Ereignissen des letzten Jahres das Aufgabenportfolio einer Europa-Uni markant erweitert. Nahezu 90 Professuren bedeuteten einen Zuwachs um mehr als 30 Prozent binnen fünf Jahren. Noch stärker sei der Anstieg in der Gruppe der wissenschaftlichen Mitarbeiter. Die Uni-Studiengänge erfreuten sich lebhafter Nachfrage. Neueste Ergänzung werde im Herbst der Master-Studiengang Transformation Studies.

Wissenschaftsministerin Alheit hob ebenfalls die Europakompetenz der nördlichsten Universität Deutschlands hervor, die nicht nur Spitze in der Lehrerbildung sei. „Die Universität Flensburg steht für Europa: Sie ist gelebtes Europa und damit Werbung für ein gemeinsames Europa“, sagte sie. Die Institutionen der Wissenschaft zählten in hervorragender Weise zum grenzenlosen Freiheits- und Möglichkeitsraum – und die Europa-Uni sei dafür ein glänzendes Beispiel – „eines, das mich wirklich stolz macht.“

Oberbürgermeisterin Simone Lange lobte Flensburg mit seinen aktuell 94  200 Einwohnern als weltoffene Stadt. „Wir brauchen gute Beziehungen und keine Barrieren“, erklärte sie und lobte übergreifende Studiengänge wie European Cultures and Society.

Mit Blick auf den angespannten Wohnungsmarkt für Studierende hatte sie zwei gute Nachrichten. Neben dem bald fertigen Wohnheim westlich des Uni-Hauptgebäudes (115 Plätze) habe die Stadt Planungsrecht für ein zweites direkt nebenan geschaffen. Und: Einen Prüfauftrag der Politik gebe es auch für die mögliche Umnutzung von Flüchtlingsunterkünften. Sie berichtete von Überlegungen einer Wohnmischform mit Flüchtlingen und Studenten – einem Integrationshaus.

Drei Auszeichnungen

Erstmals werden 2017 drei Preise der Europa-Universität für herausragende Leistungen in Forschung und Lehre vergeben.

Der mit jeweils 1500 Euro dotierte Lehrpreis der Uni wurde in zwei Rubriken verliehen. Die Auszeichnung für die beste interdisziplinäre Lehrveranstaltung erhielt die Germanistin Dr. Margrit Vogt, den Preis für die beste englischsprachige Lehrveranstaltung nahm der Juniorprofessor für Didaktik der englischen Sprache, Holger Limberg, entgegen. Elin Fredsted, Professorin für dänische Sprache und Literatur, erhielt den Forschungspreis für ihre Publikation „Language contact in the German-Danish border area in the twenty-first-century“. Für ihre Doktorarbeit „Kinder sprechen über (ihre) Mehrsprachigkeit. Theoretische Überlegungen und eine qualitative Studie zu Perspektiven mehrsprachig aufwachsender Grundschülerinnen und Grundschüler“ wurde die Sonderpädagogin Dr. Angela Groskreutz mit dem Forschungspreis im Bereich Nachwuchs ausgezeichnet. Beide teilen sich das Preisgeld von 3000 Euro. Den ebenfalls mit 3000 Euro dotierten Europapreis der Uni nahm  Soziologe und Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Hauke Brunkhorst für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Europa-Forschung entgegen.

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