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Was ist mit dem MHD? : Ungenießbar? Flensburger Tafel weist Vorwurf zurück

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Kundin klagt über die Ausgabe von schon lange abgelaufenen Lebensmitteln. Doch solche Waren werden in Zweifelsfällen im Labor geprüft.

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erstellt am 07.Mär.2015 | 17:41 Uhr

Flensburg | Sie wurde von ihrem Mann verlassen – damit begann der soziale Abstieg, die finanzielle Not. Plötzlich rückte die Flensburger Tafel in den Blickpunkt, von der Beate Rogalla (Name geändert) bis dahin nur am Rande gehört hatte. Für einen Obolus von jeweils zwei Euro konnte sie sich und ihren Sohn ausreichend versorgen. Zweimal in der Woche reihte sie sich in die Schlange an der Ausgabe ein – und ging mit vollen Tüten von der Waldstraße wieder nach Hause.

Bei näherem Hinsehen jedoch verging ihr der Appetit. „Es handelt sich zu 90 Prozent um abgelaufene Lebensmittel“, klagt die Kundin. Das Haltbarkeitsdatum sei um bis zu zehn Monate überschritten, stellte sie fest. „Und ich möchte auch keine Würstchen essen, die seit acht Wochen abgelaufen sind.“ Sie fühle sich wie ein Mensch zweiter Klasse. „Sich bei der Tafel anzustellen, erfordert schon eine Menge Kraft“, findet Beate Rogalla, „aber dann Lebensmittel zu bekommen, die im Laden schon lange nicht mehr zu verkaufen sind – das geht zu weit.“

Karin Klaffert ist eine der ehrenamtlichen Mitarbeiter bei der Tafel, sie steht hinter dem gedeckten Tresen und greift den Vorwurf auf: „Natürlich“, sagt sie, „Lebensmittel, die im Laden noch zu verkaufen sind, stehen bei uns in der Regel nicht, wir sind ja auch kein Supermarkt!“ Sie verweist darauf, dass alle Waren vor der Ausgabe einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden. „Und das Gesundheitsamt kommt oft genug unangemeldet vorbei.“ Noch nie habe es Beanstandungen gegeben.

Das bestätigt Klaus Grebbien, Leiter der Flensburger Tafel, die seit anderthalb Jahren von den Johannitern betrieben wird. Er nennt ein Beispiel: Uns wurden unlängst Paletten mit Rotkohl im Glas gespendet. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sei seit zwei Jahren abgelaufen gewesen. Eine sofort veranlasste Prüfung beim Lebensmittellabor des Landes Schleswig-Holstein habe ergeben, dass die Ware mikrobiologisch einwandfrei sei. So verfahren man in Zweifelsfällen immer. Leider wüssten die meisten Menschen nicht, dass das Mindeshaltbarkeitsdatum mit Haltbarkeit nichts zu tun habe. „Es bedeutet lediglich, dass der Hersteller Frische, Aussehen, Konsistenz und Geschmack garantiert. Wenn nicht, kann die Ware getauscht werden.“ Abgelaufene Ware habe man im Gegensatz zu den Beobachtungen der Kundin nur zu etwa zehn Prozent im Sortiment. Eier, Brot, Obst und Gemüse seien beispielsweise stets frisch im Angebot.

„Die Abnehmer“, so Grebbien, „sollten dankbar sein, dass sie durch die Tafel im Monat locker 200 Euro einsparen können.“ In Absprache mit der Lebensmittelüberwachung der Stadt praktiziere man im Übrigen ein bewährtes Prinzip: „Sehen, riechen, schmecken – das reicht meistens aus.“

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