Unfall in Jardelund : Unfallhelfer hatte keinen Handy-Empfang

Erst mit Verspätung trafen die Helfer am Unfallort ein, wo ein 52-Jähriger, im Auto eingeklemmt, um sein Leben kämpfte.
Erst mit Verspätung trafen die Helfer am Unfallort ein, wo ein 52-Jähriger, im Auto eingeklemmt, um sein Leben kämpfte.

Weil sich Handys an der Grenze automatisch ins dänische Mobilfunk-Netz einwählen, verzögerte sich die Rettung eines lebensgefährlich Verletzten nach einem schweren Unfall in Jardelund (Kreis Schleswig-Flensburg). Der Mann starb am Donnerstag in der Klinik.

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10. Juli 2014, 06:52 Uhr

Jardelund | Jens Hansen aus Holt hat alles richtig gemacht, als er am Dienstagnachmittag in Jardelund (Kreis Schleswig-Flensburg) zum Ersthelfer wurde. Er hatte an der Straße Norderfeld ein vollkommen zerstörtes Auto am Straßenrand entdeckt, war langsamer gefahren, und als er das Opfer des Unfalls entdeckt hatte, kümmerte er sich sofort um den 52-jährigen Mann aus Jerrishoe, der schwer verletzt im Autowrack eingesperrt war. „Er lag mit dem Kopf bei den Pedalen, die Beine quer über die Vordersitze, Blut aus Nase und Mund verschmierte das Gesicht, und er röchelte“, sagt Hansen. „Ich konnte ihn aber nicht befreien, die Tür war blockiert.“ Hilfe musste her, und zwar schnell.

Der Rentner aus Holt zückte sein Handy, wählte den Notruf 110, am anderen Ende wurde auf Dänisch geantwortet. Hansen erklärte dem Disponenten, wo sich der Unfall ereignet hatte. Weil er keine Straßennamen kannte, blieben alle Erklärungsversuche zwecklos. Hansen legte auf, wählte die 112, doch wieder hatte er die dänische Leitstelle der Polizei am Ohr, während der Eingeklemmte vor seinen Augen um sein Leben kämpfte.

Jens Hansen reagierte, setzte sich ins Auto und fuhr zum nächsten Haus, mehrere hundert Meter von der Unfallstelle entfernt. Über Festnetz dann der dritte Versuch, den Notruf abzusetzen. Dieses Mal landete er endlich in der Regionalleitstelle in Harrislee, die umgehend Hilfe in Marsch setzte. Zehn weitere Minuten verstrichen, in denen Hansen nicht mehr tun konnte, als bei dem Verletzten auszuharren und beruhigend auf ihn einzureden – wertvolle Minuten, die für das Unfallopfer die die letzten hätten sein können, nur weil sich Handys unweit der Grenze automatisch in dänische Mobilfunknetze einwählen.

„Das ist eine Problematik, die uns bekannt ist“, erklärt Sacha Münster, Sprecher der Leitstelle Nord. Hat sich ein deutsches Handy ins dänische Netz eingewählt, landet derjenige, der einen Notruf absetzt, automatisch in der nächsten Leitstelle in Dänemark. Dort gehen die Notrufe, egal, ob man die 110 oder die 112 wählt, immer bei der Polizei ein. „Und leider reagieren die Beamten dort nicht immer, indem sie die Notrufe nach Deutschland durchstellen“, so Münster.

Das Problem liegt laut Münster in den unterschiedlichen Stärken der Mobilfunknetze in der Grenzregion. Während die deutschen Netze schwächer und teilweise gar nicht verfügbar sind, fallen die dänischen Netze von der Sendeleistung recht stark ins benachbarte Deutschland ein. Die Menschen, die südlich der Grenze leben, kennen das Problem. Auslandstelefonate im Inland machen sich auf Telefonrechnungen negativ bemerkbar. Man könne dem entgegenwirken, indem man in seinem Handy die automatische Netzwahl deaktiviere, rät Münster, so bleibe das Handy bis zum Verlust des Empfangs im deutschen Netz.

Doch auch diese Methode löst das Problem nicht vollständig. Verliert das deutsche Handy in der Grenzregion das Netz und man hat keinen Empfang, so lässt sich zwar dennoch der Notruf wählen, nun aber sucht sich das Mobiltelefon wieder das stärkste verfügbare Netz – und das wird in der Regel ein dänisches sein. Notrufe landen also auch dann in einer dänischen Leitstelle. Münsters Rat: „Wenn Sie feststellen, dass Ihr Notruf in einer dänischen Leitstelle entgegengenommen wurde, bitten Sie den Disponenten, Sie mit der deutschen Leitstelle zu verbinden.“ Der Disponent in Hansens Ersthelfereinsatz kam nicht auf diesen Gedanken. Das Unfallopfer erlag am Donnerstag seinen schweren Verletzungen.

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