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Rettungsdienst in Flensburg : Unfall-Bilanz: Ein Notarzt zu wenig?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Serie vom Wochenende ruft die Politik auf den Plan: Der Rettungsdienst in Flensburg steht auf dem Prüfstand. Die Feuerwehr erklärt jedoch, dass die Ausnahme nicht zum Regelfall erklärt werden soll.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2015 | 06:30 Uhr

Flensburg | Braucht Flensburgs Rettungsdienst einen zweiten Notarzt? Karsten Sörensen, Bürgerschaftliches Mitglied der CDU-Ratsfraktion, hielt unlängst im Ausschuss für Bürgerservice, Schutz und Ordnung (BSO) ein Plädoyer für einen zweiten Rettungsmediziner. Jetzt erneuert Sörensen vor dem Hintergrund der dramatischen Unfallserie in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag seine Forderung. „Wir sind an der Kapazitätsgrenze“, sagt er. „Im Hinblick auf den demographischen Wandel müssen wir tätig werden. Flensburg benötigt einen zweiten Notarztwagen.“

Auslöser waren drei nächtliche Verkehrsunfälle, die binnen zwei Stunden eine Tote und sechs teils schwer Verletzte forderten. Für Sörensen der Albtraum aller Lebensretter. Der Flensburger Notarzt kann beim ersten Unfall nicht eingreifen, da er in einem anderen Einsatz unterwegs ist, die von der Regionalen Einsatzleitstelle Nord (Harrislee) angeforderten Kollegen aus Husum und Schleswig haben selbst fast 40 gefährliche Kilometer Anreise auf vereisten Straßen vor sich, „Europa 5“, der in Niebüll stationierte Notarzt-Hubschrauber der Björn-Steiger-Stiftung Europa, darf nur bei Tag fliegen und ist daher nicht einsatzbereit, „Europa 42“ in Rendsburg hat zwar die Nachtflug-Genehmigung, braucht aber 30 Minuten Vorlauf bis zum Start.

Besser sieht es für die Versorgung der Verletzten der beiden folgenden schweren Unfälle auf der B 199 und der A 7 aus. Der Flensburger Notarzt steht wieder zur Verfügung, darüber hinaus hat die Leitstelle den „Leitenden Notarzt“ aktiviert, der eigentlich nur bei großen Schadenslagen zur Koordination der Rettungsteams angefordert werden darf. Immerhin gelingt es in dieser Konstellation, zwei Unfallschauplätze mit Rettungssanitätern und -medizinern abzusichern.

Das, findet Sörensen, sollte eigentlich Standard sein – aber die Chancen werden zurückhaltend bewertet. Carsten Herzog, Chef der Flensburger Berufsfeuerwehr, muss sich – bei allem menschlichen Verständnis – an Zahlen halten. „Alles Hilfspotenzial ist leider endlich“, sagt er. „Selbst, wenn es einen zweiten Notarzt gibt, wird irgendwann auch einmal ein Fall eintreten, der nach einem dritten Notarzt verlangt.“

Sabine Schult ist Leiterin des Flensburger Rettungsdienstes. Sie hält es für unglücklich, ein so tragisches, aber doch singuläres Ereignis zum Maßstab zu nehmen. „Es gibt sicher Fälle, wo man sich einen zweiten Notarzt wünscht, aber diese Fälle sind ausgesprochen selten. Wir sind hier sehr gut aufgestellt.“ Zu den 27 reinen Rettungsassistenten kommen noch 21 Feuerwehrleute mit gleicher Qualifikation hinzu – auf alle warte im übrigen die Höherqualifizierung zum Notfall-Sanitäter, ein verpflichtender Schritt, der die Erstversorgungsqualität weiter verbessere. Schlussendlich seien die Kommunen nicht allein die Herren des Verfahrens. Der Dienst der Notärzte – Freiwillige der beiden Flensburger Kliniken – wird über die Krankenkassen abrechnet. Ein Fahrzeug inklusive Personal- und Sachkosten bilde einen Betrag von rund 730  000 Euro jährlich ab, sagt Schult.

Sörensen stellt das alles nicht wirklich zufrieden. Mit rund 2800 Einsatzfahrten jährlich sei Flensburg dicht an der Grenze von 3000, bei denen andere Kommunen den zweiten Notarzt vorhalten, sagt er. Die Versorgung in Flensburg sei auch eher schlechter geworden. Bis Mitte 2014 habe die Sanitätsstaffel der Marine ihren Notarztwagen tagsüber zur Verfügung gestellt. „Das aber wurde aufgegeben, weil die Militärärzte woanders dringender benötigt werden. Vor diesem Hintergrund fordert er mit seiner Fraktion künftig die Zahlen der Einsätze gesondert zu erfassen, in denen der Notarzt trotz Anforderung verhindert gewesen sei.

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