Twedter Plack in Flensburg : Unfall auf dem Aldi-Parkplatz: Ein Auto, ein Poller, viel Ärger

Janis Reese am Auto-Marterpfahl: Die tückische Straßenraumbegrenzung verwandelte seinen Wagen in einen Totalschaden.
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Janis Reese am Auto-Marterpfahl: Die tückische Straßenraumbegrenzung verwandelte seinen Wagen in einen Totalschaden.

Ein 33-jähriger Flensburger prallt mit seinem Auto gegen ein schwer sichtbares Hindernis – Totalschaden am Fahrzeug.

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23. März 2017, 10:50 Uhr

Flensburg | Da steht er nun und kann nicht anders. Der Poller des Anstoßes – und das ist wörtlich gemeint. Denn immer wieder prallen Autofahrer mit ihren Autos gegen den metallenen Parkpoller, der auf dem Aldi-Parkplatz am Twedter Plack in Flensburg gegenüber des Edeka-Marktes unverwüstlich seinen Dienst verrichtet. Welchen Dienst, weiß keiner so genau.

Womöglich dient er als optische Begrenzung des Areals, auf dem die Einkaufswagen der Kunden harren? „Nein, der steht hier rum ohne Sinn und Verstand“, sagt ein Kunde en passant. Gezeichnet ist der eherne Pfahl von Spuren diverser Kollisionen. Doch ungeachtet aller Blessuren ist der Poller vom Plack im Boden noch immer fest verankert – und wartet auf sein nächstes Opfer.

Auf Leute wie Janis Reese. Der 33-jährige weiß ein trauriges Lied vom Poller zu singen. Er wollte am Montag vor einer Woche gegen 18.45 Uhr noch schnell eine Kleinigkeit beim Discounter besorgen. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Der ahnungslose Flensburger spürte, als er flott eine Linkskurve drehen wollte, plötzlich ein unangenehmes, wenig nachgiebiges Hindernis an seinem linken Kotflügel. Reese stieg aus, mitleidig beäugt von den verschreckt umherstehenden Passanten. Nicht nur der Kotflügel seines Hyundai Matrix (Neupreis 20.000 Euro) war hin, auch Stoßstange, Beleuchtung und Motorhaube. Das offizielle Ergebnis lieferte die Werkstatt nach: Totalschaden!

Der Hyundai ist hin.
sh:z
Der Hyundai ist hin.
 

Janis Reese, man ahnt es, ist stinksauer. „Der Poller ist deplatziert“, schimpft er, „unbeleuchtet, ohne Reflektoren und im Dunkeln unmöglich zu erkennen.“ Was er nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass diverse Karosserien auch schon von hinten unliebsame Bekanntschaft mit dem widerspenstigen, gerade einmal 80 Zentimeter großen Gegner gemacht haben. Im Rückwärtsgang ist man ohne Parkpilot oder Parksensoren praktisch chancenlos. Das bestätigen Aldi-Kassiererinnen glaubhaft: „Da fahren wöchentlich Leute gegen.“

Reese erinnerte sich daran, dass er beim ADAC rechtsschutzversichert ist. Er wollte die Sache nicht auf sich beruhen lassen und wandte sich an die Kanzlei Smollich & Kayser. Und durfte sich sogleich Hoffnungen machen. „Man teilte mir mit, dass die Erfolgsaussichten gut sind“, freut sich Reese. Zumal er nicht der Einzige ist, den die Rechtsanwälte in Sachen Poller vertreten.

„Natürlich gilt der Grundsatz: Fahrt auf Sicht“, räumt Lars Peter Kayser ein. „Doch hier liegt eindeutig ein Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht vor.“ Soll heißen: Ein Hindernis, quasi Ton in Ton mit dem Untergrund, ein silbergrauer Poller also, der sich insbesondere bei Dunkelheit davon nicht abhebt, ist zu beanstanden. Zumal man den Umstand berücksichtigen müsse, dass sich auf dem belebten Parkplatz oft unübersichtliche Situationen ergäben, „bei all den dort hin und her rangierenden Autos“. So müsse man den Verantwortlichen zumindest eine Teilschuld anlasten. Er verweist darüber hinaus auf den neu gestalteten Aldi-Parkplatz in Engelsby. „Da sind die Poller quietschegelb!“

Der Eigentümer ließ auf Anfrage verlauten, dass nunmehr daran gedacht sei, den Poller ebenfalls farblich zu verändern und unter Umständen gar zu erhöhen. Er sei damals installiert worden, um den Fußgänger- vom Fahrbahnbereich zu trennen. Zudem habe die Maßnahme verhindern sollen, dass Lkw das Vordach des Aldi-Gebäudes beschädigen.

Anwalt Kayser hat zunächst ein Schreiben an die Versicherung des Grundstückseigners verfasst, mit dem Ziel, wie in einem früheren Fall geschehen, Ersatzansprüche geltend zu machen. „Zur Höhe des Schadens werden wir in Kürze vortragen.“ Sein Mandant ist nun gespannt, was dabei herauskommen wird. Er fährt derzeit einen Leihwagen, da er als in Damp tätiger Lohnbuchhalter auf ein Fahrzeug angewiesen ist. Ein neues Auto sucht er bereits. Und es soll wieder ein Hyundai sein.

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