Ulmenstraße 15: Bewohner feiern 100. Geburtstag ihres Hauses

Die Party für den 100. Geburtstag des schmucken Hauses steigt an diesem  Sonnabend.  Foto: Dommasch
Die Party für den 100. Geburtstag des schmucken Hauses steigt an diesem Sonnabend. Foto: Dommasch

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29. August 2012, 03:59 Uhr

flensburg | Vor 100 Jahren wurden zwei Häuser in der Ulmenstraße gebaut. Vor 25 Jahren wurde das Haus Nummer 15 saniert und damit vor dem Abriss gerettet. Seitdem wohnt das Ehepaar Kankowski in einer der Wohnungen. Neulich stürzte Karin Kankowski auf den Flur am Eingang. "Da bemerkte ich das Datum 1912, als ich mit der Nase daran landete".

Das Haus wurde mit dem Nachbarhaus vom Architekt Karl Bernt entworfen und im Jahr 1912 gebaut. Die Häuser heißen im Volksmund "Die zwei schönen Schwestern". Zu Beginn sollte es im Haus der Ulmenstraße 15 ein Restaurant und ein Café geben, es wurde jedoch ein Miets- und Wohnhaus. Die zwei Häuser gelten als ein Wahrzeichen der Stadt und haben "eine stürmische Geschichte", so Kankowski.

Nach dem Krieg wurden Flüchtlinge im Haus untergebracht. "Damals hatte Flensburg weit über 100 000 Einwohner. Es war eng hier", sagt Gunnar Plechinger von der hgv-Immobilienmanagement GmbH. Er findet es faszinierend, dass Gebäude über so eine lange Zeit halten: "Man hat für das Leben gebaut."

Vor 25 Jahren entschloss sich der damalige Eigentümer Klaus Höfer, das Haus abzureißen, um einen Neubau zu errichten. Eine Sanierung kam aus wirtschaftlichen Gründen für ihn nicht in Frage: "Man dachte in den 80er Jahren ganz anders über alte Bauten, alles musste modern werden und der Besitzer sorgte dafür, dass aus dem Gebäude eine Ruine wurde", sagt Karin Kankowski. Aber einige Einwohner und der Denkmalschutz kämpften für die Sanierung.

Nachdem Klaus Höfer bei der Stadt einen Übernahmeantrag stellte, wechselte das Haus im Jahr 1986 den Besitzer: Herman Densch und Werner Schmidt wurden die neuen Eigentümer und sorgten mit Hilfe von Architekt Klaus Nissen dafür, dass das Haus saniert wurde. Seitdem steht es unter Denkmalschutz.

Vier Familien wohnen seit einem Vierteljahrhundert im Haus. Die Familie Kankowski aus Kiel - 1963 kamen sie nach Flensburg - gehört dazu.

Ehepaar Kankowski ist dankbar, dass der Architekt damals auf die Idee gekommen ist, das Haus auf dieser Höhe zu bauen: "Alle die hier wohnen dürfen, sind sehr zufrieden", sagt Karin Kankowski und beschreibt die Zusammensetzung von Stadt, Ruhe und Blick als "Idylle in der Stadt".

Am Freitag, 31. August, um 18 Uhr feiern im Innenhof rund 40 Personen das 100. Baujubiläum der "zwei schönen Schwestern" - und das 25. "Rettungsjubiläum" des Hauses der Ulmenstraße 15.

Bewohnerin Karin Kankowski, Hausmeisterin Christiane Baumann und Objektbetreuer Gunnar Plechinger bereiten das Fest vor. Es findet nicht nur eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses statt, sondern es wird auch Spanferkel für die Gäste bereitgestellt. An dem Abend werden Spenden gesammelt, die zusammen mit dem übrigen bereits gesammelten Geld dem Katharinen-Hospiz zugute kommen sollen.

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