Stangheck : Überläufer sichert Wiederwahl

Bürgermeister Björn With (Mitte) mit Vizebürgermeisterin Waltraud Lukoschus und dem zweiten Stellvertreter Dieter Stürmer.
Bürgermeister Björn With (Mitte) mit Vizebürgermeisterin Waltraud Lukoschus und dem zweiten Stellvertreter Dieter Stürmer.

Björn With gewinnt die Bürgermeisterwahl in Stangheck. Wahlprüfungsausschuss soll Rechtmäßigkeit der umstrittenen Abstimmung überprüfen.

shz.de von
30. Juni 2018, 12:30 Uhr

Stangheck | Vier Mandatsträger der Kommunalen Wählergemeinschaft (KWG), drei der SPD und ursprünglich zwei der Allgemeinen Wählergemeinschaft (AWG) hatten anlässlich der konstituierenden Sitzung über die Wahl des Bürgermeisters zu entscheiden. Für eine Kandidatur standen der bisherige Amtsinhaber Björn With (KWG) und die SPD-Vertreterin Waldtraud Lukoschus, bislang Vizebürgermeisterin, bereit. In geheimer Abstimmung votierten fünf Vertreter für den 37-jährigen Agrarwirtschaftler, während die 71-jährige Gegenkandidatin vier Ja-Stimmen erhielt.

Dass dem Bewerber Björn With diese Art der Titelverteidigung gelang, verdankt er vor allem dem neuen Gemeindevertreter Dieter Stürmer, der erst am 25. Mai überraschend die kommunalpolitischen Pferde gewechselt hatte. Über die Liste der AWG war er in die Gemeindevertretung gelangt, nachdem das ursprünglich gewählte Mitglied Claus-Peter Neumann sein Mandat niedergelegt hatte. Schriftlich teilte Stürmer dem AWG-Vorsitzenden Jürgen Siemen mit: „Ich gebe meinen Listenplatz in der AWG zurück.“ Sein Mandat legte er jedoch nicht nieder. Stattdessen nahm Stürmer an der Seite der KWG-Fraktion Platz und sorgte für Withs Wiederwahl.

Dieser Vorgang hatte bereits vor der entscheidenden Sitzung zu einer in der Stanghecker Ortsgeschichte nie dagewesenen Aktion geführt. Die Mitglieder der SPD-Fraktion verteilten an alle Haushalte ein Faltblatt, in dem sie „Herrn Stürmer“ indirekt vorwerfen, gegen „die zugesicherten Rechtsansprüche auf Ehrlichkeit und Verbindlichkeit der Rechtssicherheit“ verstoßen zu haben. In dem Faltblatt wird die angeblich fehlende Transparenz bei den Entscheidungen moniert. Die Vorwürfe beziehen sich auf „das geheimnisvolle Halbdunkel nichtöffentlicher Sitzungen, die Arbeit hinter den verschlossenen Türen der Amtsstuben und die Kungeleien in den Hinterzimmern der Kommunalpolitik“. Die drei Sozialdemokratinnen bewerten Stürmers handschriftlich erklärten Auszug aus der AWG als eindeutigen Mandatsverzicht. Die SPD-Fraktion folgert daraus: Dieter Stürmer hätte gar nicht mitstimmen dürfen.

Gemeindevertreter Cai-Wilko von Rumohr (KWG) wies die Kritik zurück und sagte: „Es macht mich traurig, dass sogar von außerhalb der Gemeinde Unfrieden gestiftet wird.“ Ihm bleibe es ein Rätsel, weshalb Stangheck emotional von manchen Leuten in ein „Oberdorf“ und ein „Unterdorf“ getrennt werde. Gemeindewehrführer Frank Braatz nannte den Inhalt des Faltblattes „diffamierend“ und forderte alle Mandatsträger auf, sich dafür einzusetzen, dass „unser Dorf endlich enger zusammenrückt“.

Erneut zur Vizebürgermeisterin wurde Waltraud Lukoschus (sechs Ja-Stimmen) gewählt. Zweiter Bürgermeister-Stellvertreters wurde Dieter Stürmer (fünf Ja-Stimmen, vier Enthaltungen). Cai-Wilko von Rumohr ist Vorsitzender des Bauausschusses, Hans-Hermann Witt Junior fungiert als Withs Stellvertreter im Amtsausschuss Geltinger Bucht. Der Bürgermeister verabschiedete mit Hans-Jürgen Petersen und Rolf Petersen zwei langjährige Mitstreiter im Gemeinderat. Björn Withs Antrittsrede bestand aus einem Satz: „Ich freue mich, dass ich weiter für unsere Gemeinde tätig sein darf.“

Auf Vorschlag von Amtschefin Rosemarie Marxen-Bäumer wird die Gemeindevertretung vollzählig dem Wahlprüfungsausschuss angehören. Dieser soll dann im Zusammenhang mit der Mandatserteilung einen Einspruch der AWG unter die Lupe nehmen.




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