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Leukämie-Patient Jörn : Typisierungsaktion: Fast 1900 Menschen registriert

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Typisierungsaktion im Flensburger Citti-Park war ein großartiger Erfolg. Das shz.de-Video-Team hat einen Spender begleitet.

Flensburg | „Und hast du dich schon stechen lassen?“ Immer wieder hörte man gestern diesen Satz in einer beeindruckenden Menschenschar im Citti-Park. Der Parkplatz voll belegt. In der Mall tummelten sich zwischen 10 und 16 Uhr bis zu 7000 Menschen. Verkausoffener Sonntag in Flensburg? Keineswegs – die Typisierung für den an Blutkrebs erkranken Jörn und andere Patienten erwies sich als ein Magnet in der gesamten Region. Die in ein buntes Rahmenprogramm mit Sport, Show und Musik eingebettete Registrierung wurde zu einem Ereignis für die gesamte Familie.

Das Wesentliche vorweg: Um 16.30 Uhr stand fest, dass exakt 1871 potenzielle Stammzellspender an der Aktion teilgenommen haben. „Unglaublich, diese Hilfsbereitschaft“, staunte Achim Schulz, der mit einer Initiativgruppe und der Unterstützung von 120 Ehrenamtlichen die Aktion auf die Beine gestellt hatte. Die Spendengelder sind ausgezählt, es sind über 20.300 Euro, die man zu den im Vorfeld bereits eingegangenen 12.500 Euro addieren darf – ein überragender Erfolg!

 

Das findet auch Lubomir Vranjes, Trainer der SG Flensburg-Handewitt und Schirmherr des Projekts „Gemeinsam für Jörn und andere“. Etwas unausgeschlafen nach dem Sieg über Frischauf Göppingen und langer Nachtfahrt in den Norden war er ein gefragter Gesprächspartner, der nicht müde wurde zu betonen, dass die Aktion keine Eintagsfliege bleiben dürfe. „Wir müssen weitermachen, für Jörn – aber auch die vielen anderen Leukämie-Patienten, die verzweifelt auf Hilfe warten“, sagte er. „Mein Herz schlägt für die gute Sache.“

Dieser Meinung waren ausnahmslos alle Spender, deren Strom einfach nicht abreißen wollte. Allein an 28 durchgehend besetzten Tischen wurden die Personalien aufgenommen, bevor es daran ging, sich von medizinischem Personal, das sich freiwillig gemeldet hatte, fünf Milliliter Blut aus der Armvene entnehmen zu lassen. Lasse Pollmann (40) war einer von ihnen. Seine Motivation: „Wie schnell kann man selbst betroffen sein, und dann würde ich es nicht verstehen, wenn keiner hilft. Es ist doch so einfach!“

Und tut gar nicht weh. Tina Logemann, die sich aus einer Artztpraxis am Twedter Plack spontan zur Mitarbeit gemeldet hatte, ging behutsam und routiniert zu Werke. Lasse Pollmann war bereits ihr 150. Spender. „Ich habe ihn, wie alle anderen, mit Liebe gepiekt“, sagte sie.

Ein Mann in der Menge war an diesem Tag gerührt wir kein anderer: „Das ist der Hammer“, entfuhr es Leukämie-Patient Jörn. Der 43-Jährige hatte nach der großen Werbewelle auf gute Resonanz gehofft, doch jetzt war er förmlich überwältigt. „Das hier fühlt sich gut an, es beflügelt mich.“ Jörn hofft auf Heilung, stellt seine Person jedoch vollkommen in den Hintergrund. Er habe, sagt er, doch schon ein halbes Leben gelebt. Das gelte nicht für die vielen weltweit erkrankten Kinder. „Die eigentliche Aussage der Aktion ist doch: Gemeinsam gegen Blutkrebs!“ Er sei, fügt er an, optimistisch, dass bald ein passender Spender für ihn gefunden werde. Der nächste Freitag spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dann wird der Arzt ihn auf seine Transplantationsfähigkeit hin testen und ihm eröffnen, ob es einen Spender gibt, der für ihn in Frage kommt. Vielleicht wird es jemand sein, der gestern sein Blut gelassen hat. Auch wenn nicht: „Ich bin jedem Einzelnen persönlich dankbar, der heute gekommen ist.“

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erstellt am 27.Okt.2014 | 07:01 Uhr

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