Schafflund : Typisierungs-Aktion: „Wir suchen Lebensretter“

Ein kleiner Pieks, der Leben retten kann: Stammzellenspenden tut nicht mehr weh als eine Blutspende. Bei der Typisierung wird nur eine Speichelprobe entnommen.
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Ein kleiner Pieks, der Leben retten kann: Stammzellenspenden tut nicht mehr weh als eine Blutspende. Bei der Typisierung wird nur eine Speichelprobe entnommen.

Am 7. Juni findet in Gedenken an Lore Schilling, die im Januar an Leukämie starb, eine Typisierungs-Aktion statt.

shz.de von
17. Mai 2015, 10:59 Uhr

Schafflund | Bei ihrer Hochzeit vor fast 50 Jahren hatten sich Lore und Dieter Schilling aus Schafflund versprochen, einander zu lieben – in guten wie in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit. Damals konnten sie nicht ahnen, dass sie letzteres Versprechen Jahrzehnte später würden einlösen müssen, als sie eigentlich ihren Ruhestand genießen wollten.

Lore Schilling erkrankte an Leukämie und starb am 18. Januar im Alter von 73 Jahren – „22 Monate nach der Diagnose“, sagt Dieter Schilling, von seiner Frau liebevoll „Diezi“ genannt. 22 Monate, in denen sie gehofft und gebangt hatten. Gebangt, ob Lore die Chemotherapie verkraften würde – gehofft, dass ein Stammzellspender gefunden würde, um ihr Leben zu retten. Als nach monatelanger Suche zwei Spender gefunden wurden, kam die gute Nachricht zu spät: Lore Schilling war zu schwach für eine Transplantation. „Innerhalb weniger Monate verlor sie über 30 Kilo an Gewicht“, sagt Dieter Schilling. Mit dem Tod seiner geliebten Frau erlosch die Hoffnung auf einen gemeinsamen Lebensabend.

Um anderen Leukämiekranken und ihren Angehörigen dieses Schicksal zu ersparen, startet der 69-Jährige in Gedenken an seine Lore eine Typisierungs-Aktion für potenzielle Stammzellspender, die am Sonntag, 7. Juni, von 11 bis 15 Uhr in der Grund- und Gemeinschaftsschule Schafflund stattfindet. So möchte er Hoffnung schenken – Hoffnung auf Leben.

Das gemeinsame Leben mit seiner Lore begann vor 50 Jahren im Flensburger Malteser-Krankenhaus – dort, wo später das Krankenzimmer war, in dem sie starb. „Ist das Schicksal?“ fragt der gelernte Fachkrankenpfleger für Anästhesie, der sich an den Moment erinnert, als ihm „Schwester Lore“ vorgestellt worden war. Sie arbeitete  als OP-Schwester – auch auf der Krebsstation. Trotz allen Grübelns versucht er, sich an die glücklichen Jahre mit seiner Frau zu erinnern. An ihr erfülltes Leben mit zwei Kindern, drei Enkelkindern, vielen Freunden und einem Haus mit Garten. „Wir waren eins, uns gab es nur im Doppelpack“, sagt der Schafflunder.

So auch im März 2013, als Lore Schilling mit einer Lungenentzündung zum Arzt ging und festgestellt wurde, dass sie viel zu viele weiße Blutkörperchen, sogenannte Leukozyten, im Blut hatte. „Da sagte ich: ‚Lore, du hast Leukämie’“, erinnert sich Dieter Schilling. Was das hieß, wussten beide: „Wenn Chemotherapie und Bestrahlung die Krankheit nicht besiegen, ist eine Transplantation von Stammzellen die einzige Chance.“ Dabei werden dem Patienten gesunde Blutstammzellen von einem Spender übertragen, der die gleichen genetischen Merkmale besitzt. Nur 30 Prozent der Patienten finden einen Spender in der Familie, die meisten benötigen einen fremden Lebensretter – so auch Lore Schilling.

Bei der Suche unterstützt die Stefan-Morsch-Stiftung, die die Einrichtung einer Stammzelltherapie-Einheit im Flensburger Malteser-Hospital unterstützte und 1986 die erste Stammzellspenderdatei Deutschlands gründete, in der heute  400000 der weltweit 25 Millionen potenziellen Spender registriert sind. Typisieren lassen kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren – bei Zustimmung der Eltern auch Jugendliche ab 16 Jahren. Neben schweren Erkrankungen kann bei Frauen die Zahl der Schwangerschaften ein Ausschlusskriterium sein. Die Typisierung erfolgt durch Abgabe einer Speichelprobe. Die Gewebemerkmale werden analysiert, an das deutsche Zentralregister übermittelt und stehen dann weltweit für Suchanfragen zur Verfügung.

„Wir suchen Lebensretter“, betont Dieter Schilling. Von der Gemeinde um Bürgermeisterin Constanze Best-Jensen sowie der Dorfgemeinschaft erhält er viel Unterstützung. So spenden Landfrauen und Freiwillige Feuerwehr ihren Erlös aus dem Verkauf von Kuchen und Grillwurst der Stefan-Morsch-Stiftung. Dieter Schilling möchte zukünftig in Schulen über Stammzellspenden informieren, um junge Menschen als potenzielle Spender zu gewinnen.

Informationen über die Aktion und die Stammzellspenderdatei auf www.stefan-morsch-stiftung.de und unter Tel. 0800/7667724 (gebührenfrei). Die Stefan-Morsch-Stiftung ist auf Spenden angewiesen. Für diesen Zweck wurde bei der Nord-Ostsee Sparkasse ein Spendenkonto eingerichtet: IBAN: DE59 217500000000000323, Stichwort: Lore Schilling.
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