Ärger mit der Kanalisation : Twedter Plack: Wo es zum Himmel stinkt

45 Pumpstationen sind damit beschäftigt, das Klärwerk am Kielseng mit unangenehm riechenden  Hinterlassenschaften zu versorgen.
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45 Pumpstationen sind damit beschäftigt, das Klärwerk am Kielseng mit unangenehm riechenden Hinterlassenschaften zu versorgen.

Einigen Flensburgern wurde das sonnige Wochenende vermiest: Leidgeprüfte Mürwiker klagen wieder über Geruchsbelästigungen. Die Dosierpumpe in Glücksburg war kurzfristig ausgefallen.

shz.de von
16. Juni 2014, 06:24 Uhr

Flensburg | Strahlender Sonnenschein beglückt den Twedter Plack. Ein guter Grund, gut gelaunt den Tag zu beginnen. Doch warum begegnet man hier überwiegend mürrischen Blicken – warum rümpfen die Mürwiker hier zu früher Stunde schon die Nase?

Es gibt dafür einen guten Grund, und der riecht ziemlich übel. Wie schon im Sommer letzten Jahres kriechen, wie es so verharmlosend wissenschaftlich klingt, olfaktorische Ausdünstungen aus den Schächten. Anders ausgedrückt: Es ist ein penetranter Gestank, der aus der Kanalisation dringt und gegen den kein Kraut gewachsen ist.

Die Mürwiker jedenfalls haben die Nase gestrichen voll. Eine Anwohnerin wohnt im 5. Stock eines Mietshauses am Twedter Berg. „Ich wollte das Wohnzimmer lüften“, sagt sie. „Doch ich habe zugesehen, die Fenster ganz schnell wieder zu schließen.“ Die Geruchsbeeinträchtigung sei unerträglich gewesen, stöhnt die ältere Dame. Sie verlässt die Wohnung am liebsten dann, wenn der Wind aus der richtigen Richtung weht. „Andernfalls ist es an der frischen Luft nicht gut auszuhalten“, sagt sie mit bedachter Wortwahl.

Besonders schlimm sei es nicht nur in ihrem direkten Umfeld, sondern auch in der Straße Am Soot. „Im Prinzip müffelt es bis hinunter zum Stadion“, schildert sie mit ausladender Geste. Andere Flensburger bestätigen dies. Auch Osterallee und Swinemünder Straße seien betroffen, und eine 44-jährige Passantin will den „Klärwerk-Duft“ sogar am Zob wahrgenommen haben.

Jochen Schmidt, Leiter des Flensburger Klärwerks, wird nicht zum ersten Mal mit Sinneseindrücken der unangenehmeren Art konfrontiert. Allerdings seien ihm in diesen Tagen und Wochen noch keinerlei Beschwerden zu Ohren gekommen. Er räumt ein, dass bei Messungen zwar sogenannte „Peaks“, also kurzzeitige Spitzen erkennbar gewesen, jedoch auch in der Vergangenheit immer wieder aufgetreten seien.

Nach Rücksprache mit der Stadt Glücksburg habe er in Erfahrung gebracht, dass aufgrund einer technischen Störung in den letzten Tagen eine geringere Chemikalienmenge dosiert worden sei. „Dies führte aber nicht“, so Schmidt, „zu einer signifikanten beziehungsweise länger anhaltenden, messbaren Geruchsbelästigung.“

Im letzten Sommer waren über eine Versuchsanlage erstmals Geruchshemmer getestet und schließlich auch eingesetzt worden. Die Crux liegt darin, dass die „lange Leitung“ von der Glücksburger Pumpstation über die Sammelstation am Twedter Plack hin zum Klärwerk offenbar für eine größere Wassermenge ausgelegt ist. Wenn die Fäkalströme aus dem Fluss und zum Stillstand kommen und die Luft entweicht, wird es „oben“ ungemütlich. Dann übernehmen Faulgase das Regiment. „Es ist ein hydraulisches Problem“, erläutert Schmidt. „Zu wenig Wasser bedeutet eine zu lange Verweilzeit in den Rohren, das wiederum ist für die Geruchsbelästigung beim Austritt aus der Druckrohrleitung verantwortlich.“ Es gebe dafür aber noch weitere Parameter, wie höhere Außen- oder Abwassertemperaturen, Windstärke und -richtung sowie Luftdruck. Schmidt „Wir haben mit Glücksburg eine gute Kooperation und werden das weiter optimieren.“

Auch die tief liegende Einleitstelle in Solitüde und die dortigen, von der Leistung her überforderten Pumpen sind schon länger ein Sorgenkind – besonders im Sommer. Doch die Mürwiker sollten nicht verzweifeln. Wenn ihnen mal wieder muffelnde Geruchsschwaden um die Nase ziehen, ist das ein untrügliches Indiz für . . . bestes Wetter. Immerhin.

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