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Flensburger Werft : Tulipa – das erste Baby der neuen FSG

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neubau Nr. 773 bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft getauft – und Werft-Chef Fuchs hofft auf eine Auslastung bis ins zweite Quartal 2019

„Boah, die sieht ja aus wie die Titanic“, entfährt es einem jungen Mädchen, als sich plötzlich ein kolossaler Schiffsrumpf vor ihr auftürmt. Dem Untergang geweiht ist der 11  000 Tonnen schwere Riese, der bei der Flensburger Werft vom Stapel läuft, jedoch nicht. Hoffentlich nicht. Doch es gibt weitere Bedenken. „Ich habe das Gefühl, das Schiff kann umkippen“, ist die Befürchtung von Tiana (6), die mit 33 weiteren Kindern vom Kindergarten Kapernaum in gelben Warnwesten ehrfürchtig vor dem Schauspiel erstarrt. Erzieherin Heike Erichsen beruhigt: „Das kippt nicht um, hier ist noch wie was umgekippt.“

Stimmt. Nur ein Flottendienstboot ist in den 80er Jahren einmal stecken geblieben. Bei der 773. Schiffstaufe verläuft jedoch alles wie geplant, die Roll-on-Roll-off-Fähre wird auf den Namen „Tulipa Seaways“ getauft und rauscht unter dem Applaus der etwa 500 Gäste ins Ostseewasser: „Hip hip hurra!“

Die Fähre verchartert der Auftraggeber, die norwegische Siem Gruppe, die auch Eignerin der Werft ist, langfristig an die dänische Reederei DFDS. Wie schon bei der Taufe des Schwesternschiffes „Gardenia Seaways“ im Februar, sagt FSG-Geschäftsführer Rüdiger Fuchs in seiner Ansprache an die Adresse von Taufpatin Tutte Østergard, Ehefrau des ehemaligen DFDS-Vorstands Bent Østergard: „Wir haben alle Anstrengungen unternommen, damit dieser Tag auch Ihr Tag ist.“ Doch im Gespräch mit dem Tageblatt erwähnt Fuchs eine elementare Neuerung: Die aktuelle Fähre nämlich sei erstmals unter Bedingungen produziert worden, „die fundamental bis zu jedem einzelnen Mitarbeiter verändert worden sind“. Habe man sich zuvor nach einzelnen Gewerken organisiert, so sei die Vorfertigung nun an Stationen im Baustein-Prinzip einer gemeinsamen Regie unterworfen. „Das dient letztlich der Produktivitätssteigerung, es fallen weniger Stunden an und wir werden günstiger“, betonte Fuchs. Das neue, in neun Monaten erbaute Schiff stehe sozusagen stellvertretend für den prozess- und qualitätsoptimierten „Relaunch der neuen FSG“.

Fuchs richtete seinen Dank auch an die „Kollegen“, für deren Einsatz und Verlässlichkeit. Einer von ihnen ist Sven-Peter Matthiesen, der 1996 bei der Werft zum Schweißer umgeschult wurde. Es ist der bereits 90. Stapellauf, den er miterleben darf. „Und es ist immer noch spannend, immer noch ein besonderes Gefühl.“ Ob er die 100 voll machen kann, weiß indes niemand. Nach den Entlassungen und der Umstrukturierung, in deren Verlauf noch 600 Beschäftigte an der Batteriestraße verblieben sind, ist die Verunsicherung spürbar. „Die Stimmungslage ist schwankend“, formuliert es Matthiesen, der in der Montage an der Paneelstraße tätig ist. „Aber bis jetzt haben wir schwierige Zeiten stets gemeistert.“

Wie aber sieht es aus mit der Auftragslage? Bis dato sind drei RoRo-Fähren für die türkische Reederei Alternative Transport und eine Passagierfähre an Irish Ferries in der Pipeline. Rüdiger Fuchs verriet, dass in knapp zwei Wochen ein weiterer Kunde einen Vertrag mit der FSG öffentlich machen werde, der eine Auslastung bis zum 2. Quartal 2019 gewährleiste. Ob damit eine Passagierfähre für die französische Reederei Brittany Ferries gemeint ist, mit der bereits eine Absichtserklärung unterschrieben worden ist, verriet er nicht.

 

 

 

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erstellt am 10.Jun.2017 | 06:47 Uhr

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