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Stummer Protest : Trotz Kritik: Weg frei für alte Gärtnerei

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Ausschuss segnet einstimmig die Planung für 195 Wohnungen an der Fördestraße ab. Anwohner dürfen nur schweigend protestieren.

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2013 | 00:36 Uhr

Sie waren gleich zu Dutzenden ins Technische Rathaus gekommen, und es fiel ihnen sichtlich schwer, Ruhe zu bewahren. Der stumme Protest der Anwohner von Rabenslücke und Kiefernweg hat die Kommunalpolitiker indes nicht umstimmen können. In seltener Einstimmigkeit segnete der Planungsausschuss am Dienstagabend den Bebauungsplan „Alte Gärtnerei“ an der Fördestraße ab. Die Firma Woba aus Böklund plant hier in Fußentfernung zum Twedter Plack – und zum Solitüder Strand – ein Wohnviertel mit sieben Gebäuden mit bis zu sechs Geschossen und insgesamt 195 Wohnungen. Stadtplanungschef Peter Schroeders machte klar, dass die wachsende Stadt Flensburg gerade solche Projekte in der Nähe der City oder der Stadtteilzentren brauche: „Von den anvisierten 3000 Wohnungen der nächsten Jahre brauchen wir 2000 im Geschosswohnungsbau“, erklärte er. Die Anwohner hatten sich nach der früheren Planung des mittlerweile ausgestiegenen Investors zunächst auf 70 Reihenhäuser eingestellt.

Schroeders berichtete, dass die Verkehrserschließung geändert worden sei und nun 110 Wohnungen von der Fördestraße von Norden aus erreicht würden, lediglich die restlichen 85 vom Süden: „Der Kiefernweg ist geeignet, diese Verkehre aufzunehmen“, sagte er. Außerdem gingen die Abstände zu den bestehenden Nachbargebäuden allesamt über die Vorgaben des Baurechts hinaus, teilweise um das Anderthalbfache. „Die wirksam werdende Baustruktur ist im Nachbarschaftsbereich viergeschossig“, ergänzte er. Außerdem bleibe der Grüngürtel, der das frühere Gärtnereigelände umgibt, vollständig erhalten – zum Teil über die Höhe der Gebäude hinaus. Damit nicht genug der Vorzüge, die der Stadtplanungschef aufzählte. Durch die Pläne mit Tiefgaragen für alle Gebäude werde der ruhende Verkehr zu 100 Prozent unter die Erde verlagert: „Wir haben hier ein Projekt, das wirklich innovativ sein kann“, hofft Schroeders. Außerdem gebe es einen Anteil von Sozialwohnungen – und im Übrigen sei dies hier im Herzen von Mürwik die Chance, ein größeres Gebiet einheitlich zu gestalten: „Ich bin überzeugt, dass einige Nachbarn mit dem Projekt ihren Frieden machen können.“

Für die CDU lobte Kurt Neumann, dass die Planungen gegenüber den ersten Entwürfen heller und freundlicher geworden seien, es ein Vollgeschoss weniger gebe und die Gebäude insgesamt abgesenkt worden seien. Zudem würden statt einem Drittel nun 56 Prozent der Wohnungen über die Fördestraße erschlossen.

Glenn Dierking (SSW) verwies auf die angespannte Marktlage in Flensburg, und bewertete den Entwurf ebenso positiv wie Harro Teichmann (WiF). Pelle Prieß (Grüne) sieht mit der Planung ein dringendes Bedürfnis in der Stadt befriedigt: „In attraktiver Lage viele Wohnungen in guter Durchmischung schaffen.“

Eine weitere Hoffnung der Kommunalpolitiker: Durch Umzüge innerhalb Mürwiks in die komplett barrierefreie Siedlung könnten andere Häuser für junge Familien freiwerden. Und für Heinz-Werner Jezewski (Linke) am erstaunlichsten: Dass hier auch sozialer Wohnungsbau umgesetzt wird, von dem zuweilen behauptet werde, dass er sich nicht rechne.

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