zur Navigation springen

Projekt „Neue Wege“ in Flensburg : Trotz Behinderung wieder im Job

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Über das Projekt „Neue Wege“ fand Offset-Drucker Ulf Strutz (51) einen Arbeitsplatz bei der Stadt

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 08:40 Uhr

Bereits bei seiner Geburt war Ulf Strutz schwer krank. Bei dem Jungen wurde ein aggressiv wirkender Gen-Defekt festgestellt. Die Nierenfunktion war extrem eingeschränkt, die Gefahr eines Nierenversagens allgegenwärtig. Dazu kamen durch Bluthochdruck ausgelöste Risiken.

Das Leben war für den heute 51-Jährigen ein Drahtseilakt. Die Niere fünfmal so groß wie normal, die Funktion stark eingeschränkt. „Mit 45 Jahren ging es rapide bergab“, schildert der Flensburger sein persönliches Dilemma. Als wenn es zuvor nicht schon schlimm genug gewesen wäre. Doch jetzt hatte er mit Anämie (Blutarmut) zu tun, mit Kurzatmigkeit und chronischen Erschöpfungszuständen. Seit zweieinhalb Jahren muss sich der Patient einer Dialyse unterziehen, drei Mal die Woche.

Dennoch biss sich Ulf Strutz zeit seines Lebens durch. Er schloss eine Lehre als Offset-Drucker erfolgreich ab, machte sogar seine Meisterprüfung. 13 Jahre lang war er Abteilungsleiter einer Firma unweit der Fördestadt, die schließlich mit der Insolvenz konfrontiert wurde – und plötzlich stand er auf der Straße. Arbeitslos.

Das war im Jahr 2015. In dem Jahr, in dem er beginnen musste, sich aufgrund der schweren Nierenerkrankung einer regelmäßigen Blutwäsche zu unterziehen. Zu 100 Prozent schwerbehindert, wurde er beim Arbeitsamt vorstellig. „Viel Hoffnung“, erinnert er sich, „hatte ich ja nicht.“

Doch dann erfuhr Strutz von dem Projekt „Neue Wege“, auf den Weg gebracht von der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Bequa) und gefördert vom Jobcenter, der Agentur für Arbeit sowie dem Sozialministerium des Landes. Drei Plätze hält die Bequa für die Flensburger Arbeitsagentur vor. Über diese Brücke sollen Menschen mit einer Schwerbehinderung Unterstützung beim Wiedereinstieg ins Berufsleben erfahren (siehe Info-Box). Bis zu einem Jahr kann eine solche Maßnahme andauern. Im Falle von Ulf Strutz waren des zwei Monate. Arbeitsvermittlerin Corinna Franke hatte sich zuvor in einem Erstgespräch mit dem „Klienten“ ein Bild von dessen Qualifikation und den individuellen Einschränkungen gemacht.

So landete Ulf Strutz bei der Stadt Flensburg – genauer: in der Abteilung Logistik der Stadtverwaltung. Dort arbeitet er in der Poststelle und legt auch schon mal in der Druckerei Hand an – schließlich ist er vom Fach. Von seinen Kollegen wird er sehr geschätzt. „Auch mir bringt das alles sehr viel Spaß. Selbst eine Nachtschicht legt er hin und wieder ein. Dann nämlich fährt er zur Dialyse nach Flensburg-Weiche. „Dabei kann ich mich doch wunderbar erholen.“ Ulf Strutz hat seinen Humor nicht verloren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen