Trollseeturm: Kunst im Luftschutzbunker

Schöner Schein: Der Kuchen von Doris Bedra sieht frisch und lecker aus, ist aber schon acht Jahre alt und aus Beton gefertigt.
Schöner Schein: Der Kuchen von Doris Bedra sieht frisch und lecker aus, ist aber schon acht Jahre alt und aus Beton gefertigt.

Ausstellung „Kein Thema“ wird heute eröffnet / Exponate unterschiedlichster Genres sind vertreten

shz.de von
19. Juni 2015, 14:45 Uhr

Eine „Hühnerküche“ in einem ehemaligen Luftschutz-Turm – dieses Bild bietet sich wohl nur einmal. Im Kulturturm auf dem Gelände der Trollsee-Werkstatt des Holländerhofes stellen 20 Mitglieder des Künstler-Netzwerks „Kunst im Norden“ ausgewählte Werke aus.

Doris Bedra haben ein paar Hühner Modell gestanden – für Betonfiguren und Ölbilder. Sie findet: „Hühner haben etwas sehr Gemütliches“ und arrangierte das Federvieh in eine der Nischen des Trollseeturms. Die zwei Meter dicken Außenwände des Bunker-Turms wurden im Zuge der Demilitarisierung stellenweise aufgesprengt und stellen nun effektvolle Ausstellungsflächen für die Kunstwerke dar.

Mit dem Titel „Kein Thema!“ bietet die Ausstellung viel Raum für unterschiedlichste Kunstformen: Öl- und Acrylmalerei, Collagen, Fotokunst, Keramikarbeiten, Skulpturen, Objektkunst und Raumcollagen. „Wir wollen die Vielfältigkeit unseres Netzwerks zusammenfassen und zeigen“, erklärt die Flensburgerin Inge von Krottnaurer, die ihre Werke und Collagen aus Papier und Pappe ausstellt. „Das Material ist alltäglich, gleichzeitig aber außerordentlich vielseitig“, freut sich die Künstlerin, die das verarbeitet, was andere als Wegwerfprodukt betrachten.

Auch Selma Goebel arbeitet mit einem auf den ersten Blick ziemlich unspektakulären Material: Sand. Erdpigmente sind der Grundstoff der Farben, mit denen sie ihre Objekte und Bilder coloriert und die für die warmen Töne verantwortlich sind. Der Sand und Taubendreck auf dem Boden ihrer Ausstellungsfläche fiel jedoch dem Kehrblech zum Opfer.

Neben der raffinierten gegenläufigen Treppenführung im Inneren des Turms, die alle Besucher durch die Galerie leitet, schätzt die regionale Künstlergruppe auch die gleich bleibenden Lichtverhältnisse des fensterlosen Gebäudes – so können alle Werke durch Strahler entsprechend in Szene gesetzt werden.

Bei bestem Sonnenlicht und weil es seiner Meinung nach schon genügend trübe Bilder gibt, begab sich Thomas Anton Stribick nach draußen, um die Schönheit Angelns in Öl festzuhalten. In frischen Farben bildet er Strände, Wasser und sommerliches Grün ab.

Jeder Künstler steuert sechs Werke zur Ausstellung bei, die heute im Rahmen der Vernissage ab 18 Uhr zum ersten Mal betrachtet werden dürfen. Das Besondere daran ist, dass auch die Mitglieder des Holländerhofes zu Gast sein werden. „Auf diese Weise findet unbewusst Inklusion statt“, erklärt Werkstattleiter Hans-Nico Nissen. Auch Inge von Krottnaurer kann die gute Zusammenarbeit zwischen den Künstlern und den geistig behinderten Werkstattmitgliedern nur loben: „Wir wurden beim Aufbau ganz liebevoll betreut.“ So wird die Veranstaltung auch dem ursprünglichen Konzept gerecht: Als der Holländerhof 2002 die Werkstatt kaufte, entschloss man sich, den Turm als kulturellen Treffpunkt und integrative Begegnungsstätte zu nutzen.

Noch bis zum 12. Juli ist „Kein Thema!“ jeweils sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen