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Projekt "Flensburger Singezeit" : Trio bringt Flensburg zum Singen

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Nikolaus-Reiser-Stiftung will den Gesang im Alltag fördern / Großes Konzert im Stadttheater

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erstellt am 11.Mai.2013 | 06:31 Uhr

Flensburg | "Singe wem Gesang gegeben", dichtete einst Ludwig Uhland, und in Flensburg sollen, wenn es nach Mareike Hölker, Sylvia Wieland und Gabriel Koeppen geht, bald wieder viel mehr Menschen viel häufiger singen - und das nicht nur unter der Dusche, sondern miteinander. In der Schule, in der Kneipe und - am 28. Mai - im Stadttheater. An diesem Tag endet die erste Flensburger Singezeit mit dem Höhepunkt: 650 Kinder bevölkern in zwei Konzerten Rang und Reihen im Theater und singen Lieder wie "Auf einem Baum ein Kuckuck" oder "Alle die mit uns Kaperfahrt fahren".

"Viele Kinder kommen heute gar nicht mehr in Kontakt in Musik", hat Gabriel Koeppen, Leiter der Musikschule, beobachtet. "Wir müssen wieder lernen, miteinander zu singen", meint Sylvia Wieland, professionelle Sängerin und Singezeit-Dozentin. "Viele Gesangstalente haben ein Problem damit, sich hinzustellen und einfach ein Volkslied zu singen", sagt Mareike Hölker, die das Projekt steuert. Sie hat die Geschäftsführung der Nikolaus-Reiser-Stiftung inne, die seit einigen Jahren Gesangstalente mit Stipendien fördert und jetzt mit der Flensburger Singezeit in die Breitenförderung einsteigt.

Und das macht man am besten mit Kindern. Vor rund einem Jahr trat Mareike Hölker, die hauptamtlich im Kulturbüro beschäftigt ist, an die Grundschulen heran. Sechs von zehn sind dabei und singen seit Beginn des Schuljahres regelmäßig. Dabei werden sie nach so genannten Ward-Methode unterrichtet, bei der die Kinder spielerisch und von Gesten unterstützt Intervalle und die Länge von Tönen erlernen. "Nach der vierten Klasse können die Kinder vom Blatt singen", sagt Mareike Hölker. Einige Lehrer der beteiligten Grundschulen wurden in einem fünftägigen Workshop in der Ward-Methode - benannt nach 1879 geborenen amerikanischen Musikpädagogin Justine Ward - ausgebildet. Und auch Externe sind dabei, wie die stadtbekannte Chanteuse und Schauspielerin Sylvia Wieland, eine ausgewiesene Vollblutsängerin. "Ich habe schon immer gesungen", bekennt sie freimütig. Vehement setzt sie sich für mehr Gesang allerorten ein und würde liebend gern eine in Süddeutschland wiederbelebte Tradition auch hier oben im Norden einführen: das Wirtshaussingen. Sangesfreudige Menschen kommen zu einem festgelegten Termin zusammen, vorzugsweise in einer Gaststätte, und singen gemeinsam unter Anleitung und von einem Instrument begleitet. Sylvia Wieland hat an einem Ward-Workshop teilgenommen und vor wenigen tagen ihre erste Gesangsstunde in der Hohlweg-Schule gegeben.

Dieser Aspekt der Singezeit wird jetzt sogar wissenschaftlich begleitet: "Zwei Studierende schreiben eine Arbeit über das Projekt", berichtet Mareike Hölker. Sie untersuchen, ob Kinder, die bei der Singezeit mitmachen, nach einer gewissen Zeit mehr gelernt haben und mehr können als andere.

Außerdem gibt es ein 16-seitiges Heft mit Basisinformationen über die Reise-Stiftung sowie Noten und Texten zu zehn Liedern von der Kaperfahrt über "Hevenu Shalom", dem russischen "Sascha", dem altbekannten "Wir leben die Stürme" und dem plattdeutschen "Sing man tau".

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