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Diebesbanden unterwegs : Trickdiebstahl in Flensburg – Polizei klärt auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Reisende Banden machen derzeit die Flensburger Innenstadt unsicher. Seit Anfang November wurden bereits 24 Straftaten registriert.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2013 | 07:13 Uhr

Flensburg | Es mutet so friedlich an. Eine Familie musiziert an der Holmnixe, versüßt kauflustigen Flaneuren die Vorweihnachtszeit. Ein sechsjähriger Junge spielt den Animateur. Doch die Szenerie ist alles andere als harmlos.

Reisende Banden machen derzeit die Innenstadt unsicher. Als Polizeibeamte die fröhlichen Musikanten kontrollieren, sehen sie sich bettelnden Menschen mit slowakischem Pass und rumänischer Abstammung gegenüber. Auch wenn die Personalpapiere zweifelhafter Abstammung sind, ist das allein nicht zu beanstanden. Doch immer wenn die Familie sich in Flensburg aufhält, ist die Quote an Trickdiebstählen und Betrügereien auffällig hoch. „Es gelingt fast nie, die Täter in flagranti zu ertappen“, sagt Michael Schulz von der Polizeistation Mitte in der Großen Straße. Und Michael Schwarz, seit einem halben Jahr Dienstellenleiter, ergänzt. „Die Banden sind professionell organisiert, sie machen uns ernsthaft Sorgen.“

Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg. Und mit ihnen gestohlenes Bargeld oder andere Beute. Sie spähen potenzielle Opfer aus – oft ältere Menschen, die einem Geldautomaten gerade frische Scheine entnommen haben. Sie folgen ihnen, suchen das dichte Gedränge, etwa an Punschständen, rempeln ihr Opfer an, schlitzen Hosen und Handtaschen mit einer Rasierklinge auf oder greifen in einem unbeobachteten Moment dreist in die Jackentasche. Die Geldbörse bleibt nur Sekunden beim Täter, wird sofort weitergereicht, wandert durch mehrere Hände.

In den letzten sechs Wochen gab es 24 Anzeigen, eine Täterschaft konnte nie nachgewiesen werden. Die Dunkelziffer dürfte erheblich sein. „Sie liegt bei 90 Prozent“, schätzt Stationsbeamter Ulf Bartelsen. „Vielen ist es schlicht peinlich, dass ihnen so ein Malheur passiert ist.“

Um die Übergriffe einzudämmen, sind jetzt regelmäßig Streifen – auch Zivilkräfte – in der Innenstadt unterwegs. Sie leisten Präventionsarbeit, indem sie mit Passanten ins Gespräch kommen, sie warnen und deutsch-dänische Flyer verteilen, die aufzeigen, wie die Wochen vor Weihnachten von „dubiosen Ausbeutern und Langfingern geschickt ausgenutzt werden“. Seit die Polizei Präsenz zeigt, ist die Zahl der Straftaten zurückgegangen, sagt Michael Schwarz. Auch Familie Backsen lässt sich belehren – ist aber skeptisch, was die Wirksamkeit dieser Maßnahme angeht. „Ich glaube nicht, dass echte Spitzbuben sich davon abschrecken lassen“, meint Edlef Backsen.

Doch man darf annehmen, dass die Rendsburger höllisch aufpassen werden, wenn selbstlose Menschen sie demnächst mit Rosen beglücken wollen und dafür eine klitzekleine Spende für krebskranke Kinder oder überflutete Häuser erbitten. Ansonsten könnte es ein böses Erwachen geben.

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