Flensburger Bahnhof : Treppensturz: Bahn stellt sich stur

Hermann Conradi stürzte im Juni am Bahnhof die Treppe runter. Der Amerikaner verlangte Schmerzensgeld von der Bahn. Die weist alle Ansprüche ab.

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23. November 2009, 12:51 Uhr

Flensburg | Jetzt weiß es Hermann Conradi ganz genau: Der bauliche Zustand des Flensburger Bahnhofs ist einwandfrei. Das weiß der Penionär aus Honesdale (Pennsylvania) deswegen, weil er es sich erlaubt hat, einen Einwand zu machen. Conradi gab der maroden Bausubstanz des Flensburger Bahnhofs die Schuld an einem folgenschweren Treppensturz. Der gebürtige Flensburger, der den größten Teil seines Lebens unfallfrei in New York verbracht hat, war am 23. Juni um 11.05 Uhr aus dem Zug Hamburg-Flensburg gestiegen und anschließend gleich die steile Treppe hinunter getrudelt (wir berichteten). Für den Schulterbruch, den er sich zu Beginn des Heimaturlaubs zuzog, wollte er die Deutsche Bahn haftbar machen. Schmerzensgeld. Da verstehen Amerikaner keinen Spaß.

Die Deutsche Bahn aber auch nicht. Im Schriftverkehr der Rechtsvertreter riet Conradis Flensburger Anwalt dem Gestürzten, lieber die Segel zu streichen. Es seien einfach keine Zeugen vorhanden, die Conradis Darstellung der entscheidenden Sekunden bestätigen können.
Die Bahn: "Die Treppe ist sicher"
Der Buten-Flensburger erinnert sich an die wesentlichen Details noch recht präzise. Das gelegentlich funktionierende Förderband für schwere Gepäckstücke war gerade mal wieder außer Betrieb, die Treppe schief, der Beton nass, seine Umhängetasche schwer. "Ich bin ausgerutscht und auf der Schulter gelandet" sagt er. Und das hätte nicht sein müssen, wenn die Deutsche Bahn sich ein bisschen besser um ihren Flensburger Bahnhof kümmern würde. "Die bauliche Zustand ist unter aller Kanone."

Stimmt überhaupt nicht, kontert die DB. "Wir sind der Auffassung, dass sich die Treppenanlage in einem für den Benutzer verkehrssicheren Zustand befindet." Dass er sich auf eine nasse Treppe zubewegt, hätte Conradi "bei vorausgesetzter Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt und Achtsamkeit auffallen müssen." Die Straßenverkehrsordnung (StVo) bezeichnet das als "vorausschauende Fahrweise", und aus der StVo scheint auch die an Bahnreisende gerichtete Anforderung abgeleitet zu sein, bitte nicht überladen auf irgendwelchen Bahnsteigen herumzulaufen.

Eine grobe Fahrlässigkeit - und höchst überflüssig. Denn die Bahn hält für die Mühseligen und Beladenen Personal vor. Glaubt jedenfalls die Rechtsabteilung der DB in Frankfurt. "Der Unfall wäre schon deshalb vermeidbar gewesen, hätte Ihr Mandant die einfachste Möglichkeit in Erwägung gezogen und das Servicepersonal gebeten, ihm beim Tragen der Reisetaschen behilflich zu sein."

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