Behindert in Flensburg : Treeneweg: Streit um Parkplatz

Hier stand das Auto: Max Stich mit dem Zettel, den er unter die Frontscheibe gelegt hatte (Text oben links).
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Hier stand das Auto: Max Stich mit dem Zettel, den er unter die Frontscheibe gelegt hatte (Text oben links).

Max Stich kontra Mürwiker Werkstätten – Vorwurf: Auto mit Rollstuhlfahrer wird von Behinderten-Einrichtung vertrieben

shz.de von
12. Juni 2018, 06:40 Uhr

Man mag es als eine Petitesse sehen. Für Max Stich, den früheren Ratsherrn, Landtagsabgeordneten und ADAC-Vorsitzenden, wirft es ein Schlaglicht auf eine Einstellung, die nicht zu dieser Einrichtung passt.

Es geht um einen Stellplatz am Treeneweg, auf dem Seitenstreifen, direkt hinter dem Firmenschild der Mürwiker Werkstätten. Hier haben Max Stich und seine Frau Marion am Sonntagabend vor neun Tagen ein Auto abgestellt. Axel, 51-jähriger Sohn von Marion, Stichs zweiter Frau, ist stark gehbehindert und auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen. Stich ist seit 40 Jahren direkter Nachbar der Mürwiker Werkstätten und hatte immer ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zu der Behinderteneinrichtung.

Bis Dienstag vergangener Woche. Seitdem ist er ziemlich sauer auf seine Nachbarn. Er hatte das Auto mit Axel an Bord auf dem ersten von drei Plätzen hinter dem Firmenschild geparkt, weil sein Grundstück derzeit wegen der Kanalbauarbeiten nicht erreichbar ist. Um dem gehbehinderten Stiefsohn einen allzu langen Weg zu ersparen, hat er das Auto – mit Behindertenparkausweis und einem erklärenden Text samt Adresse (siehe Foto oben) – formal falsch geparkt.

Am Dienstag bekommt er Besuch von einer leitenden Mitarbeiterin der Mürwiker. Autofahrende, nicht behinderte Angestellte hätten sich darüber beklagt, dass der Stellplatz besetzt sei und sie gebeten, ihn, Stich, darauf hinzuweisen. Er möge dort bitte nicht mehr parken.

Max und Marion Stich sind einigermaßen konsterniert. Mitarbeiter einer Einrichtung für Behinderte verweigern einem Behinderten die kurzfristige Benutzung eines Parkplatzes. „Diese Einstellung passt nicht zu dieser Einrichtung“, so Stich. Das habe er dem Geschäftsführer der Mürwiker, Günter Fenner, so auch mitgeteilt, verbunden mit dem Hinweis, dass sämtliche Image-Bemühungen unglaubwürdig werden, wenn man im Alltag nicht eine entsprechende Einstellung zeige.

Günter Fenner ist ein wenig ratlos. Eine Mitarbeiterin, die am Montag dort parken wollte, wo Max Stich schon stand, habe sich an die Verwaltung gewandt. Stich übertrage das jetzt auf die gesamte Einrichtung. Er, Fenner, habe dem Nachbarn angeboten, auf dem Grundstück der Mürwiker zu parken, solange sein Grundstück blockiert ist. Doch darauf wollte Stich jetzt nicht mehr eingehen. Nun wisse er auch nicht weiter. Es scheint, dass die Fronten am Treeneweg verhärtet sind.

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