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Flensburg : Trauung im Wehenzimmer: Baby bringt Hochzeitspläne durcheinander

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erst die Hochzeit, dann die Geburt: Das war der Plan, doch dann kam alles anders. Hanna und Catalin Tiganasu wurden gestern Eltern und Eheleute.

Flensburg | Den gestrigen Freitag hatten sich Hanna Panas und Catalin Tiganasu ein bisschen anders vorgestellt: Um 12 Uhr wollten die beiden im Flensburger Standesamt heiraten, acht Tage später würde ihr kleines Mädchen geboren. Doch dann kommt alles anders: Freitag in aller Frühe sei Hanna aufgewacht und habe einfach „Aua!“ gesagt, erzählt der 43-jährige Tiganasu. Offenbar geht es los, die Geburt steht kurz bevor. Das Paar macht sich auf den Weg in die nahe Diako, und um 7.50 Uhr erblickt Ekaterina das Licht der Welt. Schwarze Haare, süße 3520 Gramm schwer und 51 Zentimeter groß.

So weit, so wunderschön. Doch: „Was machen wir mit der Hochzeit?“, stellt Catalin Tiganasu die Frage, die die jungen Eltern sogleich beschäftigt. Mit Öffnungszeit des Standesamtes fragt er bei der Behörde nach, ob es nicht möglich sei, die Trauung ins Krankenhaus zu verlegen. Eine junge Beamtin habe ihm Hoffnung gemacht, gibt er wider, doch die Leitung des Standesamts rudert kurz darauf zurück.

Inzwischen interveniert die leitende Hebamme Anke Jürgensen und telefoniert mit den Standesbeamten. Sie soll sich nochmal ein paar Minuten gedulden bis zur Entscheidung. Freudestrahlend verkündet sie wenig später die frohe Botschaft der Behörde: „Es gibt den formalen und den menschlichen Weg“, sagt sie und: „Wir nehmen den menschlichen.“

Die Freude bei Hanna Panas und Catalin Tiganasu ist groß – die Geschäftigkeit in der Frauenklinik auch. Die Betten aus dem Wehenzimmer werden hinausgerollt, Kinderkrankenschwester Angela bringt Luftballons von ihrer Station, die Hebammen schmücken damit und mit Blumen den Raum, der sonst schwangeren Frauen vorbehalten ist, die frühzeitig Wehen haben.

Eine Hochzeit im Krankenhaus sei normalerweise nur bei lebensbedrohlichen Erkrankungen üblich, erklärt Clemens Teschendorf, Sprecher der Stadtverwaltung. Es gebe immer wieder Wünsche nach besonderen Orten für Trauungen, doch müssten bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit das Prozedere planbar sei. Die aktuelle Entscheidung nennt Teschendorf eine „Ausnahme“ – und das „Resultat ein gutes“.

Am Mittag erscheint die Standesbeamtin und traut das bildschöne Paar im Wehenzimmer, während das ebensolche Töchterchen fest und friedlich ihren ersten Tag auf Erden verschläft. „Tiefenentspannt“ sagt Anke Jürgensen dazu, die als medizinische Fachfrau bei der Trauung dabei sein darf.

Ekaterina hatte es eilig, und auch bei ihren Eltern scheint immer alles ganz schnell zu gehen. Hanna (26), die jetzt auch Tiganasu heißt, habe er erst vor einem Jahr und zwei Monaten kennengelernt, erzählt der Ballettmeister – und zwar im polnischen Poznan. Dort, an der Posener Oper, war die gebürtige Weißrussin als Balletttänzerin engagiert. Er selbst sei dort als Gast aufgetreten. „Meine letzten Jahre als Profitänzer habe ich in Ulm verbracht“, erklärt Catalin Tiganasu. Der gebürtige Rumäne lebt seit 1994 in Deutschland, hat zuvor in Frankreich getanzt und tritt im September seine Stelle als choreographischer Assistent am Schleswig-Holsteinischen Landestheater an. Auch in Flensburg sei er schon einmal knappe drei Monate als Gast gewesen, berichtet er und schwärmt von der freundlichen Atmosphäre im Ensemble. In der Fördestadt zu Hause ist das sympathische Paar gerade mal seit zweieinhalb Wochen.

„Ich kann es immer noch kaum glauben“, entfährt es dem stolzen Vater, und er wirft abwechselnd verliebte Blicke seiner Frau und seiner Tochter zu. „Wie ein Engel“, sagt er dabei und hätte in jedem Fall recht.

 

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erstellt am 06.Feb.2016 | 07:32 Uhr

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