Ferienhausgebiet in Flensburg : Traumgrundstücke in gefährlicher Lage

Gefährlich, wenn’s brennt: Ein Löschwasseranschluss war im Bebauungsplan von 1978 vergessen worden. Jetzt wird nachgebessert.
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Gefährlich, wenn’s brennt: Ein Löschwasseranschluss war im Bebauungsplan von 1978 vergessen worden. Jetzt wird nachgebessert.

Über Jahrzehnte lebten die Nutzer des Ferienhausgebietes Strandfrieden in Flensburg mehr oder minder sesshaft am Fördehang. Und obwohl dort ein Bebauungsplan für Ruhe und Ordnung sorgte, gab es all die Zeit eines nicht: einen Löschwasseranschluss.

shz.de von
07. November 2013, 14:00 Uhr

Flensburg | Einer musste es tun, und in diesem Fall war es Michael Draeger. Der Chef der Kommunalen Immobilien brachte einen Antrag im Finanzausschuss ein, der im wahrsten Sinn des Wortes brandeilig war. Über Jahrzehnte lebten die Nutzer des Ferienhausgebietes Strandfrieden mehr oder minder sesshaft am Fördehang. Und obwohl dort ein Bebauungsplan für Ruhe und Ordnung sorgte, gab es all die Zeit eines nicht: einen Löschwasseranschluss. Das wird jetzt nachgeholt. Unter Hochdruck.

Es geht um eine vergleichsweise läppische Summe. Für knapp 45.000 Euro soll im Ferienhausgebiet ein Löschwasserversorgungsbrunnen gebaut werden. Der Finanzausschuss bewilligte das Geld, denn Draeger hatte auch sehr gute Gründe auf seiner Seite. Ein Pächter der Siedlung nämlich wartet nach Abriss des Altgebäudes auf eine Baugenehmigung für das neue. Und seitdem das Bauordnungsamt ihm diese Genehmigung unter Hinweis auf einen fehlenden Löschwasseranspruch verweigert, sind auch Rechtsanwälte involviert.

Denn es geht um viel mehr als bloß einen Einzelfall. Nach aktuellem Kenntnisstand müssten Bauanträge am Strandfrieden grundsätzlich abgelehnt werden, heißt es in der Vorlage. Und mehr noch: Selbst Nutzungsuntersagungen für alle Siedler seien nicht unwahrscheinlich, weil die Berufsfeuerwehr erklärte, Löscharbeiten im gesamten Bereich seien unmöglich.

Michael Draeger ist bemüht, das Problem schnell zu entschärfen. „Wir arbeiten bereits dran.“ Er weiß: Die Stadt steht in der Pflicht. Zunächst ist laut Brandschutzgesetz die Kommune für die Löschwasserversorgung verantwortlich. Die Stadt hat die ursprünglich wilde Besiedelung auf dem seinerzeit überwiegend privaten Grund durch zwei Bebauungspläne nicht nur nachträglich legalisiert, sie hat auf Basis des B-Plans in den vergangenen Jahren 35 Baugenehmigungen erteilt und damit Vertrauensschutz erzeugt. Also muss sie den Rahmen erneut den Gegebenheiten anpassen. Bis zum Jahresende soll alles fertig sein, kündigt Draeger an. Für die Pächter im Gebiet dürfte sich nichts ändern. Weil die Stadt für die Infrastruktur verantwortlich ist, trägt sie die vollen Kosten – und die Folgekosten: 3865 Euro im Jahr. Demgegenüber stehen Pachteinnahmen von jährlich 60.000 Euro.

Bleibt die Frage, wie ein seit den 60er Jahren wachsendes Ferienhausgebiet ohne Löschwasserversorgung bleiben konnte. Eiko Wenzel, Leiter der Flensburger Bauordnung, weiß auch nicht, warum dieses nicht unerhebliche Detail nicht berücksichtigt wurde, als 1978 das Gebiet mit dem B-Plan 43 ein ordentliches Raster verpasst bekam. Die Unterlassungssünde kam denn auch nur zufällig ans Licht. Nämlich weil die Feuerwehr in einem Antragsfall die Rettungswege begutachtete und feststellen musste, dass nicht nur die Rettungswege nicht vorhanden waren, sondern auch kein Löschwasseranschluss. Das wird jetzt umgehend und auf Kosten der Hannah-Arendt-Schule nachgebessert. Dort muss die Brandschutzsanierung entsprechend günstiger ausfallen. Dafür gibt es dort aber schon Löschwasser.

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