Schwerpunktversorger Diako : Traumazentrum mit Siegel für Norden des Landes

Notfallversorgung Hand in Hand: Dr. Thorsten Lange (4. v.l.) lobt die gute Zusammenarbeit aller im überregionalen Traumazentrum. Foto: dewanger
Notfallversorgung Hand in Hand: Dr. Thorsten Lange (4. v.l.) lobt die gute Zusammenarbeit aller im überregionalen Traumazentrum. Foto: dewanger

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06. Oktober 2010, 06:59 Uhr

Flensburg | Mit ohrenbetäubendem Rauschen und Surren lässt sich der Hubschrauber auf dem Dach des Diakonissenkrankenhauses nieder. Je nach Art der schweren Verletzung des Passagiers darf sich das Gefährt noch beruhigen oder wird die Liege mit dem Patienten sofort die schräge Ebene hinunter in die vierte Etage gerollt. Der Lift bringt Ärzte und Verletzten ins Erdgeschoss der Diako.

Das Traumazentrum dort gilt seit Mai als "überregionales Trauma zentrum" mit Zertifikat. Dieses habe es in einem Prozess von anderthalb Jahren erlangt, weiß Dr. Thorsten Lange, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Flensburg ist damit der dritte Standort dieser Art im Bundeslande, die Diako einzige Klinik neben dem Universitätsklinikum mit Kiel und Lübeck, die derart umfassend und zertifiziert Schwerverletzte behandeln kann.

Struktur und Zeitersparnis nennt Thorsten Lange als wichtige Vorteile der Zertifizierung als beteiligtes Krankenhaus im Traumanetzwerk, deren Grundlage die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie in Gestalt eines Weißbuchs konzipiert hat. "Wir haben uns dazu verpflichtet, jederzeit Patienten aufnehmen zu können", und zwar Schwerverletzte. Dem Notarzt, der in entscheidenden Minuten am Unfallort Entscheidungen fällt, bleibe damit das Abtelefonieren nächstgelegener Kliniken erspart. Ein Blick in den Katalog überregionaler Trauma zentren gibt ihm Gewissheit, dass das Opfer, das nahe des Nord-Ostsee-Kanals einen Wirbelbruch erleidet, in Flensburg in besten Händen ist.

Die Landung eines Hubschraubers auf dem Dach der Diako sei ein untrügliches Zeichen, dass die nun notwendige Behandlung "sehr kompliziert ist und sehr schnell gehen muss", sagt Karl-Heinz Vorwig, kaufmännischer Vorstand der Diako. Eine halbe Million Euro sei investiert worden, beziffert Vorwig. Personell verstärken sechs zusätzliche Ärzte die Aufnahmestation des "Schwerpunktversorgers" und neun Pflegekräfte, ergänzt der Ärztliche Direktor Dr. Christian Peters.

Um 30 Prozent sei die Zahl der "Fluganlandungen" im Vergleich zum Vorjahr (365) mit bereits 409 bis zum Ende des dritten Quartals in diesem Jahr gewachsen; Karl-Heinz Vorwig hält 480 insgesamt für realistisch.

Und dass eben diese Einsätze im Einklang mit Rettungsdiensten, diversen Fachärzten und Allgemeinarzt des Sankt-Franziskus-Hospitals im Klinikverbund wie am Schnürchen liefe, bescheinigten bisherige Rückmeldungen, lobt Lange.

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