Trampedachlager: Fünf von sieben Baracken werden abgerissen

Das alte Barackenlager auf dem Gelände der Marineschule wird voraussichtlich noch in diesem Jahr verschwinden. Nur zwei der sieben Baracken sollen erhalten bleiben.

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09. Mai 2009, 04:59 Uhr

Flensburg | Für die Marineschule ist die Sache klar: "Zwei Baracken bleiben erhalten", stellt Kapitänleutnant Dirk Brüne fest, "die Frage ist nur noch, welche zwei." Brüne ist seit 1995 für die Infrastruktur der Marineschule zuständig und koordiniert seit 1995 die umfangreichen Bau- und Sanierungsarbeiten, die 2010 zum 100. Geburtstag der "Burg" im historischen Kernbereich abgeschlossen sein sollen.

Fünf der im Rat der Stadt vertretenen Parteien hingegen möchten das gesamte Lager als zeitgeschichtlich bedeutendes Ensemble erhalten wissen. "Dieses für die Geschichte Flensburgs und des 20. Jahrhunderts wichtige Kulturdenkmal muss erhalten bleiben und sollte für die Öffentlichkeit didaktisch aufbereitet und museal genutzt werden", heißt es in einem unlängst diskutierten Antrag. Das Trampedachlager sei ein einzigartiges Zeugnis der jüngeren deutschen Geschichte, insbesondere der Aufrüstung im "Dritten Reich" sowie der Integration der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dirk Brüne sieht die Sache eher pragmatisch: Die Baracken seien baufällig und dringend sanierungsbedürftig, enthalten Asbest, werden nicht mehr gebraucht und seien öffentlich nicht zugänglich, da sie auf dem Gelände der Schule und damit in einem militärischen Sicherheitsbereich liegen. Ein weiterer wichtiger Grund: "Wir benötigen die Flächen für die militärische Grundausbildung der Offiziersanwärter."

Für ihn und die Leitung der Marineschule stelle sich nur noch die Frage, ob die Baracken 1 und 2 oder 4 und 5 erhalten bleiben. Grundlage hierfür sei ein Gespräch zwischen der Marineschule, der Wehrbereichsverwaltung Nord, der Stadt Flensburg und dem Landesamt für Denkmalpflege im November 2008. Die Schule plädiert für 1 und 2, weil sie derzeit noch genutzt werden und im Vergleich zu den anderen Baracken in einem deutlich besseren Zustand sind, die Stadt hätte lieber 4 und 5, weil sie den Ensemble-Charakter besser verdeutlichen. "Die Entscheidung fällt der Führungsstab der Marine zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege", so Brüne.

Nach seinen Beobachtungen halte sich das Interesse der Öffentlichkeit an dem Lager in Grenzen. "Das merken wir an Tagen der offenen Tür. Für die Baracken interessieren sich nur die Zeitzeugen." Und die werden immer weniger.

Doch genau das ist für die Politik der Grund, das Lager zu erhalten. "Die Begegnung mit originalen Geschichtszeugnissen wird umso wichtiger, je weniger lebende Zeitzeugen der heutigen und den nachfolgenden Generationen Auskunft geben können", heißt es im Antrag der fünf Fraktionen.

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