Marienautal in Flensburg : Tragischer Tod eines Taurus-Bullen

Fassungslos kniet Olaf Nowacki an dem mächtigen Körper des fünf Jahre alten Stieres. Das Tier  ist   eine  Stunde zuvor tot zusammengebrochen.
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Fassungslos kniet Olaf Nowacki an dem mächtigen Körper des fünf Jahre alten Stieres. Das Tier ist eine Stunde zuvor tot zusammengebrochen.

Olaf Nowacki aus Flensburg hat zwei seiner wertvollsten Rinder verloren. Bulle „Lopio“ wurde vergiftet - genauso wie einer seiner Nachkommen.

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14. November 2013, 07:15 Uhr

Flensburg | „Ich habe ihn sterben sehen.“ Immer wieder muss Olaf Nowacki von den bitteren Minuten erzählen, in denen er zwei seiner wertvollsten Rinder verlor. Darunter den stattlichen Zuchtbullen „Lopio“ – eine Nachzüchtung des Auerochsen – , den er vor Jahren für viel Geld erwarb und an dem sein Herz hing. Er wurde vorgestern genauso vergiftet wie einer seiner Nachkommen – eine einjährige, trächtige Kuh. Die Augen des Flensburgers blicken ins Leere, für ihn ist es eine Katastrophe.

Dienstag, 14.30 Uhr. Olaf Nowacki stapft durch das feuchte Gras, die Weide am Friedensweg ist das Reich seiner vier Rinder. Die zweite Fütterung des Tages steht bevor. Doch ein Tier fehlt. „Ich dachte zunächst, es sei ausgebrochen“, sagt der Tiefbauer, der die vier Hektar große Weide gepachtet hat. Dann offenbart sich das Drama. Nowacki entdeckt das Jungtier, das sich bester Gesundheit erfreute, tot am Boden liegen. Sofort vermutet er eine Vergiftung.

Und tatsächlich: Als er an den Rand eines benachbarten Waldgrundstücks eilt, bemerkt er Grünabfälle, die über den elektrisch geladenen Zaun geworfen worden sind. Eiben, Lebensbaum, Lorbeer. Für die Rinder das reinste Gift. Der Blick des 64-Jährigen wandert zu dem verendeten Tier. Der mächtige, schwarze Taurus-Bulle – eine sehr seltene Rasse – schnüffelt an dem Leichnam. Dann legt sich der 1,2 Tonnen schwere Körper auf die Seite, „Lopio“ streckt ein Bein in die Höhe, beginnt zu zittern. Dann fällt der Kopf zur Seite. Exitus!

Olaf Nowacki ist zutiefst schockiert. Er alarmiert Polizei, Amtstierarzt, den Tierschutz. Und beginnt zu grübeln. War Vorsatz im Spiel? Will ihm jemand schaden. Vor drei Wochen, fährt es ihm durch den Kopf, hat jemand versucht, eine Scheune auf einem seiner anderen Grundstücke anzuzünden.

Er berät sich mit Nachbarn und Freunden. Blankes Entsetzen auch dort. Einige weinen. Unter ihnen zwei junge Mädchen, deren Pferde auf einer Koppel Nowackis stehen. „Unendlich traurig“, sagt Sara, „Lopio war einzigartig.“ Ihre Freundin ergänzt. „Jeder, der hier vorbeikam, war fasziniert von diesem großen Stier.“

Keine drei Stunden später: Ein Anwohner marschiert in Richtung der Grünabfälle, die der Pächter bereits zurück in den Wald geworfen hat. Er wirkt blass. „Was ist passiert?“, fragt er. Danach sagt er erst einmal gar nichts mehr. Doch er denkt nicht eine Sekunde daran, zu leugnen, was er getan hat. Er habe angenommen, gibt er glaubhaft zu, es sei eine Tanne, die er über den Zaun warf. Er habe den Tieren etwas Gutes tun wollen.

Dann schlägt er die Hände vors Gesicht. Realisiert die Folgen seines Fehlverhaltens. „Es tut mir so leid“, bricht es aus ihm heraus.

Was nun? Für Olaf Nowacki bleibt neben der Trauer und einem Schaden von etwa 7000 Euro eine wesentliche Erfahrung – von Anteilnahme und Hilfsbereitschaft. „Dafür bin ich sehr dankbar.“ Seine Botschaft: „Gartenabfälle haben auf einer Weide nichts zu suchen. Fremde Tiere sollte man prinzipiell nicht füttern.“ Und er weiß es die Ehrlichkeit des Nachbarn zu schätzen: „Er hat“, sagt Nowacki, „meine Tiere aus Unwissenheit vergiftet.“

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