Trollseeturm Flensburg : Traditionen zum Tag der Toten

Farbintensive Malerei von Bente Sloth Møller.
Farbintensive Malerei von Bente Sloth Møller.

Odins Erben und der Día de los Muertos – neue Ausstellung im Kulturturm

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18. September 2017, 12:44 Uhr

Leuchtendes Orange, kräftiges Grün und intensives Lila begegnen dem Besucher in Bente Sloth Møllers Gemälde „Mexican History“. Auf den ersten Blick fallen eine mumifizierte Frida Kahlo, Maispflanzen, Lilien und Symbole der Völker Mexikos ins Auge, bei genauerer Betrachtung lassen sich noch Fäden erkennen, die sich wie Wurzeln von oben nach unten durch das ganze Bild schlängeln. „Alles hängt zusammen“, erklärt die Künstlerin. In der mexikanischen Kultur gelte das ganz besonders, da die alten Traditionen heute noch bewusst gelebt werden.

Was passiert, wenn eine dieser Traditionen, der Tag der Toten, auf die nordische Mythologie trifft, kann man noch bis zum 1. Oktober in der Ausstellung „Odins Erben und der Día de los Muertos“ im Kulturturm am Trollseeweg sehen. Elf Künstler aus Dänemark, Deutschland, Mexiko, der Schweiz und Südafrika beschäftigen sich seit 2015 mit dem Zusammenspiel zwischen dem Totenkult Skandinaviens und einem jährlichen, mexikanischen Fest, das mit Tanz, Blüten und vielen Farben die die Erinnerung an die Toten lebendig hält.

Eröffnet wurde die Ausstellung von Aase Nyegaard, der Vizebürgermeisterin Sonderburgs, die begeistert ist von so einer Vielfalt. „Kunst kann wirklich zusammenknüpfen“, sagt sie. Und: „Alle können und müssen das genießen.“ Ihre Hoffnung sei es, dass es noch mehr solche Projekte in der Region gebe und die Zusammenarbeit vielleicht sogar noch internationaler werde, denn schon diese Ausstellung sei fantastisch, so Nyegaard. Und mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Die können was in Mexiko!“

Um in die ungezwungene Atmosphäre der mexikanischen Kultur einzuführen, trat die Band „Bola Suriana“ mit Folkloremusik auf. In Hemden mit bunten Stickbordüren spielten die sechs Musiker nicht nur auf der Gitarre, Violine und Querflöte, sondern auch auf Trommeln und Panflöten. Begeistert sangen sie dazu und tänzelten leichtfüßig hin und her.

Beim Aufstieg über die abgewetzten Stufen leuchten die Kunstwerke von den unverputzten Wänden. Alvaro Abreus Bilder, die Namen wie „Fantasietiere“ oder „Vögel“ tragen, sind geprägt von intensiven Farben. Installationen wie jene von Georgina Hermosillo Jensen entführen den Besucher tief in die Tradition des Día des los Muertos, denn hier werden Ofrendas, traditionelle Totenaltäre oder Gabentische, Blumen- und Kerzenarrangements präsentiert.

„Der Tod ist nicht unbedingt das Ende“, so Bente Sloth Møller, und wenn man, überwältigt von der Farbenpracht, den vielfältigen Gesichtsbemalungen und der Intensität des Totenkults am Schluss der Ausstellung angekommen ist, weiß man genau, was sie damit meint.

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