Wochenmarkt Flensburg : „Touristische Keule“ ist unangemessen

Wochenmarkt im Schatten der Nikolaikirche – schon bald kommt der Weihnachtsmarkt.
Wochenmarkt im Schatten der Nikolaikirche – schon bald kommt der Weihnachtsmarkt.

Verein „Feinheimisch“ nimmt Stellung zur aktuellen Wochenmarkt-Diskussion / Schon 3600 Unterschriften enttäuschter Kunden

von
07. November 2017, 06:22 Uhr

„Wir sind die Lobby, wir sind wie ein ganzes Dorf, das hinter seinem Wochenmarkt steht!“ Das sagt Marit Magnus-Johannsen, eine Stammkundin seit Jahrzehnten und einer von 3600 Menschen, die inzwischen den Aufruf unterschrieben haben, den Markt auch in der Weihnachtszeit auf dem Südermarkt zu erhalten. Doch das wird nichts – zumindest in diesem Jahr nicht mehr.

Wie berichtet, wird der Wochenmarkt nach dem Willen der Stadt und der Tourismus-Agentur Flensburger Förde am 18. November das vorletzte Mal in diesem Jahr auf dem Südermarkt stattfinden, bevor er vom Weihnachtsmarkt (Eröffnung am Montag, 27. November) abgelöst und sich über die Große Straße verteilt wiederfinden wird. Laut Stadtsprecher Clemens Teschendorf habe man zu diesem Zweck nochmals Gespräche mit allen Interessengemeinschaften der Innenstadt-Kaufleute und dem Verein der Marktbeschicker geführt und Fragen nach Standplätzen sowie der Logistik des Auf- und Abbaus erörtert. Die Stände rund um die Weihnachtspyramide werden am 29. Dezember abgebaut, einen Tag später soll alles wieder seinen gewohnten Gang gehen. „Ich glaube“, macht Teschendorf Mut, „dass wir auf einem guten Weg sind.“

Doch Marit Magnus-Johannsen insistiert und moniert mangelnde Einwohnerbeteiligung. Der Kundenstamm sowie die Händler seien schlicht übergangen worden. Sie hat eine entsprechende Anfrage an die Stadt gestellt. In der Antwort heißt es, dass die Beteiligung von Bürgern bei politischer Entscheidungen erwünscht sei. Im vorliegenden Fall aber sei die Maßnahme mit Bezug auf ordnungsrechtliche Aspekte im Rahmen der geltenden Satzung erfolgt. „Die Standortverlagerung ist somit laufendes Verwaltungshandeln.“

Das ist für Marit Magnus-Johannsen nur bedingt nachvollziehbar. Ihre Frage: „Unterliegt Verwaltung nicht auch demokratischen Spielregeln?“ Sie sieht eine breite Mehrheit von Bürgern, die einer guten Nahversorgung, kurzen Transportwegen von Waren aus der Region und Direktvermarktung eine hohe Priorität einräumen. „Der Mikrokosmos rund um den Markt ist zudem für die Belebung der Innenstadt auch im Advent ein entscheidender Faktor!“

Sie hat in dieser Angelegenheit verschiedene Marktgilden und auch den Verein „Feinheimisch“ mit Sitz in Kiel eingeschaltet, der sich für den Erhalt der regionalen Kulinarik, Koch- und Esskultur einsetzt. Dessen Sprecher Wolfgang Götze registriert seit geraumer Zeit eine Verdrängung der Wochenmärkte von traditionellen Standorten in ganz Schleswig-Holstein. „Das ist eine bedenkliche Entwicklung.“

Ökonomisch seien die Märkte für die Beschicker die wichtigste Säule zur Absicherung ihrer Betriebe und trügen dazu bei, der drohenden Verödung der Innenstädte entgegenzuwirken. Die „touristische Keule“ als Begründung für die Verlegung hervorzuholen, sei zu kurz gedacht. Seitens Politik und Verwaltung, so Götze, sei mehr Transparenz, Beteiligung und Kreativität gefordert. Letztlich gehe es um eine langfristig gesicherte Koexistenz der Märkte. „Man muss mit den Menschen reden – und zwar rechtzeitig. Also sollte man sich schon jetzt Gedanken machen, wie man das Problem im nächsten Jahr lösen will.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen