Flensburg : Tourismus-Streit: Fjord oder Förde?

Die Touristinformation an der Roten Straße – Sitz der Tourismus Agentur Flensburger Förde GmbH (Taff).
Foto:
Die Touristinformation an der Roten Straße – Sitz der Tourismus Agentur Flensburger Förde GmbH (Taff).

Differenzen zwischen Flensburg und Glücksburg: Es knirscht schon zum Start der gemeinsamen Tourismus-Organisation „Taff“.

Gunnar Dommasch von
06. Januar 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Es gibt norwegische Fjorde zuhauf, es gibt den Fjord Line Express von Hirtshals nach Kristiansand oder ein Fjord Hotel in Berlin. Es gibt Fjordboote, Fjordhütten und Fjordpferde; auf CD gebannte Fjord Songs, einen gleichnamigen Thriller von Halvard Beck und das Hörbuch „Ein Mann, ein Fjord!“, dem Hape Kerkeling seine Stimme leiht. Es existiert sogar, einen Steinwurf entfernt, die Touristeninformation Ostseefjord Schlei. Und in Flensburg? Wurde die Fjord Tourismus GmbH (FFT) zu Grabe getragen.

Die Gesellschaft mit dem Fjord im Namen wird, wie berichtet, bis zum Jahresende abgewickelt. Bis dahin soll sich der Begriff „Taff“ (Tourismusagentur Flensburger Förde) als lokale Tourismus-Organisation für den Raum Flensburg, Glücksburg, Harrislee und Langballig etabliert haben. Taff, genau – wie das Lifestyle-Magazin des Privatsenders ProSieben. Und damit wäre der Fjord futsch.

Ausgerechnet in Flensburg an der schönen Förde, wo man sich längst mit dem Namen Fjord angefreundet hat. Das findet auch der Marketingbeirat von „Taff“, der den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung von FFT berät, nicht in Ordnung. Und deshalb wird allerorten noch einmal gründlich über eine tragfähige und alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung debattiert.

Zu den schärfsten Taff-Kritikern gehört Walter Braasch. Der Kaufmann ist Flensburger aus Leidenschaft und war von 2003 bis 2008 bis IHK-Präsident. Er ist der Meinung, dass der Begriff Fjord als eingeführte Marke keinesfalls aus der touristischen Vermarktung der Region eleminiert werden dürfe. Die Namensgebung „Taff“ hält er für obsolet.

Ähnlich äußert sich Frank Markus Döring, Ex-Aufsichtsratsvorsitzender der in Liquidation befindlichen FFT. Das Wort Fjord sei dem Anliegen, eine Tourismusorganisation über die Grenze hinweg zu erhalten, durchaus dienlich. „Es sollte für Werbung und den öffentlichen Auftritt allgemein erhalten bleiben und so den grenzüberschreitenden Charakter dokumentieren“, meint Döring. Der Name der Gesellschaft selbst sei eher zweitrangig. „Grundsätzlich ist zunächst einmal zu begrüßen, dass sich vier Kommunen nunmehr zusammengeschlossen haben.“ Langfristig solle man jedoch noch größer denken, findet Döring. „Mir schwebt eine Einheit des gesamten Ostseeraums vor, also Flensburg, der Kreis Schleswig-Flensburg sowie die Region Sonderburg und Apenrade.“

Taff-Geschäftsführer Gorm Casper hatte unlängst erklärt, dass er sich nach der (nachvollziehbaren) Kritik des Marketingbeirats eine Marke à la „Flensburg Fjord Ostsee“ vorstellen könne. Das verspreche Nähe zu Dänemark, die Küstenlandschaft Förde und eine Ostseelage außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns. Sein Vorgänger Finn Jensen sagt: „Taff ist ein Kunstbegriff, der, wenn überhaupt, für die Binnenkommunikation genutzt werden kann.“ Mit dem Wort Fjord assoziiere jeder etwas skandinavisch Positives. „Es dient in den Quellmärkten definitiv als Steigbügel für eine Reiseentscheidung. Dazu wird es Taff niemals bringen.“

Wie nicht anders zu erwarten, haben die Äußerung Caspers in Glücksburg wenig Begeisterung hervorgerufen. Dort vertritt man die Ansicht, dass die Flensburger Förde – wie etwa die Schlei und die Kieler Förde – kein Fjord, sondern eben eine Förde sei. Die Politiker dort hatten sich daher auch für den Begriff „Förde“ im Namen der neuen Lokalen Tourismus-Organisation (LTO), also der „Tourismus Agentur Flensburger Förde“ (Taff) ausgesprochen. „Ich gehe davon aus, dass eine Umfirmierung oder eine Marke mit der Bezeichnung Fjord hier keine Zustimmung finden wird“, sagt Stadtvertreter Burkhard Repenning. Er persönlich sehe die Assoziation „Fjord“ als Vortäuschung falscher Tatsachen – „vergleichbar damit, wenn die Hüttener Berge als Alpen bezeichnet würden“. Die von Gorm Casper vorgetragenen Gründe für „Fjord“ seien an den Haaren herbeigezogen. „Das ist Unfug.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen