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Flensburger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 02:13 Uhr

Grossenwiehe : Totgesagte schreiben länger

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wegen einer Anzeige hielt der Verlag von Anneliese Jenni Thomsen die Autorin für tot.

Großenwiehe | „Wer nicht mit den Wölfen heult“ lautet der Titel des Buches von Anneliese Jenni Thomsen, das der „novum pro Verlag“ im Jahre 2011 herausbrachte. Das Werk wurde sogar ins Spanische übersetzt. Eigentlich war alles bereitet für einen erfolgreichen Start des Buches. Doch wegen einer Erkrankung musste die Autorin kurz nach Erscheinen des Buches ihre weitere Mitarbeit absagen. Diese jedoch ist bei dem Verlag, der sich auf Neuautoren spezialisiert hat, Bedingung für den Vertrieb eines Werkes. Dazu gehören auch Auftritte bei Buchmessen und vor allem öffentliche Lesungen, an denen sich Thomsen nicht beteiligen konnte. Nach ihrer Gesundung wollte sich die Autorin beim Verlag melden – die ließ aber mehrere Jahre auf sich warten.

Einige Monate nach Thomsens Rückzug auf Zeit erschien im Flensburger Tageblatt eine Traueranzeige für „Anneliese Thomsen“. Der österreichische Verlag bekam von der Anzeige Kenntnis und dort hielt man den Namen Anneliese Thomsen für so einzigartig, dass man vom Ableben der Autorin ausging – und gar nicht auf die Idee kam, es könnte sich um jemanden anderen handeln.

Anneliese Jenni Thomsen ihrerseits machte sich während dieser Zeit keine Gedanken um ihr Buch und ausbleibende Honorarzahlungen – sie hatte mit der Wiederherstellung ihrer Gesundheit genügend zu tun.

Heute geht es der 79-Jährigen wesentlich besser und sie arbeitet seit einiger Zeit an der ihrem vierten Buch. Wieder zu Kräften gekommen, meldete sie sich jetzt, nach sechs Jahren, bei ihrem Verlag. Dort war man zunächst sehr überrascht und dann erfreut, dass es sich bei ihrem vermeintlichen Ableben um einen großen Irrtum handelte. „Totgesagte leben länger“, sagt die Autorin. Sie und der Verlag kamen schnell überein, den Titel „Wer nicht mit den Wölfen heult“ mit einem neuen Cover noch einmal aufzulegen.

In diesem autobiografischen Roman erzählt Thomsen die Geschichte der Bäuerin Gitte, die alles, was sie liebte, verlor und trotzdem nicht verzweifelte. Sie beschreibt ihren Kampf um die wirtschaftliche Existenz „im juristischen Dschungel des Rechtsstaates“, wie sie es ausdrückt. Bei Lesungen will sie in der nächsten Zeit ihren Roman vorstellen.

Die Autorin ist erstaunt, welchen Weg ihr Buch „Wer nicht mit den Wölfen heult“ in der Zwischenzeit zurückgelegt hat. Die spanische Version wird mittlerweile sogar in den USA angeboten. Ihr Mann habe zeitlebens mit ihr einmal nach Las Vegas reisen wollen, doch daraus sei leider nie etwas geworden, sagt Thomsen. Aber ihr Buch habe es bis dahin geschafft, meint sie zufrieden. Damit habe sich für sie ein Lebenskreis geschlossen.

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