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Bürgereinsatz : Toosbüystraßen-Anlieger retten Japan-Kirsche

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Über 50 Jahre alter Baum darf stehen bleiben – Bürgerprotest in der Toosbüystraße hat Erfolg

Totgesagte leben länger. Die für sterbenskrank erklärte japanische Kirsche, für Anwohner eine Art Wahrzeichen der Toosbüystraße, darf weiterleben. Bürger waren gegen die geplante Fällung vehement zu Felde gezogen – mit Erfolg.

Heinz Behrens ist einer der Protagonisten des Protests. Der 58-Jährige betreibt eine Polsterei in der Toosbüystraße, mit Blick auf den prächtigen Baum, der unlängst noch in voller Blüte stand. Mitte März waren Männer mit der Säge angerückt, um aus der Kirsche Kleinholz zu machen. Laut Expertenmeinung, so hieß es, sei der Baum krank und nicht zu retten. Er sei von Pilzbefall schwer beeinträchtigt und werde nur noch eine letzte Notblüte austreiben. Zudem steht er der geplanten Sanierung und Verschönerung der Straße offensichtlich im Weg. Denn der Bürgersteig soll verbreitert, eine neue Mauer errichtet werden. Bei den Grundierungsarbeiten, so äußerte sich Helmut Pagel vom städtischen Sanierungsträger seinerzeit, sei die Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet. Ergo: Die Zierkirsche könne nicht gehalten werden.

Doch Aktivisten waren schnell auf den Plan gerufen, stellten sich schützend davor, bestellten einen Gutachter und sammelten binnen kürzester Zeit 250 Unterschriften für den Erhalt. Darüber hinaus gab es erste Bedenken von politischer Seite.

So viel Widerstand beeindruckte die Behörden. Man einigte sich auf ein Krisengespräch im Rathaus. „Das lief friedlich und entspannt. Wir waren ja nicht auf Krawall aus“, sagt Heinz Behrens. Die Strategie Kooperation statt Konfrontation erwies sich als goldrichtig.

„Wir haben die Proteste erhört – der Baum darf stehen bleiben“, bestätigte Stadtsprecher Clemens Teschendorf gegenüber unserer Zeitung. Daneben wolle man acht weitere japanische Kirschbäume pflanzen, keine zarten Bäumchen, sondern stattliche, bis zu drei Meter hohe Exemplare mit breiter Krone.

Der von den Bürgern beauftragte Sachverständige werde die Entwicklung kontinuierlich im Blick behalten. „Außerdem werden wir bei den Bauarbeiten behutsam mit dem Wurzelwerk umgehen“, verspricht Teschendorf. Sollte sich jedoch abzeichnen, dass die Standfestigkeit oder Verkehrssicherheit gefährdet sei, müsse man nolens volens zur Tat schreiten. Den Zeitpunkt wolle man jedoch so weit wie möglich hinauszögern.

Der Verwaltungssprecher rückt im gleichen Atemzug eine ursprünglich gemachte Behauptung gerade: „Der Baum ist nicht krank“, stellt er fest, „sondern alt.“

 

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erstellt am 21.Mai.2014 | 12:25 Uhr

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