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Flensburger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 06:04 Uhr

Steinbergkirche : Toleranz als oberstes Gebot

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Junge Islam Konferenz“ auf dem Scheersberg: Die Teilnehmer tauschen sich aus über das Leben in einer demokratischen und pluralen Gesellschaft.

Steinbergkirche | „Wir haben unsere Erfahrungen ausgetauscht, unser Wissen vermehrt und Freunde gefunden“, sagt der 22-jährige Ahmad Sajjad Haqpana, ein seit zwei Jahren in Schleswig lebender Afghane. Er hat zwar immer noch kein Bleiberecht zugesprochen bekommen, doch als Laborassistent bereits ein Praktikum im Flensburger Diako-Krankenhaus absolviert. „Man hat mir gute berufliche Chancen eingeräumt, die ich auch nutzen möchte“, ergänzt Ahmad. Auf dem Scheersberg gehörte er zu den 34 Teilnehmern der „Jungen Islam Konferenz“ (JIK), die drei Tage lang gesellschaftspolitischen Fragen nachgingen, ihre Meinungen vortrugen und sich mit ihren eigenen Perspektiven und Träumen beschäftigten. Bei allen jungen Teilnehmern – ob mit oder ohne muslimischen Migrationshintergrund – war der Toleranzgedanke das Leitbild.

Dies bestätigt auch die 19-jährige Dana Nguyen aus Flensburg, die eine deutsche Mutter hat und deren Vater ursprünglich aus Vietnam stammt. „Ich arbeite im Bundesfreiwilligendienst im Flensburger Einwanderungsbüro mit und bin deshalb an den Problemen dicht dran“, berichtet die junge Deutsche. Vor allem die zunehmende Islam-Feindlichkeit „von rechts“ hält sie für eine erhebliche Bedrohung innerhalb der Gesellschaft. Es sei dringend geboten, Diskriminierung und Rassismus zu bekämpfen.

Der Scheersberger Projekt-Koordinator Malte Morische betont: „Jede Aussage zählt“. Und er ergänzt: „Als Teil einer demokratischen und pluralen Gesellschaft sind vielfältige Ansichten und Kompetenzen das Zahnrad, welches die Junge Islam Konferenz in Bewegung hält.“

Die 17- bis 25-jährigen Teilnehmer der JIK sollen als Multiplikatoren agieren, die ihren im Dialogforum erzielten Wissensgewinn für den Aufbau eines speziellen Netzwerks in etlichen Regionen Schleswig-Holsteins nutzen werden. Ahmad ist für diesen Gedanken schon Feuer und Flamme: „Ich bin ja der einzige Teilnehmer der Konferenz aus Schleswig, aber zu Hause werde ich allen aus meiner Gruppe von den wichtigen Ergebnissen berichten.“

Sieben Teamer und Mitarbeiter waren in die Arbeit im Jugendhof eingebunden, darunter mit Vorträgen, in Diskussionen und beim Rollenspiel. Wegen der hohen Bedeutung der JIK waren alle von einer Teilnehmergebühr im Jugendhof befreit.

Bei dieser Initiative handelt es sich laut Morische um ein Projekt der forum k&b gmbh und der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit dem Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein, gefördert durch die Stiftung Mercator und das Ministerium für Justiz, Kultur und Europa. Wissenschaftlich begleitet wird das Dialogforum, das auf vier Jahre ausgelegt ist, durch die Forschungsgruppe „Junited“ im Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bildungsträger für diese Schleswig-Holstein weite Initiative ist die Internationale Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg.

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