Mittelangeln : „Töten darf kein Lernangebot sein“

Abendliche Stimmung an der Schlei: Im vergangenen Sommer konnten viele Gäste dieses eindrucksvolle Szenario erleben.
Abendliche Stimmung an der Schlei: Im vergangenen Sommer konnten viele Gäste dieses eindrucksvolle Szenario erleben.

Peta kritisiert die Angel-AG des Bernstorff-Gymnasiums in Satrup.

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18. Januar 2017, 09:00 Uhr

Satrup | Sind die Teilnehmer der Angel-Arbeitsgemeinschaft am Bernstorff-Gymnasium in Satrup allesamt Tierquäler? Die Tierrechtsorganisation Peta jedenfalls behauptet das. Die Pressestelle der Organisation in Stuttgart hat in dieser Woche unter dem Titel „Töten von Lebewesen darf kein Lernangebot sein“ eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der die Schule aufgefordert wird, ihre Angebote tier- und kinderfreundlich zu gestalten. In der Satruper Angel-AG würden Kinder lernen, wie man friedliche Tiere mit einem Köder anlockt und ihnen einen Haken durch den „Mund“ bohrt. In einem Schreiben an die Schule hatte Peta gefordert, die Arbeitsgemeinschaft zu beenden und durch ein Angebot zu ersetzen, um die natürliche Empathie zu fördern, statt zu unterdrücken. Dafür werde man auch Informationsmaterial zum Thema Fische bereitstellen.

„Die Schule hat einen Lehrauftrag und sollte Kinder und Jugendliche für andere Lebewesen sensibilisieren“, wird Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere, zitiert. Im Angelunterricht hingegen werde den Kindern ihr natürliches Mitgefühl abtrainiert. Könnten Fische schreien, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei eine Aktivität für Schüler.

Schulleiterin Dr. Barbara Langlet-Ruck nimmt die Forderungen relativ gelassen hin, sieht sich und ihre Schüler dennoch ein wenig tyrannisiert, wie sie selbst sagt. „Wir haben auf das erste Schreiben nicht reagiert – vielleicht legt die Organisation deshalb jetzt nach“, vermutet die Schulleiterin, die keinen Grund sieht, die Arbeitsgemeinschaft zu beenden. Sie verweist zudem auf ein Dossier zur Angel-Arbeitsgemeinschaft, in dem fachliche und pädagogische Ziele niedergelegt sind. Die AG gibt es seit dem Schuljahr 2014/15, und sie wird in der Mittelstufe im Rahmen der Offenen Ganztagsschule angeboten. Zu den fachlichen Zielen gehört der „verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und dem Tier, das Lernen verschiedener Angeltechniken, die Verwertung der gefangenen Fische und letztlich der Landesfischereischein. Darüber hinaus ist das Angebot als alternative Freizeitbeschäftigung zum Computer gedacht, die Teilnehmer sollen zur Ruhe kommen, Konzentration sowie Respekt und Akzeptanz gegenüber Mitanglern und der Natur entwickeln.

Dass gerade dies erreicht werden kann, bestreitet Peta – und befürchtet genau das Gegenteil. Die Organisation wurde 1980 in den USA gegründet und soll weltweit rund drei Millionen Unterstützer haben. Der Name ist eine Abkürzung des Mottos „People for the Ethical Treatment of Animals“ (Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren) und kämpft unter anderem gegen Massen- und Pelztierhaltung, gegen die Fleischindustrie, aber auch gegen das Angeln und die Trophäenjagd. Weltweit bekannt ist die Organisation für ihre spektakulären Kampagnen und verdeckten Ermittlungen. So ließen sich beispielsweise Naomi Campbell und andere Super-Models nackt fotografieren, um gegen das Tragen von Pelzen zu demonstrieren. Auch wurden Flyer an Kinder verteilt – mit der Zeile „Dein Papa tötet Tiere“ und dem Comic eines Mannes, der einen Fisch ausnimmt.

Auch regt Peta Namensänderungen an, wenn diese nach Meinung der Organisation die Ausbeutung von Tieren andeuten. 2003 kam der Vorschlag, Hamburg solle sich in Veggieburg umbenennen, da der alte Name „Bilder von ungesunden Bratlingen aus zermahlenen toten Rindern“ heraufbeschwöre. Im Rahmen dieser Aktion war Peta auch im Kreis Schleswig-Flensburg tätig. Die Kritik richtete sich damals gegen den Landschaftsnamen Angeln.

Frank Bobzien leitet die Angel-AG mit zwei Kollegen. Mit Peta selbst will er sich nicht auseinandersetzen, aber er ärgert sich über die Anwürfe. „Uns als Pädagogen geht es in erster Linie um die Menschen“, sagt er, „und die Jugendlichen in der AG, Natur, Tiere und Zusammenhalt.“ Nicht das Fangen der Fische stehe im Vordergrund, sondern das Gesamterlebnis. „Aber wir angeln auch, töten die Fische, nehmen sie aus und essen sie. So wie es Menschen seit Urzeiten getan haben.“ Die Angel-AG sei für Peta eigentlich die falsche Adresse. „Wenn es um Proteste gegen quälerische Tiertransporte geht, bin ich dabei. Aber in unserem Fall liegt Peta nach meiner Meinung weit daneben.“

Standpunkt

Es ist heute wichtiger denn je, sich für den Schutz von Natur, Menschen und Tieren zu engagieren. Die Gier nach Geld hat  zu erschreckenden Auswüchsen geführt. Die sind in den Urwäldern Südamerikas, in indischen Steinbrüchen und auch in Europa im Umgang mit männlichen Hühnerküken aufs Drastischste zu beobachten.

Peta hat sich dem Wohl von Tieren verschrieben und verfolgt ihre Ziele mit drastischen und gern auch öffentlichwirksamen Aktionen. Schließlich finanziert die Organisation sich aus Spenden – und die Unterstützer wollen für ihr Geld ja etwas geboten bekommen.

Nun aber die Teilnehmer der Angel-AG durch geschickte Formulierungen in die Nähe von „Tier-Mördern“ zu rücken, geht eindeutig zu weit.

In Satrup wird ein schonender Umgang mit Natur und Tier gelehrt und ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt. Und das Angeln gehört seit Tausenden von Jahren zur Überlebensstrategie der Menschen.

Aber da geht Peta keine Kompromisse ein. Wer Tiere tötet, ist für die Aktivisten gefühlskalt. Bei einer solchen Haltung ist es durchaus zulässig, Peta als fundamentalistische Organisation zu bezeichnen.

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