Tat im Bahnhof Flensburg : Tödliche Schüsse im IC: Polizistin half Mann aus Eritrea vor Messerangriff

Der Intercity 2406 aus Köln steht am Gleis 1 im Flensburger Bahnhof.

Der Intercity 2406 aus Köln, in dem sich die blutige Tat ereignete, steht am 30. Mai auf dem Gleis 1 im Flensburger Bahnhof.

Nach einem Bericht des NRW-Innenministeriums war der 24-Jährige an seinem Wohnort Recklinghausen mehrfach auffällig.

shz.de von
05. Juli 2018, 13:46 Uhr

Düsseldorf/Flensburg | Der Mann aus Eritrea, der Ende Mai im Zug nach Flensburg nach einer Messerattacke von einer Polizistin erschossen wurde, ist in seinem Wohnort in Recklinghausen durch aggressives Verhalten aufgefallen. Er sollte auch psychiatrisch untersucht werden. Das geht aus einem Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministeriums an den Düsseldorfer Landtag hervor. Hintergrund sind Aussagen eines Arztes und eines Nachbarn des 24-Jährigen.

Vor der Messerattacke im Zug am 30. Mai habe die Polizistin ihm geholfen, eine neue Verbindung zu finden, da er wohl nach Kiel fahren wollte, aber den Umstieg verpasst hatte, heißt es in dem Bericht. Er hatte dann auf der Fahrt von Tarp nach Flensburg die uniformierte Polizistin (22) und einen ihr zur Hilfe gekommenen Mitreisenden mit dem Messer verletzt. Schließlich schoss die Polizistin mit ihrer Dienstwaffe und verletzte den Angreifer tödlich.

Dem Ministeriumsbericht zufolge hatten die Sicherheitsbehörden den Eritreer weder als „relevante Person“ noch als Gefährder eingestuft. Ein Arzt habe ihm eine „gewisse Aggressivität“ bescheinigt. Gut drei Wochen vor seiner Attacke von Flensburg, am 6. April, wurde er wegen Körperverletzung angezeigt, weil er einem im gleichen Haus wohnenden Zuwanderer in die Hand gebissen habe. „Der Geschädigte äußerte, dass der Tatverdächtige durch den Krieg in seiner Heimat traumatisiert wurde und deshalb wiederholt zu unvermittelten Gewaltausbrüchen neige“, heißt es. Schon im Februar sei er aggressiv gewesen und habe den Nachbarn mit einem Messer bedroht.

Die Flüchtlingshilfe der Caritas habe mitgeteilt, es werde eine psychiatrische Untersuchung veranlasst. Am 4. Juni sollte eine Caritas-Mitarbeiterin mit ihm bei der Polizei erscheinen – wozu es wegen der Ereignisse von Flensburg nicht mehr kam. Laut Bericht war der Mann nach eigenen Angaben 2015 über Italien und Österreich nach Deutschland gelangt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert