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Flensburg : Todkranke Patientin: Sterbehilfe – Nein, danke!

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie will leben – bis zuletzt: Eine todkranke Frau aus Flensburg berichtet, warum für sie ein Nachhelfen im Angesicht des Todes nicht in Frage kommt.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 19:32 Uhr

Flensburg | Es ist eine Frage von Leben und Tod. Die Frage, wann das Leben endet, wann der Tod beginnt und wie viel Einfluss der Mensch wann darauf nehmen darf. Die Diskussion um die Sterbehilfe in Deutschland beschäftigt nicht nur den Bundestag, dessen Fraktionen die Abstimmung über ein neues Gesetz freigeben wollen. Zwei Drittel aller Deutschen sind laut einer Umfrage für die Legalisierung aktiver Sterbehilfe.

Darüber urteilen können aber am besten wohl die, die nah am Tod dran sind. So wie Johanna Soltau aus Flensburg. „Der Tod findet hinter Glastüren statt – das finde ich falsch“, sagt sie. Für die junge Frau kommt Sterbehilfe nicht in Frage. „Der Tod gehört zum Leben dazu und wenn er kommt, dann kommt er.“

Die 34-Jährige sitzt auf ihrem Bett. Ihr ist nicht anzusehen, dass sie todkrank ist. Die junge Frau hat einen Schlauch in der Nase, über den sie Sauerstoff bekommt. Seit ihrer Kindheit ist sie lungenkrank, die Bronchien verschleimen, jeder Infekt schwächt Johanna Soltaus Lungen und Herz etwas mehr. Heilung gibt es nicht, Transplantationen kommen für die junge Frau nicht in Frage.

Seit ein paar Monaten hat Johanna Soltau die Pflegestufe eins, sie wird von den Mitarbeitern des Katharinenhospizes am Park in Flensburg betreut. „Es kann jederzeit vorbei sein, es kann aber auch noch fünf Jahre gut gehen“, sagt Johanna Soltau und lächelt.

Es wirkt nicht so als spreche sie von ihrem Tod. Und doch hat sie sich mit ihrer Familie über Jahre damit auseinander gesetzt. „Meine Söhne sind neun und zwölf Jahre alt, und natürlich wissen sie, dass ich nicht mehr bei ihnen bin, wenn sie groß sind“, sagt Johanna Soltau. Immer wieder habe es Momente gegeben, in denen sie geglaubt habe, es gehe nicht mehr. „Der Tod ist immer präsent, das können und wollen wir nicht ändern“, sagt ihr Mann Henning, der den Haushalt neben seiner Arbeit als Tischler allein stemmen muss. Er wünscht sich wie seine Frau, dass die Menschen normaler mit Krankheit und Tod umgehen.

Johanna Soltau hat auch über Sterbehilfe nachgedacht. „Wie viele andere Menschen in meiner Lage stelle ich mir die Frage: Kannst Du Deinen Angehörigen das alles noch zumuten?“ Aber die positiven Momente, die sie mit ihrer Familie erlebt, nehmen ihr die Antwort ab. Wenn aktive Sterbehilfe legal werden sollte, sieht Soltau die Gefahr, dass todkranke Menschen schneller in den Tod flüchten könnten, um ihren Mitmenschen nicht zur Last zu fallen. „Das kann es aber nicht sein“, sagt Soltau und ihr Mann nickt dazu.

Die Familie lebt sehr bewusst, in vielen Bereichen. „Wenn jemand allein ist, und nur noch Schmerzen hat, dann kann Sterbehilfe vielleicht eine Erleichterung sein“, sagt Johanna Soltau.

Sie glaubt an den Kreislauf des Lebens, auch daran, dass ihre Seele nach dem Tod weiterlebt. „Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich habe Angst vor dem Ersticken.“ Das Gefühl kenne sie von vielen Anfällen. Aber auch dass sei kein Grund, ihr Ende mit Hilfe eines Sterbehilfevereins in der Schweiz zu suchen.

Und wie will sie sterben? Johanna Soltau lächelt. „Na ja, genauso wie alle das wollen. Am besten mache ich die Augen zu und mein Herz hört einfach auf zu schlagen.“

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