„Bike flash“ in Flensburg : Tod dem toten Winkel: Ein neues Sicherheitssystem soll Radfahrer schützen

Immer auf Augenhöhe mit dem Signal: Bike-Flash warnt auf vier Höhenniveaus.
Immer auf Augenhöhe mit dem Signal: „Bike-Flash“ warnt auf vier Höhenniveaus.

Beim Abbiegen werden die Zweiräder von Autofahrern teilweise übersehen. Das Radler-Radar vom Flensburger Erfinder Martin Budde soll Unfälle verhindern.

shz.de von
22. Februar 2018, 08:00 Uhr

Flensburg | Martin Budde hat geliefert. Der mit dem Flensburger Innovationspreis ausgezeichnete Erfinder des 2010 in Flensburg getesteten Fahrrad-Radars präsentierte am Mittwoch mit seinem Husumer Vertriebspartner Oliver Tauffenbach ein neues System, das Fußgänger und Fahrradfahrer im toten Winkel schützen soll.

Budde hatte den tragischen Unfall vom 4. September letzten Jahres zum Anlass für die Entwicklung eines neuen Systems genommen. Damals war ein auf der Schützenkuhle stadteinwärts fahrender Schüler von einem rechts in die Husumer Straße abbiegenden LKW-Fahrer übersehen und überfahren worden – ein Opfer von vielen Tausend. „40 Prozent aller Unfälle mit Radfahrern sind Abbiegeunfälle“, sagt der Erfinder. „Und jeder Unfall ist einer zu viel.“

„Bike flash“ heißt das neue System, das Budde und Tauffenbach am Sophienhof unter echten Verkehrsbedingungen für Oberbürgermeisterin Simone Lange, Vertreter der Ratsfraktionen präsentierten.

Budde setzt eine aus der maritimen Wehrtechnik stammende Wärmebildkamera ein, die an den neuralgischen Punkten das Geschehen auf der Spur neben dem motorisierten Verkehr 40 Meter weit gegen die Fahrtrichtung überwacht. Nähert sich einem abbiegenden Fahrzeug im toten Winkel ein Radfahrer, Skater oder Fußgänger, springen vier in unterschiedlichen Höhen an einem Lampenmast montierte LED-Warnleuchten plus ein Signal für den nahenden Radler an.

„Wir haben das System unter sämtlichen Wetter- und Lichtbedingungen einem Langzeittest unterzogen – ohne Ausfälle“, sagt Budde. Der TÜV habe das Gerät überprüft und zertifiziert. „Wir sind startklar.“ Die 15.000 Euro teure Anlage wird durch Tauffenbachs Firma Mobile Road Safety in Husum vertrieben.

Die gemischte Delegation aus dem Rathaus zeigte sich am Mittwoch aufgeschlossen und interessiert. Simone Lange verwies freilich trotz des TÜVs auf eine wohl noch erforderliche Zertifizierung durch die Bundesanstalt für Straßenwesen, ehe man über einen Einsatz der Geräte nachdenken könne.

Das Thema dürfte bald wieder auf der Tagesordnung stehen. Denn alle Ratsfraktionen haben für die nächste Sitzung im zuständigen Ausschuss für Bürgerservice, Schutz und Ordnung (28. März) einen Antrag für eine Verbesserung der Sicherheit auf den Radwegen angekündigt. Im Paket sind farblich abgesetzte Radwege in Signalfarben, Reflexionsstreifen, veränderte Ampelschaltungen, vorverlegte Haltestreifen sowie – wichtig für Budde – Anschaffung von Warnampeln für Radler im toten Winkel.

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