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Zurückgelassen : Tierschützer retten Hund vor dem Hungertod

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Flensburger Mozartstraße vegetiert ein Retriever-Mischling ohne Nahrung und Wasser vor sich hin – bis er befreit wird.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 11:00 Uhr

Flensburg | Er hat eine Tortur hinter sich – mit fast tödlichem Ausgang. Tommy ist abgemagert bis auf die Knochen. Das Tierheim an der Westerallee beherbergt derzeit diesen besonderen Gast – und dahinter verbirgt sich eine traurige Geschichte.

Nachbarn hatten den Tierschutz alarmiert. Und es gab eine Anzeige bei der Polizei. In der Mozartstraße, beklagten mehrere Anrufer, vegetiere ein großer Hund in der verlassenen Wohnung eines Einfamilienhauses vor sich hin. Dazu ein Hamster und eine Katze. Willy Sandvoß, Leiter des Tierheims, setzte unverzüglich alle Hebel in Bewegung, informierte die Polizei; Feuerwehr, Ordnungs- und Veterinäramt wurden eingeschaltet. Der Verdacht auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz lag auf der Hand: Vernachlässigung der Halter- und Betreuerpflicht.

Am Freitag vor einer Woche die Anordnung vom Kreisveterinär in Schleswig: Die Tiere müssen umgehend aus der Wohnung geholt werden. Das Schloss wird aufgebrochen, es bietet sich ein erschreckendes Bild. Der neunjährige Retriever-Mischling ist in einem geschlossenen, leeren, mit der eigenen Notdurft verdreckten Raum gesperrt, inmitten einer verwahrlosten Wohnung. Bestialischer Gestank. Kein Futter, kein Wasser. Aber auch keine Katze. Der Hamster hingegen hat das Zeitliche gesegnet – er liegt tot in seinem Käfig.

„Dem armen Hund hatte man nur einen Fetzen Stoff gelassen, der einmal eine Decke gewesen sein könnte, seine Rippen konnte man einzeln zählen“, sagt Sandvoß. Von den Mietern keine Spur. Sie sind nicht zu ermitteln. Angeblich, so berichten Nachbarn, soll die Halterin kein Geld für Nahrung und medizinische Versorgung gehabt haben. Und auch über eine Krebserkrankung des Tieres wird spekuliert. Tatsächlich bedecken Geschwülste das Fell. Das Ergebnis der tierärztlichen Untersuchung steht allerdings noch aus. Die Tiere, darauf deuten erste Ermittlungen hin, sind mindestens sieben Tage lang nicht versorgt worden.

Seit einer Woche nun wird Tommy im Tierheim aufgepäppelt. „Natürlich hatte er am Anfang enormen Appetit“, berichten die Pfleger. Und obwohl der stattliche Rüde einiges an Gewicht zugenommen haben soll, wirkt er immer noch ausgemergelt. „Er hat nie gejault, kaum einmal gebellt“, sagt Willy Sandvoß. „Ein lieber Hund, und mit der Zeit immer kraftvoller und mobiler“, freut er sich über die Entwicklung.

Für die Halterin indes hat er kein gutes Wort übrig. „Es ist unfassbar, was Menschen ihren Tieren manchmal antun.“ Seine Erfahrungen, die er über viele Jahre machen musste, sind bitter. Tommy ist kein Einzelfall. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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